• Blutkonserven-Knappheit in Bayern: Erste Operation in Coburg wegen fehlenden Blutspenden verschoben
  • Weniger Spender*innen wegen Sommerferien, Hitze und Corona-Pandemie - mehr Bedarf wegen nachgeholter OPs
  • Blutspendendienst: "Lage ist sehr angespannt" - nächste Wochen entscheiden, ob Blutkonserven-Notstand eintritt

Die Blutkonserven in Bayern werden knapp. "Die Lage ist sehr angespannt", sagt Patric Nohe vom Blutspendendienst des BRK (Bayerisches Rotes Kreuz) inFranken.de. "Aktuell können wir die Notversorgung zwar noch gewährleisten", so Nohe, "die nächsten Tage und Wochen werden jedoch darüber entscheiden, ob der Notstand kommt." In der Regiomed-Klinik in Coburg wurde bereits die erste Operation verschoben.

Operation wegen Blutkonserven-Knappheit verschoben: Klinik in Coburg appelliert

Gründe für die Knappheit gibt es viele: "Wir haben aktuell einen sehr hohen Bedarf an Blutspenden", so Nohe. "Operationen, die wegen der Corona-Pandemie verschoben wurden, müssen jetzt nachgeholt werden, weil die Inzidenz es derzeit zulässt. Deshalb operieren die Krankenhäuser aktuell auf Hochtouren." Trotzdem gibt es weniger Spenden: Hitze, Ferien und Reisen seien für viele ein Grund, derzeit auf eine Blutspende zu verzichten.

"In Coburg mussten wir eine Operation verschieben", erklärt Birgit Schwabe, Pressesprecherin der Regiomed-Kliniken. "Wir gehen davon aus, dass es noch schwieriger wird. Es ist aber noch keine Panik nötig." Es habe sich außerdem um ein außergewöhnliches Blutprodukt gehandelt, so Schwabe, was der Blutgewinnung in diesem Fall noch zusätzliche Schwierigkeiten bereitet habe. Trotzdem ist die Lage bereits kritisch: "Wenn einmal zwei bis drei Tage lang weniger los wäre bei unseren Spendenaktionen, hätten wir sehr schnell ein großes Problem", weiß Nohe vom Blutspendendienst.

Darin sind sich Nohe und Schwabe einig: Die Leute müssen Blut spenden gehen. "Wir befinden uns in der entscheidenden Phase", so Nohe. "Es ist wichtig, dass wir jetzt genug Spenderinnen und Spender finden, weswegen wir deutlich zur Spende aufrufen." Weil der Blutspendendienst bedarfsorientiert arbeitet, sei es wichtig, dass alle Termine flächendeckend wahrgenommen werden. "Nur, wenn alle Termine ausgebucht sind, können wir kontinuierlich alles abdecken."

 Blutspenden beim BRK: So funktioniert eine Blutspende

Kontinuität sei das Stichwort: Weil Blutkonserven nur 42 Tage lang haltbar sind, sei es wichtig, dass kontinuierlich gespendet werde, erklärt Nohe. Derzeit werden alle Blutspenden gleich wieder an die Kliniken abgegeben, man brauche aber auch einen kleinen Puffer. "Für Großschäden oder Tage, an denen weniger los sein wird." Dabei sei eine Blutspende eigentlich keine große Sache: Neben Anmeldung und einem Fragebogen werden kurz ein Bluttropfen sowie die Körperfunktionen untersucht und gemessen.

Die Blutspende selbst dauert selten länger als zehn Minuten. 500 Milliliter werden hierbei abgegeben und schon nach wenigen Tagen hat der Körper den Verlust wieder voll ausgeglichen. Nur die roten Blutkörperchen brauchen neben den weißen Blutkörperchen, dem Blutplasma und den Thrombozyten etwas länger, was die Leistungsfähigkeit jedoch in der Regel nicht beeinträchtigt. Nach verschiedenen Tests werden die Blutpräparate bis zur Verwendung eingelagert. Ein Pluspunkt: Sollte bei der Blutuntersuchung ein Testergebnis von der Norm abweichen, wird der jeweilige Spender beziehungsweise die Spenderin umgehend informiert. Weitere Informationen hält der Blutspendendienst auf seiner Website bereit.

Die Terminvergabe wird online abgewickelt: Dort vergibt der Blutspendendienst die Reservierungen für Blutspende-Termine. Noch einmal betont Nohe: "Es ist gut und wichtig, dass alles ausgebucht ist. Bestenfalls nimmt man einfach den nächsten Termin, der frei ist." Aktuell sei noch Luft nach oben - "es ist nicht so voll, wie wir gerne hätten. Um vollumfänglich alle Kliniken versorgen zu können, dürfte es noch etwas mehr sein. Rund 15 Prozent aller Termine pro Tag seien derzeit noch frei, Spenderinnen und Spender werden dauernd gesucht." Man hoffe derzeit, die Sommerferien über alle versorgen zu können.

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