• Kreis Coburg: Ärzte wehren sich gegen Pläne von Bundesregierung
  • "Protesttag gegen Spardiktat": Praxen bleiben am 10. Oktober 2022 teils zu
  • Gesundheitsminister Lauterbach erntet für neuen Gesetz-Vorstoß massive Kritik
  • "Wir kämpfen für unsere Patienten": Hausarztverein Coburg sorgt sich um Versorgung

In Bayern dürften bald etliche Arztpraxen zeitweilig geschlossen haben. Ärzte und Psychotherapeuten setzen sich am Montag, 10. Oktober 2022, öffentlichkeitswirksam gegen die jüngsten Pläne der Bundesregierung zur Wehr. Die Praxen sollen an diesem Tag zwischen 8 und 10 Uhr zu bleiben. Mit der Aktion protestieren die Mediziner gegen ein von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf den Weg gebrachtes Gesetz, das die Neupatientenregelung bei Ärzten abschaffen soll. "Es geht aber um mehr", betont Dr. Ullrich Zuber vom Hausarztverein Coburg Stadt und Land. Der Allgemeinmediziner mit Praxis in Itzgrund sorgt sich um die flächendeckende ambulante Versorgung.

Ärzteprotest: Praxen im Landkreis Coburg öffnen am 10. Oktober mitunter später

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) übt Kritik an den geplanten Leistungskürzungen der Regierung. Die Organisation ruft ihre Mitglieder deshalb zum Protest auf. Auch Ullrich Zuber beteiligt sich an der Aktion am 10. Oktober. "Ich werde zu machen", kündigt der Hausarzt aus dem Raum Coburg im Vorfeld gegenüber inFranken.de an. "Wir kämpfen für die Versorgung - und damit für unsere Patienten. Wir wollen für sie eintreten", äußert sich der Vorstand des Coburger Hausarztvereins zu seinem Motiv. Der Verein besteht Zuber zufolge aus 65 Mitgliedern. "Das ist eine ganze Menge."

"Inzwischen haben wir eine kritische Situation in der ambulanten Versorgung." Seine Befürchtung: Die ohnehin nicht rosige Lage könnte sich mit der von Lauterbach geplanten Aufhebung der Neupatientenregelung weiter verschlechtern. Die Maßnahme war vor drei Jahren mit dem sogenannten Terminservice- und Versorgungsgesetz eingeführt worden. Die Regelung mit ihrer entsprechenden Vergütung sollte Ärzten als Anreiz dienen, neue Patienten aufzunehmen. Patienten sollte so schneller an einen Termin gelangen - insbesondere bei Fachärzten. 

 "Die angedrohte Rücknahme der Neupatientenregelung hat das Fass für die bayerischen Praxen zum Überlaufen gebracht", beklagt der Vorstand der KVB. Die Ärzte warnen vor längeren Wartezeiten für Termine - oder gar vor Aufnahmestopps. "Nicht nur dieser Wortbruch der Berliner Politik sorgt für Frust." Auch das "mickrige Honorarplus", das weder die Inflation noch die explodierenden Energie- und Personalkosten in den Praxen ausgleichen werde, ist den Ärztevertretern ein Dorn im Auge. Die Streichung der Neupatientenregelung hätte für die Arztpraxen finanzielle Einbußen zur Folge, heißt es.

"Immer weniger Zeit für Patienten": Fränkischer Hausarzt spricht von "Überforderung"

Laut Ullrich Zuber vom Hausarztverein Coburg gehe es gleichwohl um mehr als die finanziellen Rahmenbedingungen. "Es geht in dem Prozess darum, die Patienten aufzuklären. Wir Ärzte haben zwar eine privilegierte Stellung, wir haben aber auch einen Versorgungsauftrag zu erfüllen." Mit den kurzzeitigen Praxisschließungen "wollen wir die Patienten auch nicht in Geiselhaft nehmen - im Gegenteil", versichert Zuber.

"Ich möchte das auf keinen Fall auf eine Honorardebatte reduzieren", sagt der Hausarzt aus Itzgrund. "Es geht um mehr." Er spricht unter anderem von einer Überforderung aufseiten der Ärzte - "sodass immer weniger Zeit für die Patienten bleibt." In den vergangenen Jahren sei eine Situation in den Praxen entstanden, die er "von früher" nicht kenne. Nun gelte es, die vorhandenen Bedingungen zu verbessern - oder wenigstens zu erhalten. "Das ist unser Anliegen", konstatiert der Vereinsvorstand. 

Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, habe man gleichwohl bewusst nicht eine Demonstration auf der Straße gewählt. "So was wollen wir gerade in Zeiten, in denen es vielen Menschen wesentlich schlechter geht, vermeiden." Zuber betont zugleich: "Trotzdem gibt es erhebliche Probleme in den Praxen". Sein Appell an die Politik: "Die Ärzte sollten grundsätzlich vorab mit ins Boot geholt werden", betont der Arzt aus dem Kreis Coburg. "Auch mit den Patienten wollen wir diskutieren - gerade in diesen schlimmen Zeiten."

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