"Richtig traurig": Radler findet im Berufsverkehr zitternden Mann am Boden - doch niemand hilft

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An dieser Kreuzung bei Coburg lag der Mann. Laut Pauls Schilderungen war klar ersichtlich, dass er Hilfe brauchte.
Coburg: Radler findet im Berufsverkehr zitternden Mann am Boden - doch niemand hilft
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Paul (Name geändert) war mit seinem Fahrrad auf einer viel befahrenen Straße bei Coburg unterwegs, als er einen zitternden Mann auf dem Boden auffand. Inmitten einer Menschenmasse sei er der Einzige gewesen, der sich des Patienten annahm.

  • Coburg: Radler sieht an viel befahrener Straße zitternden Mann am Boden
  • "Krampfanfall" und "Schaum vorm Mund": Etwa 40-Jähriger braucht Hilfe
  • "Autos einfach vorbeigefahren": Zeuge beklagt fehlende Zivilcourage

Es sollte für Paul (Name von der Redaktion auf Wunsch geändert) eigentlich ein gewöhnlicher Nachhauseweg von der Arbeit in Coburg Richtung Seidmannsdorf werden. Doch die Erlebnisse am Dienstag (9. Mai 2023) gegen 18 Uhr werden dem 31-Jährigen noch länger im Gedächtnis bleiben. Als er sich mit dem Fahrrad im Berufsverkehr der Kreuzung Neue Heimat/Ketschendorfer Straße näherte, sah er plötzlich einen deutlich hilflosen Mann "gleich neben der Kreuzung" am Boden liegen. Über die Ignoranz der Menschen um ihn herum zeigt sich der Ersthelfer im Gespräch mit inFranken.de schockiert.

"Niemand stieg aus": Mann hat Krampfanfall bei Coburg - Straße war stark befahren

Mindestens acht Autos vor Paul seien an dem zitternden Mann im Alter von etwa 40 Jahren vorbeigefahren. Auch der Gegenverkehr habe nicht reagiert. "Auf der Seite standen doch auch Autos, die müssen ihn doch gesehen haben. Niemand stieg aus, obwohl die Ampel rot war", wundert sich der 31-Jährige mit empörter Stimme. Er sei zunächst auch zwei bis drei Meter vorbeigefahren, sich dann aber dem Ernst der Lage bewusst geworden, auf dem Bürgersteig zum Stehen gekommen und zu dem Patienten gelaufen. "Ich sah dann gleich, dass er einen Krampfanfall hat. Er war nicht ansprechbar, zappelte, hatte Schaum vor dem Mund und fing schon an, Blut zu spucken", erinnert sich der Coburger. 

Paul habe "versucht, ihn irgendwie zu beruhigen" und gleichzeitig den Notarzt zu rufen. Zu allem Stress habe sein Handy beim Telefonat auch noch gesponnen. "Wäre schön gewesen, wenn noch jemand da gewesen wäre. Wenn jemand wenigstens ausgestiegen wäre und gefragt hätte, ob alles in Ordnung ist", sagt er enttäuscht. "Richtig traurig war, dass an der Kreuzung ein Krankenwagen stand. Mich haben Tausende Leute angeschaut, wie ich versucht habe, den Mann zu beruhigen und den Notarzt zu rufen. Und niemand winkte dem Krankenwagen." Nur beim Vorbeifahren habe der Fahrer gesehen, "dass da was los ist", habe Paul später im Gespräch erfahren. 

Somit war die nötige Hilfe doch noch vor dem alarmierten Notarzt da. Nur eine Frau habe kurz vor Ankunft des Krankenwagens gefragt, ob sie helfen könne. "Ich habe dort noch eine Weile gewartet. Der Mann ist zu sich genommen und wahllos durch die Gegend gelaufen." Paul sollte laut seiner Schilderung zur Unterstützung in Einsprungnähe bleiben, falls der Mann handgreiflich werde. Als der Patient schließlich in sicheren Händen gewesen sei, habe er seine Fahrt fortgesetzt und den Rettungsdienst wieder abbestellt. Im Nachhinein sei dieses Erlebnis in Coburg ein "ärgerliches" Beispiel von mangelnder Zivilcourage gewesen - eine Geschichte, die es zu teilen gilt, findet der 31-Jährige.