"Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt." - Mit einem Zitat des italienischen Dichters Dante Alighieri begann Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) die Ehrung. Eine Ehrung, vor der er "richtig Lampenfieber" hatte, wie er ganz offen zugab: "Ich hoffe, die richtigen Worte zu finden!" Doch mit Hilfe von Dante Alighieri gelang es Tessmer, sich sprachlich an die großen Verdienste von Christine Volkmann und Michael Stoschek heranzutasten - denn beide hätten am Morgen des Pfingstsonntags nicht lange gewartet, sondern sofort angepackt und schnell gehandelt. Die spontane Fünf-Millionen-Euro-Spende der beiden Brose-Gesellschafter hätte den vielen Geschädigten des Großbrands in der Herrngasse sehr geholfen.

"Wir wissen das sehr zu schätzen", betonte Norbert Tessmer, wobei er in seiner Rede auch die vielen weiteren Verdienste von Michael Stoschek speziell um das Coburger Stadtbild hervorhob. In Zeiten des demografischen Wandels werde es, so Tessmers Prognose, noch mehr zu einem "Konkurrenzkampf der Städte" kommen. Und da sei eine "Stadt-Identität" wichtig, zu der wiederum die "Stadt-Gestaltung" gehöre. Michael Stoschek habe bereits "erstaunliche Leistungen" für das Coburger Stadtbild erbracht, würdigte Tessmer, und nannte als Beispiel die gesamte Südstadt mit den von Brose genutzten und zum Teil mit viel Aufwand renovierten Häusern, die Sanierung des Gasthauses "Goldenes Kreuz" oder auch die immer wieder getätigte Unterstützung der Gemeinschaft Stadtbild Coburg. Auch ein Großteil der doch nicht für die Herrngasse-Opfer benötigten Spende kommt ja Stadtbild zugute. Die Dankbarkeit für all das sei nunmehr im wahrsten Sinne des Wortes "in Stein gemeißelt", betonte Norbert Tessmer und würdigte Christine Volkmann und Michael Stoschek als "zwei Menschen, die sich mit Coburg eng verbunden fühlen und denen das Wohl Coburgs sehr am Herzen liegt".

Michael Stoschek gab sich in einer Stellungnahme betont bescheiden. Für seine Schwester und ihn sei es selbstverständlich gewesen, zu helfen. Zumal man sich der Herrngasse besonders verbunden fühle, weil sich dort auch das "Goldene Kreuz" sowie das von Stoschek geförderte Innenstadt-Büro der Hochschule ("fugenlos") befinde. "Wenn ein Notfall auftritt, dann hilft derjenige, der helfen kann", führte der Vorsitzende der Brose-Gesellschafterversammlung weiter aus und stellte klar: "Ich helfe gerne." Und: "Meine Schwester und ich haben das gerne gemacht." Mit Blick auf seinen Namen, der jetzt in der "Wohltäter-Tafel" verewigt ist, sagte Michael Stoschek mit leiser Stimme: "Ich bedanke mich für diese freundliche Geste."

Wo war der Oberbürgermeister?

Das eine Interesse galt am Montag den insgesamt 32 Buchstaben, die neu in die "Wohltäter-Tafel" im Coburger Rathaus eingraviert worden sind. Und dann waren da aber noch exakt 15 Wörter, die ebenfalls für Aufsehen sorgten - und zwar niedergeschrieben in der Presseeinladung der Stadt zu dem Termin. Wörtlich heißt es da: "Auf besonderen Wunsch des Spenders wird die Ehrung durch Coburgs Zweiten Bürgermeister Norbert Tessmer vorgenommen."

Das lässt natürlich im Umkehrschluss die Vermutung zu, dass Michael Stoschek nicht die Anwesenheit von Oberbürgermeister Norbert Kastner wünschte. Schließlich gilt das Verhältnis der beiden ja auch als extrem angespannt.Darauf angesprochen, hielt sich Stoschek am Montag allerdings mit Äußerungen sehr zurück. Beziehungsweise: Er vermied Aussagen, warum er Norbert Kastner möglicherweise nicht dabei haben wollte und beschränkte sich stattdessen da rauf, warum er sich sehr freue, dass Norbert Tessmer die Ehrung vornimmt.

Stoschek lobt Tessmer

"Der Oberbürgermeister hatte seinerzeit Herrn Tessmer beauftragt, die Verteilung unserer Spendengelder zu organisieren. Das war kein leichter Job. Aber Herr Tessmer hat das sehr fundiert gemacht", lobte Michael Stoschek. Norbert Tessmer war mit der Verwaltung der Spende unter anderem auch deshalb beauftragt worden, weil er als Leiter des Sozialreferats durchaus geübt ist im sensiblen Umgang mit Notsituationen.

Bei der Feierstunde waren - außer einer stattlichen Zahl an Medienvertretern - ebenfalls noch anwesend: Dritter Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (CSB), Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike (CSU), die Stadträte beziehungsweise Fraktionsvorsitzenden Thomas Nowak (SPD), Hans-Herbert Hartan (CSU), Christian Müller (CSB), Angela Platsch (Grüne), Peter Kammerscheid (FW) sowie Michael Selzer, der Pressesprecher der Stadt Coburg.

Christine Volkmann verhindert

Christine Volkmann war aus terminlichen Gründen verhindert und konnte deshalb nicht an der Ehrung teilnehmen.