Städtepartnerschaften sind in Coburg nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern auch gelebte Philosophie.
Derzeit unterhält die Vestestadt zu Gais (Italien, 1971), Niort (Frankreich, 1974), Oudenaarde (Belgien, 1972), Isle of Wight (Großbritannien, 1983), Cobourg (Kanada, 1997) und Toledo (USA, 2017) freundschaftliche Verbindungen. Damit diese Partnerschaften von einer breiten Bevölkerungsschicht getragen werden, wurde im Jahr 1988 der Städtepartnerschaftsverein Coburg gegründet. Mit einem Festakt wurde der 30. Geburtstag des Vereins im Rathaussaal würdig gefeiert.
In seinen Betrachtungen zu Städtepartnerschaften kam Oberbürgermeister Norbert Tessmer zu dem Ergebnis, dass sie wichtige Bausteine seien, Frieden zu erhalten, und Garanten für ein auskömmliches Miteinander sind. Er hob in seiner mit viel Applaus bedachten Rede heraus, dass Städtepartnerschaften für den gelebten Willen zur Völkerverständigung stehen. Tessmer erinnerte
daran, dass nach der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", wie er den Zweiten Weltkrieg bezeichnete, nicht nur die offizielle Diplomatie gefordert war, sondern auch ein verbindendes Element an der Basis nötig wurde, damit Bürger unterschiedlicher Nationen zueinander finden konnten. Städtepartnerschaften waren nach Auffassung des Stadtoberhauptes der Schlüssel dafür, Vorurteilen entgegenzuwirken "Die Geschichte der Städtepartnerschaften ist eine Geschichte der Nachbarschaften", betonte Tessmer, der sich als uneingeschränkter Freund solcher Beziehungen bekannte.
Bitte nicht nur auf dem Papier
Für ihn ist es aber wichtig, dass diese Verbindungen nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern mit Leben gefüllt werden. Dem Städtepartnerschaftsverein attestierte er, dass dieser die Coburger Partnerschaften mit viel Leben erfülle. Die zahlreichen Gäste des Abends forderte er auf: "Lassen Sie
uns die bestehenden Kontakte vertiefen und Verbindungen stärken." Für Tessmer ist nicht alles eitel Sonnenschein. Er sieht durchaus dunkle Wolken aufziehen, die den europäischen Zusammenhalt zerstören wollen und für eine Renationalisierung, Abschottung und Entsolidarisierung stehen. Tessmer eindringlich: "Es ist Zeit, gegen diese destruktiven Kräfte unsere Stimme zu erheben, laut und vernehmlich. Ein Gegeneinander kennt nur Verlierer."
Deutlich machte der Oberbürgermeister, dass nach seiner Auffassung Städtepartnerschaften dazu beitragen können, mentale Landkarten neu zu vermessen und zu verbinden, wo neue Mauern und die Tendenz zur Abschottung wachsen. Dank sagte er allen, die an der Gründung und Pflege der
Städtepartnerschaften mitgewirkt haben. Eine besondere Freude war es für die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Maria Krumm, mit Bob Blezzard und Peter Jackson zwei Gäste von der Isle of Wight in Coburg begrüßen zu können.
Auch nach dem Brexit nicht vergessen
Einen kurzen Rückblick auf 30 Jahre Städtepartnerschaftsverein gab Ursula Schmitt. Bei aller Euphorie musste sie auch einräumen, dass es Rückschläge gegeben habe. So wurde die Zusammenarbeit mit Garden City (USA) aufgelöst. "Wir waren immer das ungeliebte Patenkind", beschrieb Schmitt diese Verbindung. Auch das kanadische Cobourg scheint nach ihren Worten kein großes Interesse am weiteren Fortbestehen der Partnerschaft zu haben. Den Gästen aus Großbritannien sagte sie zu: "Wir werden die Isle of Wight auch nach dem Brexit nicht vergessen."
Bereichert wurde die Feier durch die Gruppe "Jongcolade", die mit ihren Jonglierkünsten eindrucksvoll zeigte, dass man der Schwerkraft durchaus ein Schnippchen schlagen kann.
Der Festakt bildete auch den würdigen Rahmen, Gründungsmitglieder zu ehren, die heute noch dem Verein angehören: Helga Bauer, Gisela Buchgraber, Reiner Dressel, Ludwig Frenking, Manfred Jenke, Franziska Klinnert, Rosemarie Schell, Ursula Schmitt, Norbert Tessmer und Klaus Wöhner.