Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) durfte natürlich als erster reinfahren. Aber kaum hatte sich hinter ihm die Schranke gesenkt, standen schon die nächsten dran, die ins neue älteste Parkhaus Coburg einfahren wollten. 1977 wurde es eröffnet - mit damals 436 Kurzzeitparkplätzen. Nun sind es noch 382 - aber die sind dann auch mit einem größeren Auto nutzbar.

Dass am späten Donnerstagnachmittag noch eröffnet wurde, hat seinen Grund im heutigen Reformationstag. Der ist gesetzlicher Feiertag in Thüringen, und viele Thüringer nutzen ihn für einen Einkaufsbummel in Bayern oder Hessen. "Ich wünsche uns einen großen Ansturm", sagte OB Tessmer. Er erinnerte auch an den laufenden Bau der Quartierstiefgarage in der Ketschenvorstadt, die nächsten Sommer eröffnet werden soll.


Die Tiefgarage Ketschenvorstadt kostet mit neun Millionen Euro aber fast doppelt so viel wie die nun abgeschlossene Sanierung. 4,7 Millionen Euro hat die Wohnbau über die Stadtentwicklungsgesellschaft in der "Mauer" verbaut. "Ein Neubau wäre kaum weniger aufwendig gewesen", sagte deren Geschäfsführer Andreas Heipp.
Eigentlich sollte das Parkhaus erst am verkaufsoffenen Sonntag, am 9. November, wieder eröffnet werden. "Ein, zwei Tage hätten uns schon noch gut getan", seufzte Wohnbaugeschäftsführer Christian Meyer. Einige kleinere Restarbeiten werde es noch geben, sagte sein Kollege Andreas Heipp. Ausgespart wurde bislang auch die Sanierung des Dachgeschosses. Die soll in zwei oder drei Jahren folgen - "aber dafür müssen wir nichts sperren", betonte Heipp.

Einer der ersten, die gestern wieder ins Parkhaus einfuhren, war Hans Mönch. Der 88-Jährige, früher Inhaber eines Lebensmittelgroßhandels, hatte seinerzeit 600 Quadratmeter Grund für den Bau des Parkhauses abgegeben. Seit der Eröffnung 1977 hat Mönch nicht nur einen Dauerparkplatz; vom Parkhaus profitierte auch sein Geschäft. "Wir haben den Kunden den Wein ins Parkhaus bis an den Kofferraum gefahren."


Technisch auf neuestem Stand

Zeitgemäß breite Parkplätze, LED-Leuchten an der Decke, moderne Sicherheitstechnik, behindertengerechte Kassenautomaten im behindertengerecht gestalteten Parkdeck 3: Mag das Parkhaus auch schon fast 40 Jahre alt sein, innen ist es wie neu. Der Strom kommt aus einem eigenen Blockheizkraftwerk der Wohnbau. "Das ist nicht nur ökologisch nachhaltig, sondern wirtschlich betrachtet auch ein rentables Konzept, das sich selbst trägt", sagt Wohnbau-Geschäftsführer Andreas Heipp.

"Circa 8 cm Beton wurden auf insgesamt 12500 m² Fläche mittels Hochdruckwasserstrahlen von bis zu 2000 Bar abgetragen und mit rutschfester und tausalzbeständiger Beschichtung versehen. 170 Betonmischer fuhren insgesamt 1100 Kubikmeter Beton zur Erneuerung der Oberflächen an. Weitere 50 Tonnen Bewehrungsstahl wurden in den Decken verbaut", heißt es in einer Mitteilung der Wohnbau Coburg. "Die Anwohner mussten einiges ertragen", sagte Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer. Vor allem das Abtragen des Betons war mit viel Lärm und Staub verbunden.

Im neuen Parkhaus gibt es nicht nur ein behindertengerechtes Parkdeck, sondern auch Frauen- und Familienparkplätze. Wie in den anderen Parkhäusern auch sind überall Videokameras zur Überwachung installiert. Auch an den Einfahrten. Dort werden die Kennzeichen erfasst. Aber, betont Andreas Heipp: "Die Datenschutzrichtlinie wird eingehalten." Wird beispielsweise ein Unfall nicht sofort gemeldet, sind die Aufzeichnungen der Videokameras womöglich schon gelöscht, wenn der Schaden aktenkundig wird.