In den Konzert-Programmen des neuen Generalmusikdirektors Daniel Carter sollen Coburger Komponisten künftig eine sehr wichtige Rolle spielen. Einen ersten Vorgeschmack auf Carters programmatisches Vorhaben bietet die aktuelle Episode der erfolgreichen Kammermusik-Reihe Klassik am Sonntag. Darin präsentiert Daniel Carter gemeinsam mit einem Sextett aus den Reihen des Philharmonischen Orchester den kunstsinnigen Coburger Herzog Ernst II. in seiner Rolle als Komponist.

Drei Arien aus der Oper "Santa Chiara" führen klingend vor Ohren, warum sich der Coburger Herzog in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchaus einen gewissen Ruf als Komponist erworben hatte - unabhängig von der bis heute ungeklärten Frage, wie groß der Anteil des Regenten tatsächlich an den unter seinem Namen veröffentlichten Werken war.

Romantische Oper

Die ausgewählten drei Arien aus "Santa Chiara" jedenfalls vermitteln durchaus einen guten Eintritt von der Stilistik dieser dreiaktiven romantischen Oper, die 1854 im damaligen Herzoglichen Hoftheater in Gotha uraufgeführt wurde. Als Solisten setzen sich die Sopranistin Dimitra Kotidou, der Tenor Peter Aisher und der Bariton Daniel Carson mit Nachdruck und großer gestalterischer Intensität für Herzog Ernst II. "Santa Chiara" ein.

Nur noch seltener Gast an "seinem" Theater

Zwischen funkelnden Koloratur-Girlanden und lyrischen Melodien entfalten sie die Ausdruckspalette der Arien lebendig und anschaulich. Vom Klavier aus leitet Coburgs junger GMD die philharmonische Instrumentalistenschar mit Diana Zohrabyan und Dorothee Steuler (Violine), Andreas Hilf (Viola), Michael Gareis (Cello), Christian Ernst (Kontrabass) und Melanie Alban (Harfe).

In den letzten Jahrzehnten war der komponierende Herzog ein seltener Gast an seinem ehemaligen Hoftheater (siehe auch Info-Box "Coburgs Herzog Ernst II. als Komponist"), nachdem die letzte szenische Aufführung von "Santa Chiara" bereits 1927 stattfand.

Festkonzert 1993, konzertante Aufführung 2010

Immerhin gab es im September 1993 zum 100. Todestag und zum 175. Geburtstag von Ernst II. ein Sonderkonzert, bei dem fast ausschließlich eigene Werke auf dem Programm standen. 2010 folgte als Oper am Klavier eine konzertante Aufführung von "Santa Chiara" als Coburg-Gastspiel der Erfurter Oper.

Coburgs Herzog Ernst II. als Komponist

Hintergrund Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (1818 bis 1983) ist mit einer Reihe von Werken als Komponist hervorgetreten. Dazu zählen auch mehrere Opern. Seine vierte Oper, "Santa Chiara" auf ein Libretto der seinerzeit erfolgreichen Schriftstellerin Charlotte Birch-Pfeiffer, wurde am 2. April 1854 im Herzoglichen Hoftheater in Gotha uraufgeführt. Dirigent der Uraufführung war Franz Liszt. Mit der Instrumentierung des Werkes beauftragte Ernst II. Traugott Krämer, den Konzertmeister seiner Hofkapelle.

"Santa Chiara" ist die erfolgreichste seiner Opern. Aufführungen an weiteren großen Bühnen Deutschlands folgten. 1855 fand das Werk sogar den Weg an die Oper von Paris, wo es mehr als 60 Vorstellungen erlebte. Die letzte szenischer Aufführung in Coburg fand im Mai 1927 statt. Als "Oper am Klavier" war das Werk im Februar 2010 als Gastspiel der Oper Erfurt am Landestheater zu hören.

Übrigen: Sämtliche Urheberrechte hatte Ernst II. zu Lebzeiten den Mitgliedern der Hofkapelle übertragen.

Online ist die Reihe "Klassik am Sonntag" auf der Homepage des Landestheaters zu finden