Nini Beyersdorf ist für ihr südamerikanisches Temperament bekannt. Wenn die künstlerische Leiterin des Coburger Samba-Festivals über ihre Heimat Brasilien und die dortige Lebenslust spricht, dann gerät sie schnell ins Schwärmen. Wenn sie über die ebenfalls aus Brasilien stammende Camila Prins spricht, dann kommt zur grundsätzlichen Begeisterung aber auch noch eine große Portion Bewunderung. "Camila ist eine mutige Frau; ich finde sie toll", sagt Nini Beyersdorf und freut sich riesig auf deren bevorstehenden Coburg-Besuch am Wochenende.

Aber der Reihe nach. Zunächst muss man wissen, dass Brasilien mit Jair Bolsonaro einen Präsidenten hat, der als frauenfeindlich, rassistisch und homophob gilt. Nach Angaben des Schweizer Portals "Gay" wurden alleine im vergangenen Jahr in Brasilien 124 Menschen ermordet, die sich offen zu ihrer Transsexualität bekannt hatten. Auch Camila Prins machte irgendwann kein Geheimnis mehr daraus, eine Transfrau zu sein - bei ihrer Geburt wurde sie zwar dem männlichen Geschlecht zugeordnet, sie identifiziert sich aber als Frau.

Aber Camila Prins setzte ihrem Outing im wahrsten Sinne des Wortes auch noch die Krone auf, indem sie sich Anfang 2020 um den begehrten Titel einer brasilianischen Samba-Königin bewarb. Und: Sie gewann!

Im Zeichen des Regenbogens

Anschließend verstand sich Camila Prins aber nicht nur als oberste Repräsentantin der Colorado do Brás, einer der renommiertesten Samba-Schulen von Sao Paulo. "Sie ist auch eine Aktivistin der LGBT-Gemeinschaft", erklärt Nini Beyersdorf. Als LGBT bezeichnen sich Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender sind. Ihr Symbol ist der Regenbogen.

Camila Prins lebt inzwischen in der Schweiz. Kontakte zu einer dortigen Samba-Schule hatte sie schon seit längerem. Zusammen mit diesen Schweizern besuchte sie 2019 auch das Samba-Festival in Coburg - "sie war begeistert, dass es hier ein so großes Fest gibt, das für Toleranz und Weltoffenheit steht", erzählt Nini Beyersdorf, die Camila Prins damals noch nicht kannte und deshalb in der riesigen Schar der Festival-Besucher auch nicht wahrnehmen konnte. Doch nach Prins' Titelgewinn Anfang 2020 nahm Nini Beyersdorf Kontakt zu ihr auf. "Ich habe sie zu unserem Festival eingeladen, und sie hat auch sofort zugesagt - weil sie ja bereits gute Erinnerungen an Coburg hatte." Doch dann stoppte Corona alles. Aber der Kontakt zwischen Camila Prins und Nini Beyersdorf blieb bestehen. "Irgendwann erzählte ich ihr, dass es leider auch 2021 kein Samba-Festival geben kann, sondern nur drei kleinere Ersatzveranstaltungen." Als Nini Beyersdorf deshalb andeutete, dass Camila Prins ja vielleicht 2022 als Gast auftreten könnte, habe sie widersprochen: "Ich komme bereits 2021! Denn gerade jetzt braucht ihr doch Unterstützung!"

Nini Beyersdorf war begeistert und ist es noch immer. Aber auch bei Camila, die an allen drei Veranstaltungen von "Voices of Brazil" mitwirken wird, konnte die Vorfreude noch gesteigert werden: "Ich habe ihr ein Foto vom Coburger Stadthaus geschickt, als es neulich in den Regenbogen-Farben angestrahlt war", erzählt Nini Beyersdorf. "Daraufhin hat sie mir geantwortet, dass sie Gänsehaut bekommen hat."

Für Nini Beyersdorf ist das alles ein schöner Beleg dafür, welch "tolles Fest" das Samba-Festival ist - und auch dafür, dass in Coburg Werte wie Toleranz und Respekt gelebt werden. "Deshalb fühle ja auch ich mich hier sehr wohl!"

Mit Blick aufs bevorstehende Wochenende sagt Nini Beyersdorf: "Ich bin mir sicher, dass Camila Prins von den Coburgern mit offenen Armen empfangen wird. Coburg ist bunt - und das ist gut so. Kein Platz für Hetze und Hass!"

Wie Coburg in diesem Jahr zumindest ein bisschen Samba feiert lesen Sie hier