Eigentlich ist alles wie immer: Rolf Beyersdorf trägt ein schrilles Outfit, ist gut gelaunt und freut sich auf Samba in Coburg am zweiten Juli-Wochenende. Aber bei näherem Hinsehen ist natürlich gar nichts wie immer. Zum zweiten Mal in Folge musste das Samba-Festival wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Es geht allerdings langsam aufwärts: Nachdem es 2020 als Ersatz lediglich eine Online-Show gab, können 2021 zumindest drei Live-Veranstaltungen mit bis zu 500 Besuchern stattfinden.

Rolf Beyersdorf spricht bei "Voices of Brazil" aber ausdrücklich von einer "kleinen Konzertreihe" und nicht etwa von einem Mini-Samba-Festival. Es sei zwar richtig und wichtig, dass noch immer einige Corona-Auflagen beachtet werden müssen. Aber: "Mit Stühlen, Mundschutz und Abstand - das ist nicht wirklich Samba!"

Andererseits glaubt Rolf Beyersdorf, dass eine gewisse südamerikanische Lebenseinstellung durchaus helfen kann, um etwas besser durch die schwierigen Zeiten zu kommen. So könnten die drei Konzerte ja vielleicht gleich mehreres bewirken: zum Beispiel, dass sich Samba-Fans mal wieder live an brasilianischen Rhythmen erfreuen, während sie einen Caipi schlürfen und eine Bratwurst essen. Vom "Senden eines Lebenszeichens" spricht Beyersdorf, wenn es um seine Firma Sambaco geht, die seit 1992 das Festival und nun eben auch "Voices of Brazil" veranstaltet. Wirtschaftlich könne sich die Konzertreihe nicht rechen, sagt er. "Aber darum geht es uns auch gar nicht." Wichtiger sei, dass Coburg als "Samba-City" nicht verstummt, und dass auf diese Weise auch der Kontakt zu allen Partnern gehalten wird.

Corona wird vorerst ein Begleiter bleiben

Apropos: "Alle unsere Partner und Sponsoren stehen hinter uns", berichtet Rolf Beyersdorf. Dafür sei er dankbar. Viele Fixkosten konnten kräftig he runtergefahren werden, eine finanzielle Schieflage gibt es nicht. Der Blick nach vorne ist trotzdem schwierig. "Wir werden das Festival völlig neu ausrichten müssen", sagt Rolf Beyersdorf und nennt an erster Stelle das Thema Flexibilität. "Was die Außenflächen des Festivals betrifft, werden wir so planen müssen, dass wir sie jederzeit noch ausdehnen können, gleichzeitig aber auch jederzeit eine Verkleinerung möglich ist." Denn er gehe davon aus, dass Corona noch zwei bis drei Jahre ein ständiger Begleiter sein wird - zumindest für Massenveranstaltungen wie das Coburger Samba-Festival mit seinen insgesamt rund 200000 Besuchern an drei Tagen.

Was für ein 2022er Festival auf jeden Fall anders sein wird als bisher, ist der Start des Ticket-Verkaufs. "Frühestens im Januar 2022", schätzt Beyersdorf. Sonst ging es immer bereits vor Weihnachten los. "Aber wir können doch keine Karten verkaufen, wenn wir gar nicht wissen, wofür!"

Kurios ist, dass eine der größten Änderungen in der Festival-Geschichte noch gar nicht umgesetzt werden konnte. So war Anfang 2020 beschlossen worden, ab sofort auf den Umzug am Sonntag zu verzichten. "Dabei wird es auch bleiben", erklärt Beyersdorf. Stattdessen werde es zum Festival-Abschluss einen Familientag geben. Dann werden viele Stars, die sonst nur bei den nächtlichen Shows auftreten, auch noch einmal von allen Kindern bewundert werden können.

Auf die Frage, ob er sich für 2022 ein besonderes Highlight wie etwa einen besonderen Ehrengast wünscht, schüttelt Beyersdorf den Kopf: "Mein Wunsch wäre, dass sich die Menschen dann einfach nur wieder treffen und frei bewegen können." In Samba-City.

"Voices of Brazil" - was gibt's wann am Wochenende?

Freitag, 9. Juli Auf der bestuhlten Benno-Benz-Sportanlage am Anger sind 500 Besucher erlaubt. Ab 20 Uhr bekommen sie mehrere Sambagruppen sowie Rafa Brandão und Valentina Coutinho zu hören. Der Eintritt kostet zehn Euro. Infos zum Vorverkauf, unter www.samba-festival.de. Restkarten gibt's an der Abendkasse.

Samstag, 10. Juli Die Show, die um 19.30 Uhr im Kongresshaus Rosengarten beginnt, ist ausverkauft. Die Konzerte mit Nice Ferreira und Vando Oliveira werden ab 21 Uhr via YouTube live übertragen.

Sonntag, 11. Juli Für das Konzert mit Osmar Oliveira auf der Benno-Benz-Anlage gab es keinen freien Kartenverkauf. Stattdessen wurden 500 Freikarten an Menschen verteilt, die in der Corona-Pandemie besonders gefordert waren: etwa an Pfleger und Krankenschwestern sowie an Helfer von BRK, ASB, THW und Feuerwehr. Diese Idee sei sehr gut angekommen, berichtet Beyersdorf.s