Die Stellungnahme der Jungen Coburger (JC), die im Stadtrat eine gemeinsame Fraktion mit der CSU bilden, hat folgenden Wortlaut:

"Coburg bietet sich eine historische Chance, die nach Corona einen neuen Aufbruch ermöglichen würde. Die von der Firma Brose vorgesehene Investition in Höhe von 130 Mio. Euro wäre die größte unternehmerische Investition in Coburg seit Jahrzehnten. Geht die Investition nicht nach Coburg, so ist hingegen mit dem Abzug weiterer Zentralfunktionen zu rechnen und auch direkt und indirekt mit dem Verlust vieler wertvoller Arbeitsplätze in der Region. Es bleibt zu befürchten, dass solche Verlagerungen dann, anstatt eines Neuaufbruchs nach der Pandemie, in dieser ökonomisch heiklen Phase eine wirtschaftliche Abwärtsspirale lostreten würden. Als jüngere kommunalpolitische Kraft müssen wir uns an dieser Stelle zu Wort melden, da es um eine Frage geht, die für die Zukunft unserer Generation und jene unserer Kinder prägend und entscheidend sein wird. Nachdem von Seiten der jungen Unternehmer die Wirtschaftsjunioren zu Coburg e.V. klar Stellung bezogen, machen auch wir als junge Vertreter der Kommunalpolitik deutlich, dass es hier um die wirtschaftlichen Grundlagen der Generation von morgen geht", so JC-Stadtrat Kurt Knoch.

Brose verknüpfte die Investitionen mit der Forderung nach einem Ausbau der B4 am Weichengereuth, der zuletzt im Stadtrat abgelehnt wurde. JC-Vorstandsmitglied David Lindner: "Die Leichtfertigkeit, mit der sich die Grünen angesichts dieser Umstände fundamental-ideologisch gegen die Forderungen der Firma Brose stellen und von vornherein jedes Aufeinander zugehen ausschließen, wird der Verantwortung von Stadträten nicht gerecht und konterkariert jegliche Bemühung um die Zukunftsfähigkeit des Standortes Coburg. Das globale Klima entscheidet sich nicht am Ausbau von 1,6 km Straße. Die Firma Brose verdeutlicht immer wieder, dass sie höchstes Interesse an nachhaltigen, klimafreundlichen und ökologischen Ideen und Konzepten hat. Bei der Produktion wird bewusst auf einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck als auch eine positive Umweltbilanz geachtet. Weiter beinhalten die vorgestellten Investitionspläne auch großzügige neue Grünanlagen als auch die Schaffung attraktiver Fuß- und Radwege in Coburgs Südstadt auf Kosten der Firma. Wenn der Firma Brose also der Ausbau der B4 essenziell wichtig ist, dann geht dies ganz sicher nicht auf mangelndes Umweltbewusstsein zurück, sondern schlicht auf wirtschaftliche Erwägungen, die letztlich direkt auf die Arbeitsmarktsituation Einfluss nehmen. Wir zweifeln erheblich an Kompetenz und Sachverstand der Grünen was unternehmerische Logistik, regionale Zukunftsfähigkeit als auch den Erhalt von Arbeitsplätzen angeht. Zudem stellt nicht nur die Firma Brose die Forderung nach einer Beseitigung der Engstelle Weichengereuth, sondern die gesamte gewerbliche Wirtschaft, vertreten durch die IHK."

Zudem stellt Lindner, der selbst Architekt ist, fest: "Selbstverständlich muss die oberste Prämisse ein städtebaulich integrales und nachhaltiges Konzept sein, welches das Wohl Coburgs zum Ziel hat. Die grundsätzlich anti-wirtschaftliche Agitation der Grünen jedoch führt weder zu einer Lösung noch zu einer Aufwertung der Südstadt zwischen Güterbahnhof und Rosengarten, welche die umfangreichen Brose-Pläne verheißen."

Als zuletzt im Stadtrat über den Ausbau der B4 abgestimmt wurde, waren die Investitionspläne der Firma Brose den Stadträten nicht bekannt. Stadtrat Maximilian Forkel weist auf einen weiteren Aspekt hin, der in der bisherigen Debatte außer Acht gelassen wurde: "Ein wesentlicher Faktor wurde überhaupt nicht berücksichtigt: Die mittlerweile recht konkret gewordene Planung für ein neues Klinikum am BGS-Gelände. Für zahlreiche Ortschaften des südlichen Landkreises führt die schnellste Verbindung zum voraussichtlichen neuen Standort nicht quer durch die Stadt, sondern naheliegenderweise über die B4. Staus am Nadelöhr Weichengereuth werden tödlich sein - im wahrsten Sinne des Wortes. Bei der Straßenanbindung des neuen Klinikums geht es um Leben und

Tod. Spätestens an dieser Stelle sollte jedem Stadtrat bewusstwerden, dass über das Thema B4-Ausbau nochmal neu nachgedacht werden muss."

"Natürlich gehört es zu den Pflichten eines Kommunalpolitikers, die Belange der Anwohner zu hören und in die Entscheidungen einzubeziehen. Am Ende muss aber klar sein, dass die Straße und die damit zusammenhängenden Wirtschafts- und Sicherheits-Themen die Menschen in allen Stadtvierteln und in der gesamten Region betreffen - Menschen, die in den Firmen in Lohn und Brot stehen und Menschen, denen nicht nur eine ordentliche, sichere Verkehrsanbindung, sondern vor allem eine optimale Erreichbarkeit des Klinikums gewährleistet werden muss. In solch fundamental- wichtigen Dingen muss die ganze Region zusammenstehen.", so Stefan Reingruber, Ortssprecher für Seidmannsdorf-Löbelstein.

Die vier Jungen Coburger halten abschließend fest: "Neue Fakten zum B4-Ausbau erfordern auch neue Entscheidungen. Wenn Kollegen anderer Fraktionen aufgrund neuer Tatsachen zu neuen Schlüssen kommen, verdient dies Anerkennung und Respekt."