Die Geschichte dieses Lebens liest sich wie das Drehbuch eines Hollywood-Autors mit einem ausgeprägten Hang zu Klischees. Und tatsächlich sollte das Leben diesen Komponisten nach ersten großen Erfolgen in Europa über den Atlantik nach Hollywood führen.


Das Leben, von dem hier die Rede ist, ist das Leben von Erich Wolfgang Korngold. Der am 29. Mai 1897 in Brünn Geborene hatte nach Mozart, als Anspielung auf das berühmteste Wunderkind der Musikgeschichte, als zweiten Vornamen Wolfgang bekommen und mit Erich Wolfgang nahm das zweite Wunder seinen Lauf. "Ausblick in ein schönes Land" ist der Titel eines szenischen Liederabend von Björn Reinke, der am Samstag im Theater in der Reithalle Premiere feiert.


Karriere als Wunderkind

Eine in jeder Hinsicht zentrale Rolle im Leben des Komponisten spielte der Vater Julius Korngold, ein gefürchteter Musikkritiker. Korngold Senior schien das Talent seines Sohnes vorausgesehen zu haben. Erich Wolfgang machte eine Aufsehen erregende Karriere als Wunderkind.


Die Ballettpantomime "Der Schneemann", die er als Elfjähriger komponiert hatte, wurde an der Wiener Hofoper uraufgeführt und Gustav Mahler schrie "Ein Genie!", als der Neunjährige ihm seine gerade komponierte Kantate auf dem Klavier vorspielte. Schon bald folgten große Orchesterwerke und 1916, Korngold war noch keine 20 Jahre alt, feierten seine Opern "Der Ring des Polykrates" und "Violante" in München ihre umjubelte Uraufführung. Seine nächste Oper "Die tote Stadt" war der Höhepunkt seines kometenhaften Aufstiegs.


Mit der Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten folgte das Schicksal der Emigration des jüdischen Komponisten in die USA. Hier gelang es Korngold, als Filmkomponist Fuß zu fassen. Bereits ab 1929 hatte er mit Max Reinhardt zusammen gearbeitet, der ihm nun in Hollywood die musikalische Leitung von "A Midsummer Night's Dream" anbot. 1938 folgte das Angebot von Warner Brothers, "Robin Hood" zu vertonen. Inzwischen hatte Korngold seine Ehefrau Louise ("Luzi") und die restliche Familie in die neue Heimat nachgeholt. In den folgenden Jahren wurde Erich Wolfgang Korngold zu einem der bedeutendsten Filmkomponisten Hollywoods, doch selbst der Gewinn zweier Oscars konnte nicht über das Gefühl der Entwurzelung hinwegtrösten.


Üppiger Schönklang

Kaum war der Weltkrieg zu Ende, kehrte Korngold 1949 nach Wien zurück. Er hoffte, in Europa als "seriöser" Komponist mit sinfonischen Werken an seine alten Erfolge anknüpfen zu können. Doch die Musikgeschichte war andere Wege gegangen, weg vom üppigen Schönklang der Spätromantik, und sein Comeback-Versuch traf auf wenig Resonanz.

Enttäuscht kehrte Korngold nach Amerika zurück, wo er 1957 - sechzigjährig - an den Folgen einer Hirnthrombose starb. Mit einem szenischen Liederabend, in dem neben den schönsten Liedern Korngolds auch Stücke aus seiner Ballett-Pantomime "Der Schneemann" und den Opern "Die Kathrin" und "Die tote Stadt" erklingen werden, führt Regisseur Björn Reinke musikalisch durch Korngolds Leben.


Stationen einer wunderbaren Beziehung, die Liebe zu seiner Frau Luzi, die Stationen Wien und Hollywood, Erfolg und Enttäuschung, Humor und Melancholie - all dies wird in der Interpretation von Ana Cvetkovic-Stojnic, Kora Pavelic und Jirí Rajniš in der Begleitung von Claudio Rizzi (Klavier) und mit Carolina Kurkowski/Diana Zohrabyan (Violine) auf die Bühne der Reithalle gebracht.


Dieser szenische Liederabend ist gleichsam ein Vorklang einer weiteren Korngold-Produktion in dieser Saison am Landestheater. Zwei Wochen später, am Samstag, 25. Februar, feiert im Großen Haus seine Komödie mit Musik "Die stumme Serenade" Premiere.



Rund um den Korngold-Liederabend



Premieren-Tipp "Ausblick in ein schönes Land" - szenischer Liederabend von Björn Reinke mit Musik von Erich Wolfgang Korngold - Samstag, 11. Februar, 20 Uhr, Theater in der Reithalle

Produktionsteam
Inszenierung und Konzeption: Björn Reinke
Bühnenbild und Kostüme: Sven Bindseil; musikalische Einstudierung: Claudio Rizzi

Besetzung
Erich Wolfgang Korngold:
Jiri Rajnis
Luise (Luzi) von Sonnenthal: Ana Cvetkovic-Stojnic
Die Wienerin: Kora Pavelic
Erich, als Kind: Thomas van Rensburg
Julius Korngold: Wolfgang Müller
Ein Herr mit Zeitung: Marco Mohr
Kellner und andere Rollen:
Kevin Pojani
Klavier: Claudio Rizzi
Violine: Carolina Kurkowski/Diana Zohrabyan

Vorstellungen
12. Februar, 18 Uhr (weitere Termine in Planung)

Karten-Vorverkauf Tageblatt-Geschäftsstelle, Theaterkasse ct/jb