Wer es gerne bequem hat, sollte auf keinen Fall Tänzer werden. Denn der Arbeitstag eines Tänzers ist pure Knochenarbeit - auch am Landestheater Coburg. Eingespannt in diverse Musical- und Operettenproduktionen, arbeitet das Ballett jetzt auch noch an einem ehrgeizigen Tanzabend in der Reithalle.

"First Steps" - unter diesem Motto proben die Tänzerinnen und Tänzer den Rollenwechsel und präsentieren eigene Choreografien. Premiere feiert der Tanzabend am Samstag auf der Bühne der Coburger Reithalle (Beginn: 20 Uhr).

"Zum ersten Mal, seit ich in Coburg bin, beteiligen sich alle Mitglieder der Compagnie mit eigenen Arbeiten", freut sich Tara Yipp, seit Herbst 2010 Ballettmeisterin des Landestheaters.

"Soul'd out" lautet in diesem Jahr der Titel des Tanzabends, der insgesamt neun choreografische Miniaturen bündelt.
Das Wortspiel, das gleichermaßen Assoziationen an Seele wie an Ausverkauf wecken soll, will dabei nicht als strenge thematische Vorgabe verstanden sein. Der Abend verspricht vielmehr schon von der Besetzung her große Vielfalt - vom großen Solo bis zum komplexen Ensemblestück.

Niko Ilias König zum Beispiel hat sich für einen Pas de deux entscheiden, den er gemeinsam mit Emily Downs tanzen wird. "Das ist das erste Mal, dass ich in einer eigenen Choreografie tanze", sagt König: "Ein ganz komisches Gefühl."

Wie aber wird aus einer tänzerischen Idee eine Choreografie? Da gibt es keine goldene Regel. Manchmal ist erst der choreografische Einfall da, zu dem man dann einen passende Musik gesucht, manchmal aber, sagt König, lässt er sich auch von der Musik inspirieren. Oft verändert sich eine Choreografie auch noch während der Probenarbeit.

Auf dem weiten Weg vom ersten Einfall bis zur fertigen Tanzszene leistet Tara Yipp bei Bedarf Hilfestellung. Doch Jahr für Jahr werden die Tänzerinnen und Tänzer selbstständiger, freut sich die Ballettmeisterin. Die Suche nach den passenden Kostümen und Requisiten, nach Musik und Beleuchtung - fast alles regeln die Jung-Choreografen in Eigenregie.

Genau das aber ist erklärtermaßen auch ein Ziel dieses Ballettabends - Tänzern die Chance zu geben, ein neues Berufsfeld probeweise zu erkunden. Denn den Knochenjob Tänzer hält kaum jemand länger als bis Mitte Dreißig aus. Tara Yipp hat deswegen die Ballettschuhe als Tänzerin schon ausgezogen - "ich will schließlich auch in 30 Jahren noch ohne Schmerzen gehen können", sagt sie. Der Wechsel auf die Schiene Choreografie eröffnet jedenfalls neue Perspektiven für eine The aterkarriere nach der Zeit als aktiver Tänzer.


Strapazen des Alltags

Wer möglichst lange tanzen will, muss seinen Körper fit halten, um Verletzungen vorzubeugen. "Ich achte darauf, dass die Tänzer jeden Tag vor der Probe mindestens eine Stunde Training haben", sagt Tara Yipp. Denn nur wenn die Muskeln warm sind, lassen sich die Strapazen des Probenalltags unbeschadet überstehen. Wenn die Muskeln dann aber doch zwicken? "Dann gibt's eine Salbe und wir machen trotzdem weiter", sagt Niko Illias König: "Nur wenn's ganz schlimm ist, geht man zum Arzt."

König jedenfalls ist hart im Nehmen: "Ich hab' auch schon mit doppeltem Bänderriss weitergetanzt." Tara Yipps Schlussfolgerung klingt illusionslos: "Bei einem Tänzer ist die Schmerzgrenze wohl einfach ein bisschen höher."
Trotzdem ist ein kluger Umgang mit dem eigenen Körper wichtig für eine möglichst lange Karriere. Am Ende eines anstrengenden Probentages eine neue schwierige Hebung auszuprobieren, sei jedenfalls nicht sinnvoll: "Das ist viel zu gefährlich, da kann schnell etwas passieren."


Kammerballett

Premieren-Tipp "First Steps - Soul'd Out", Choreografische Miniaturen des Ballett Coburg, Samstag, 17. Mai, 20 Uhr, Theater in der Reithalle

Termine 18., 21., 23., 25. Mai, 20 Uhr, Theater in der Reithalle