Am Imbiss-Stand gab's Brezeln, Pizza und belegte Brötchen. Doch auf dem Spielfeld wurde amerikanische Kost geboten. Showkost, sozusagen. Denn, und das muss man ja mal sagen: Nichts ist bei einem "Spiel" der Harlem Globetrotters so überflüssig wie die Anzeigetafel, auf der Zeit gestoppt und die Punkte gezählt werden. Es zählt alleine die Show. Und die ist groß, verrückt und einfach typisch amerikanisch.

Trotzdem wollen wir nicht verschweigen, dass am Ende - wie immer seit 87 Jahren - die Harlem Globetrotters gewonnen haben. 126:114. Ganz schön viele Punkte sind das, aber es wird eben auch sehr unkonventionell gezählt. So gibt es etwa mehrere Kreise auf dem Spielfeld, die anzeigen, dass ein von dort erzielter Korb vier Punkte bringt.

Chris Fleming im Publikum

Am Anfang der Show am Dienstagabend leisten sich die Globetrotters aber erstaunlich viele Fehlwürfe. "Da sind meine Jungs besser", dürfte sich da Chris Fleming gedacht haben; der Coach der Brose Baskets befand sich unter den gut 1500 Besuchern in der Coburger Arena.

Matthäus macht's!

Gleich fünf Punkte bringt es, wenn ein Korb in der sogenannten "Trick-Shot-Challenge" erzielt wird. Dabei handelt es sich jeweils um ein Kunststück, das ein Globetrotter auf dem Weg zum Korb vollbringen muss. Ein Mal ist die Challenge aber auch relativ einfach und wird deshalb einem kleinen Jungen aus dem Publikum überlassen: Matthäus ist es, der - 20 Sekunden vor Schluss beim Stand von 115:109 - zu einem Freiwurf antreten darf. Matthäus macht's, und das Spiel ist entschieden.

Ob das Spiel noch gekippt wäre, wenn Matthäus nicht getroffen hätte und die fünf Punkte - wie es die lustigen "Challenge-Regeln" wollen - auf das Konto der gegnerischen Mannschaft gekommen wären? Natürlich nicht. Alles nur Show, und am Ende gewinnen immer die Globetrotters. Bei der gegnerischen Mannschaft, den "World All-Stars", handelt es sich ja ohnehin nur um Staffage. Wenn es überhaupt so etwas wie einen Gegner für die Globetrotters auf ihrer Tournee gibt, dann die deutsche Mentalität. Nein, ein Deutscher springt nicht automatisch von den Sitzen, wenn ein schmissiges Lied erklingt. Noch nicht einmal bei "YMCA". Aber: Die Coburger machen zumindest auf Aufforderung sehr gut mit. Und zwar besser als in vielen Großstädten, wie zu erfahren ist. Ansonsten geben die Coburger auch immer wieder Szenenapplaus, wenn ein waghalsiger Sprung, ein spektakulärer Dunking oder ein XXL-Weitwurf gelingt. Und dann gibt's noch jede Menge Tanzeinlagen.

Spaßvogel mit Handtasche

Plötzlich baumelt einer am Korb, im nächsten Moment steht er drauf. Ein anderer Spaßvogel fliegt im Flickflack übers Spielfeld - und warum läuft der Center mit einer Handtasche übers Feld? Wie gesagt: Das hier ist kein Basketballspiel. Die Zuschauer kommen auch in den Genuss einer Zeitlupe - da wird die Szenerie kurz angehalten, alles schnell "zurückgespult" und die "Replay"-Taste gedrückt. Alles herrlich anzuschauen - und irgendwie auch bezeichnend, dass sich die "offizielle Spielzeit" davon wenig beeindruckt zeigt und konsequent in Echtzeit herunterläuft.

Schon viel eher auf "Null" als die Spielzeit steht das Speisenangebot. Bereits kurz nach der Pause sind Brezeln und Pizza ausverkauft. Kein Problem, der Abend ist auch so gelungen. Hier gilt doch ohnehin die Devise: The Show must go on - manchmal eben mit Wurstbrötchen.