Es sollte ein lustiger Spieleabend in geselliger Runde werden - für die 17-jährige Gastgeberin endete die Feier im November 2019 jedoch im Albtraum. Nachdem alle anderen Gäste gegangen waren, wurde der letzte Partygast - ein 18-jähriger Kumpel - immer zudringlicher. Er streichelte sie, küsste sie und zog ihr die Kleidung aus, obwohl sie immer wieder sagte, dass er aufhören solle. Als er kurz aus dem Zimmer ging, zog sie sich wieder an und hoffte, dass er ihr "Nein" verstanden hat - vergeblich. Er ließ nicht von ihr ab, zog sie erneut aus - und vergewaltigte sie. Der damals 18-Jährige musste sich für diese Tat nun vor dem Amtsgericht Coburg verantworten.

Der Angeklagte stritt vehement ab, die Geschädigte zum Sex gedrängt zu haben - seine Ausführungen wirkten jedoch nicht sehr glaubwürdig. Am Ende wurde er nach dem Jugendstrafrecht zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er sich einer Therapie unterziehen und vier Wochen in Jugendarrest.

Erst sexuell bedrängt, dann vergewaltigt - Der Angeklagte spricht von einvernehmlichem Sex

Der Angeklagte gestand zumindest teilweise, was ihm in der Anklageschrift zur Last gelegt wurde. Dort hieß es, er habe sie nach einem Spieleabend zunächst sexuell bedrängt, indem er ihr über den Oberschenkel gestreichelt, sie geküsst und sie ausgezogen habe. Nachdem er kurz auf die Toilette gegangen sei, habe sie sich wieder angezogen und sich in eine Decke gehüllt. Er habe sie danach allerdings erneut ausgezogen und hatte ungeschützten Sex mit ihr.

Er sagte, das habe sich prinzipiell schon so ereignet, aber er sei die ganze Zeit davon ausgegangen, dass der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen sei. Immerhin habe sie nur gesagt, dass sie nicht mit ihm schlafen wolle, weil der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahren eine feste Freundin gehabt habe. Der Angeklagte habe erwidert, dass das egal sei - damit sei ihr Einwand seiner Meinung nach hinfällig gewesen. Zudem habe es zwischen dem ersten und dem zweiten Annäherungsversuch eine Pause gegeben, in der die Geschädigte seiner Meinung nach kein eindeutiges Signal gesendet habe.

"Sie hätte sich ja verstecken oder die Polizei rufen können", sagt der Angeklagte

Für seine Rechtfertigungen hatte Richterin Daniela Jensch allerdings kein Verständnis - vor allem nicht, nachdem die Geschädigte, ihre beste Freundin und die zuständigen Polizeibeamten ausgesagt hatten. Die Freundin bestätigte, dass die Geschädigte auch ihr erzählt habe, dass der Sex nicht einvernehmlich gewesen sei - sie habe sie noch in derselben Nacht "in Tränen aufgelöst" angerufen und ihr von dem Vorfall berichtet.

Ein Beamter schilderte, dass die Geschädigte bei der Befragung angegeben hatte, dass sie ihre Schenkel zusammengedrückt habe - der Angeklagte habe sie allerdings an Händen und Oberkörper festgehalten und ihre Schenkel mit seinem Körper gewaltsam auseinandergedrückt.

Wenn Täter und Opfer vor einem solchen Vorfall gut befreundet gewesen sind, sei es nicht ungewöhnlich, dass das Opfer nicht sofort die Polizei verständigt oder sich noch vehementer wehrt. Deshalb habe der Beamte der Geschädigten bei der Befragung Glauben geschenkt.

Die Richterin macht klar: "Nein ist nein - egal, aus welchem Grund"

Auch das Argument, dass die Geschädigte lediglich die Freundin als Argument angeführt hatte und dem Angeklagten deshalb nicht deutlich signalisiert hatte, dass sie generell keinen Sex mit ihm haben möchte, lässt Richterin Daniela Jensch nicht gelten. "Nein ist nein - egal, aus welchem Grund", betont sie. Deshalb habe sich der Angeklagte der Vergewaltigung schuldig gemacht.

Weil der Angeklagte zwar volljährig ist, aber laut Richterin nicht die geistige Reife eines Erwachsenen habe, wurde er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Er muss sich an strenge Bewährungsauflagen halten, sonst muss er für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis.

Zu den Auflagen gehört, dass er eine Therapie für Sexualstraftäter antritt. Da es so scheint, als würde der junge Mann das Unrecht seiner Tat noch immer nicht einsehen, muss er zudem vier Wochen in den Jugendarrest. "Das ist für Sie hoffentlich ein Warnschuss", mahnt Richterin Jensch.