Riester- und Rürup-Rente: So alt musst du werden, damit es sich lohnt

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Die meisten Riester- und Rürup-Renten bringen laut einer Studie nicht einmal den Ausgleich der Inflation. Viele Sparer müssen mit Verlusten bei ihrer Altersvorsorge rechnen.

Die Mehrheit der Riester- und Rürup-Renten-Sparer erreicht nicht einmal einen Inflationsausgleich. Das zeigt eine Untersuchung des Vereins Finanzwende. "Viel zu viele Menschen werden mit ihren Riester- und Rürup-Verträgen reale Verluste einfahren", sagt Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz. Daran werde auch die Riester-Reform der Bundesregierung wenig ändern – zumindest nicht in der aktuellen Version.

Studie zeigt: Riester-Sparer müssten 99 Jahre alt werden, um keine Verluste einzufahren

Für die Studie hat Finanzwende die Rendite-Erwartungen von 37-jährigen Musterkunden bei 18 Riester- und 78 Rürup-Rentenversicherungen analysiert. Ergebnis: Zwei Drittel der Rententarife erreichten über die gesamte Vertragslaufzeit nicht einmal das Mindestziel, eine Rendite von zwei Prozent, um die sich die Inflation in Deutschland bewegt. Sparer erleiden somit Verluste.

Die Angebote lohnten sich nur, wenn man ein sehr hohes Alter erreiche, sagt Studienautor Moritz Czygan. Konkret müssten Riester-Kunden bei den Angeboten 99 Jahre alt werden, damit sie wenigstens das gesamte Geld inflationsbereinigt zurückerhalten.

Bei den Rürup-Angeboten seien es 96 Jahre. "Ein wichtiger Grund dafür sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter, ein weiterer die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit." Wie capital.de berichtet, erhält jeder zweite Riester-Sparer weniger als 70 Euro zur Rente dazu. 31 Prozent aller Riester-Bezieher können sogar nur mit etwa 42 Euro rechnen. 

Riester-Renten schon lange in der Kritik: Kosten für Verwaltung zu hoch

Die staatlich geförderte Riester-Rente sollte Bürgern Sicherheit bieten, deren gesetzliche Rente nicht ausreicht. Zudem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren - das beschränkt die Renditechancen. Wegen hoher Kosten stehen Riester-Renten schon lange in der Kritik, die Zahl der Verträge nimmt seit Jahren ab.

Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium noch knapp 15 Millionen. Die Bundesregierung plant eine Reform. Sie sieht vor allem ein Altersvorsorgedepot vor, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien bietet.

Geplant ist ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel von 1,5 Prozent. Das sei viel zu hoch angesetzt, kritisiert Finanzwende. Erforderlich sei ein Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent Effektivkosten. Kritik kam auch vom Sozialverband Deutschland.

Keine Reform: Lobby der Versicherungsunternehmen steht hinter Riester und Rürup

In Schweden sei der Staatsfonds mit Verwaltungskosten von nur rund 0,1 Prozent deutlich günstiger, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Nicht jeder habe aber Geld zum Sparen übrig. "Darum brauchen wir eine starke gesetzliche Rente."

Dass seit Jahren keine Reform ins Rollen gebracht wurde, liegt daran, dass vor allem die Lobby der Versicherungsunternehmen eine solche blockiert. Kanzler Merz will für 2026 die sogenannte Aktienrente auf den Weg bringen, ähnlich wie es Schweden tut.

nw/mitdpa

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