So sehr wie in diesem Jahr hat Erwin Räder den Abflug der Störche aus dem Itzgrund in Richtung Süden wohl noch nie bedauert. Denn die großen Vögel gehörten zu den wenigen Verbündeten, die der Vollerwerbslandwirt im Kampf gegen die Mäuseplage auf seinen Wiesen hatte. "Zehn Mäuse in einer halben Stunde", das hat Räder beobachtet, "waren für einen Storch kein Problem". Das Problem der maßlosen Vermehrung der kleinen Nager konnten aber auch die großen Vögel nicht in den Griff bekommen.


Gerhard Ehrlich - der nicht nur Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband ist, sondern auch Flächen im Itzgrund bewirtschaftet - steht neben Erwin Räder und ist erschrocken von dem, was er da sieht: ein braun-graues Stück Erde mit ein paar Grashalmen. "Eisenbahner-Gras", sagt Harald Hartung, dem die Wiese gehört, dazu.


"An jeder Station ein Grashalm." Lachen kann er über diesen Kalauer aber nicht. Denn die Mäuse haben ihm hier einen großen Teil der Lebensgrundlage seines Betriebes weggefressen. Dort, wo Hartung in guten Jahren bis zu vier Ladungen Grünfutter ernten konnte, hat es bislang nur zu einer einzigen Mahd gereicht. Auf anderen Flächen konnte er wenigstens zweimal mähen, aber auch nur mit einem Ertragseinbruch von bis zu 70 Prozent gegenüber Durchschnittsjahren. Die Schäden durch die Mäuse an den Wurzeln waren einfach zu groß.


Die Stimmung ist schlecht im Itzgrund, das hat auch Gerhard Ehrlich mitbekommen. Kluge Ratschläge wie etwa, den Blick nach Thüringen zu werfen, wo Mäuse flächendeckend vergiftet werden dürfen, hat der BBV-Kreisobmann genug bekommen. Dabei stimmt das mit der Thüringer Groß-Mäusejagd gar nicht. Es gebe lediglich eine ab kommende Woche gültige "Notfallzulassung", worauf nach amtlicher Genehmigung auf einzeln abgestimmten Flächen spezielles Mäusegift großflächig verteilt werden dürfe. Allerdings, das beklagt Ehrlich nicht zum ersten Mal in seinem Funktionärs-Leben: "Der bürokratische Aufwand für so eine Genehmigung ist enorm."


Mit Pistole auf Mäusejagd

Die Notlösung wäre, mit handlichen "Pistolen" über die Felder zu laufen und jedes Mausloch einzeln mit ein paar Körnern Gift zu versehen. Da muss dann Harald Hartung doch lachen - und er zeigt auf seine Wiese, wo abertausende Löcher und Gräben zu sehen sind. Alle paar Sekunden springt irgendwo eine Maus in die Höhe, fast so, als würden sich die kleine Tiere über ihre Verfolger lustig machen. "Ohne flächendeckendes Streuen kriegen wir das hier nicht in den Griff", vermutet Gerhard Ehrlich.


Helfen könnte allenfalls das Wetter, aber da glaubt Erwin Räder auch nicht mehr dran. Wann habe es schließlich den letzten richtig harten Winter im Itzgrund geben? "Itz-Hochwasser, bis die Gänge vollgelaufen sind. Dann zwei Wochen Frost", bei dieser Witterung wäre nach Ansicht Räders wohl schnell alles wieder im Lot. Dass Hochwasser der größte Feind der Mäuse ist, sieht man an den Flächen, die regelmäßig überflutet werden. Da schaut es mit dem Gras ganz gut aus.

Die Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Betriebe im Itzgrund sind enorm. "Hier stehen beim Futter einige mit dem Rücken zur Wand", weiß Gerhard Ehrlich. Freilich - ein Hof müsse in der Lage sein, ein schlechtes Erntejahr mit eigenen finanziellen Ressourcen zu überstehen. Aber die Situation im Itzgrund sei schon brutal. Oder "massiv schwierig", wie Amelie Klug (Fütterungsberaterin beim LKV Bayern) sagt. Klug ist nach einem Vor-Ort-Termin bei der Familie Hartung zufällig in das "Mäuse-Gespräch" geraten und auch ziemlich erschrocken von dem, was eigentlich eine Wiese sein sollte. Gerhard Ehrlich will deshalb noch in diesen Tagen beim Landwirtschaftsministerium vorstellig werden. Ihm geht es nicht um Darlehen für seine Berufskollegen, sondern um Transport-Zuschüsse.


Im Süden haben sie genug Futter

Mit diesen müsse es doch möglich sein, den besonders betroffenen Landwirten beim "Import" von Grünfutter zu helfen. Wo sie dieses herbekommen könnten, weiß Erwin Räder schon: "Ein Südbayern haben sie genug. Da kann man Futter kaufen." Wenn nur die hohen Transportkosten nicht wären.


Hin- und hergerissen sind die Landwirte im Itzgrund hingegen, was die Maisernte angeht. Erwin Räder hat die Sache schon abgehakt: "Der hat teilweise nicht einmal Kolben ausgebildet." Deshalb würde er liebsten schon jetzt mit dem Häckseln beginnen, bevor noch alles verdörrt. Amelie Klug hingegen rät zur Gelassenheit. Der Regen in den vergangenen Tagen könnte es vielleicht geschafft haben, dass der Mais sich wieder erholen könne. Aber selbst dann rechnet Gerhard Ehrlich nicht mehr mit guten Ergebnissen - dafür sei es im Itzgrund schon vom Frühjahr an einfach zu trocken gewesen.