Nach bisherigen Erkenntnissen war er mit einem weißen VW Tiguan mit Münchner Zulassung angereist und hatte das Fahrzeug in Tatortnähe abgestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth wurde der Beschuldigte am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts des bandenmäßigen Betrugs.
Zwei vollendete Betrugsfälle am selben Tag
Trotz dieses Erfolgs kam es am selben Tag im Raum Bayreuth zu zwei vollendeten Betrugsdelikten, teilen die Staatsanwaltschaft und Polizei weiter mit. In Bayreuth wurde im Stadtteil Saas eine Seniorin von einem Unbekannten telefonisch kontaktiert, der vorgab, ein Bankmitarbeiter stehe mit Betrügern in Verbindung. Die Frau hob daraufhin 10.000 Euro von ihrem Konto ab und deponierte das Geld, wie angewiesen, in einem gelben Plastikbeutel in der Rosestraße im Bereich des dortigen Elektrohäuschens. Die Abholung erfolgte zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr. Zu einem persönlichen Kontakt mit dem Geldabholer kam es nicht, berichten die Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Polizeipräsidium Oberfranken.
In der Eckersdorfer Sophienstraße wurde ein Ehepaar Opfer einer ähnlichen Masche. Unter dem Vorwand, dass Falschgeld im Umlauf sei, forderte eine vermeintliche Staatsanwältin, Bargeld der Geschädigten auf Echtheit überprüfen zu müssen, schildern die Behörden das Vorgehen der Betrüger. Die Betroffenen hinterlegten einen niedrigen fünfstelligen Betrag am Gartenzaun ihres Anwesens in einem beigefarbenen Stoffbeutel. Zudem erhielten sie die Anweisung, vor der Abholung die Rollläden zu schließen.
Die Tat ereignete sich zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr, auch hier sind derzeit keine Hinweise zum Geldabholer bekannt.
Kriminalpolizei bittet um Zeugenhinweise - Schockanrufe in Oberfranken nehmen zu
Die Kriminalpolizei Bayreuth prüft derzeit mögliche Zusammenhänge zwischen den Fällen und bittet um Zeugenhinweise, so die Staatsanwaltschaft und Polizei. Insbesondere könnte der in Ahorntal festgestellte weiße VW Tiguan mit Münchner Zulassung auch für die Fälle in Bayreuth und Eckersdorf von Bedeutung sein. Zeugen, die am Mittwoch, 18. März 2026, im Bereich Bayreuth oder Eckersdorf verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0921/506-0 zu melden.
Die Betrugsmasche mit Schockanrufen hat in Oberfranken zuletzt mehrere Opfer gefordert. Allein am Mittwoch, 18. März 2026, registrierte die oberfränkische Polizei insgesamt 22 Fälle des sogenannten Callcenterbetrugs, einer Betrugsmasche, gegen die die fränkische Polizei verstärkt vorgeht. Im Landkreis Forchheim wurde kürzlich eine 81-jährige Seniorin um ein Kilogramm Gold im Wert von rund 132.000 Euro gebracht. Unbekannte Täter hatten der Frau am Telefon vorgegaukelt, ein naher Angehöriger liege im Krankenhaus und benötige dringend Geld für eine Behandlung. Auch im Landkreis Wunsiedel wurde eine Seniorin am Hauptbahnhof Hof Opfer eines Schockanrufs. Eine vermeintliche Krankenhausärztin behauptete, eine nahe Angehörige sei mit einer schweren, akuten Erkrankung im Krankenhaus und für eine neue Behandlungsmethode werde dringend Geld benötigt.
Polizei und Staatsanwaltschaft weisen erneut eindringlich darauf hin: Am Telefon sollte man nie Auskünfte über Vermögensverhältnisse erteilen. Zudem sollte niemals Bargeld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen übergeben werden. Im Fall eines verdächtigen Anrufs sollte das Gespräch beendet und die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigt werden. Die Polizei Oberfranken hat jüngst ein eindringliches Video zur Prävention von Callcenterbetrug veröffentlicht, das echte Telefonmitschnitte von Betrügern enthält.
Besonders perfide wird der Betrug, wenn Kriminelle künstliche Intelligenz einsetzen, um Stimmen von Verwandten täuschend echt zu klonen. Für das sogenannte "Voice Cloning" benötigen die Betrüger nur wenige Sekunden Audio-Material, das sie beispielsweise aus Videos in sozialen Medien gewinnen können. Experten empfehlen daher, mit Familie und Freunden ein Codewort zu vereinbaren, das im Zweifelsfall abgefragt werden kann, um die Identität des Anrufers zu überprüfen.
Auch bei sogenannten "stummen Anrufen" ist höchste Vorsicht geboten. Wer sich am Telefon mit seinem Namen statt mit einem einfachen Hallo meldet, kann in eine gefährliche Falle tappen. Selbst kurze Sprachfetzen können aufgezeichnet und für weitere Betrugsmaschen genutzt werden, etwa um die Stimme des Opfers künstlich zu imitieren oder eine Zustimmung zu Vertragsabschlüssen vorzutäuschen. Experten raten daher, sich am Telefon grundsätzlich nur mit einem Grußwort zu melden und bei stummen Anrufern sofort aufzulegen.
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