Es war eine Zeit, in der alte Gewissheiten ins Wanken gerieten: Die Erde war offenbar doch keine Scheibe, die katholische Kirche nicht allein seligmachend, und Ritter wurden eigentlich nicht mehr gebraucht, um ein Reich zu regieren. "Man brauchte keine Kämpfer mehr, sondern Juristen, und wirtschaftlich lief den Rittern jeder reiche Kaufmann in einer Stadt den Rang ab", sagt Peter Wolf.

Der Historiker vom Haus der bayerischen Geschichte (HdbG) betreut die Landesausstellung 2017: "Ritter, Bauern, Lutheraner" wird auf der Veste Coburg und in Sankt Moriz zu sehen sein. Im Mai wird eröffnet, nun ist die Ausstellung selbst in einer Zwischenphase. Die Planung ist so gut wie beendet, die ersten Möbel sind schon im Bau, die zusätzlichen Führer für die Ausstellung ausgewählt, die Leihverträge für Kunstwerke aus anderen Museen unterschrieben. Nur die Aussstellung fehlt noch.

Das HdbG organisiert jedes Jahr eine Landesausstellung, 2016 sind es sogar zwei: Die übers Bier und die über Kaiser Karl IV., zusammen mit Tschechien. Peter Wolf ist seit 1996 dabei; die erste Ausstellung, bei der er mitarbeiten durfte, war "Ein Herzogtum und viele Kronen" 1997 auf Schloss Callenberg. Inzwischen ist er einer der Projektleiter im HdbG. "Die Ausstellungen, an denen ich beteiligt war, haben über eine Million Menschen gesehen", sagt er.

Jeder Projektleiter gestaltet seine Ausstellungen anders. Wolf sucht gern nach einer Erzählung, einer Dramaturgie, die die Besucher in ihren Bann zieht, in eine andere Welt bringt. "Dann ist das ideal." Die Objekte und Kunstgegenstände, die die Besucher sehen, sind dann "unsere Schauspieler", die die Geschichte transportieren müssen. Wolf kann natürlich auf den Fundus der Veste zurückgreifen, doch etliche Leihgaben hat er auch von anderen Museen erhalten. "Das HdbG hat einen guten Namen", sagt er nicht ohne Stolz. Deshalb kommen Leihgaben unter anderem aus dem Germanischen Nationalmuseum, der Hof- und Rüstkammer Wien und aus dem Louvre in Paris. "Unsere Besucher erwarten, dass sie nicht nur eine gute Geschichte erzählt, sondern auch Außergewöhnliches zu sehen bekommen", sagt Peter Wolf.


Ort, Menschen, Geschichte

Spätestens seit der Ausstellung "Ein Herzogtum und viele Kronen" auf Schloss Callenberg gibt es eine enge Beziehung zwischen dem Ort und dem Thema der Ausstellung. Und wenn es schon gilt, 500 Jahre Reformation zu würdigen, dann muss es an einer Lutherstätte geschehen. Wenn nächstes Jahr die Veste während der Ausstellung als eine der "mitteldeutschen Lutherstätten" ins Weltkulturerbe aufgenommen werden würde, wäre das "schon ein Höhepunkt", sagt Wolf. Die Veste mit ihrem Lutherzimmer ist Schauplatz und Objekt zugleich: Martin Luther lebte 1530 rund ein halbes Jahr auf der Veste und verfolgte von dort aus den Augsburger Reichstag. Selbst hinzureisen durfte er nicht wagen, weil er unter Reichsacht stand. Aber in Coburg befand er sich unter dem Schutz des sächsischen Herzogs Johann der Beständige.

Die Reformation war nur einer der vielen Umbrüche nach 1500. Der Druck mit beweglichen Lettern revolutionierte Bildung und Medienverhalten. Auch das will Wolf sichtbar machen.

Ohne die Druckschriften und Flugblätter wäre die Reformation nicht möglich gewesen. "Luther hat sich sein Leben erschrieben", sagt Wolf: Seine Predigten und Sendschreiben waren in der Welt, und auch Luthers Tod hätte daran nichts mehr geändert, meint Wolf. Die alte Kirche sei mit diesem "unheimlichen Medienhype" überfordert gewesen.

Die Menschen des 16. Jahrhunderts müssen sich angesichts dieser Entwicklung gefühlt haben wie wir heute mit dem Internet: Was ist wahr, was ist eine so genannte Fakenews? "Damit muss man erst einmal umzugehen wissen", sagt Wolf. Hinzu kamen neue Aktionsformen, wie man heute sagen würde: Gruppen von Reformationsanhängern sprengten Messen, indem sie neue deutsche Kirchenlieder sangen.

Doch nicht nur die Kirche geriet unter diesen Druck von unten. Die alten Ritter mussten erfahren, dass es auf sie nicht mehr ankam. Das Turnierwesen erlebte eine letzte große Blüte, aber es war eigentlich nur noch Show. "Da konnte man sich messen mit dem Kaiser", erläutert Wolf. "Aber universitär ausgebildete Fachleute übernahmen das Regieren."


Aufbauphase läuft an

Fachleute braucht auch das HdbG für die Vorbereitung der Ausstellung. Mehrere Restauratoren aus unterschiedlichen Fachgebieten arbeiten mit; sie müssen sagen, welche klimatischen Bedingungen in den jeweiligen Vitrinen herrschen müssen, um alte Druckschriften, Bilder, Stoffe oder Metallobjekte präsentieren zu können. Deshalb steht in einer Ecke schon ein Vitrinendummy, und die Restauratoren werden die Vitrinen später auch bestücken.

Die Ausstellung ist von vornherein zweisprachig konzipiert, auf Deutsch und Englisch. "Wir haben schon 300 Gruppenanmeldungen, auch einige aus den USA", berichtet Wolf. "Coburg wird Besucher anziehen." Natürlich werden die Ausstellungsbesucher eine App auf ihre Smartphones laden können, natürlich wird es Audioguides geben, aber auch Gruppenführungen.

Die Mitarbeiter dafür werden im Februar ausgebildet, das Dekanat und die Kirchengemeinde St. Moriz schulen 80 ehrenamtliche "Reformationsbotschafter", die durch die Morizkirche führen. Im Januar beginnt der Aufbau der Ausstellung in der Veste. "Das Spannende ist die Kombination von wissenschaftlicher Vorbereitung, dem Erzählen einer Geschichte und die bauliche Umsetzung", sagt Wolf. Menschen wollen Geschichte anhand von Objekten begreifen, ist er überzeugt. "In die Museen gehen pro Jahr mehr Menschen als in Fußballstadien."

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt's hier:http://www.hdbg.de/reformation/