• Bad Rodach: Zweiter Bürgermeister mit außergewöhnlicher Bitte
  • Ernst-Wilhelm Geiling (Freie Wähler) will von Stadtrat-Amt entbunden werden
  • "Muss ich mir das noch antun?": Kommunalpolitiker erklärt Grund für drastischen Schritt
  • Stadtrat will nicht länger Ja sagen, wenn ihm nach Nein ist - Schritt hat ungewollte Folgen

In Bad Rodach (Landkreis Coburg) endet eine lange politische Karriere. "Ich habe darum gebeten, mich vom kommunalen Ehrenamt des Stadrats zu entbinden", erklärt der zweite Bürgermeister Ernst-Wilhelm Geiling (Freie Wähler) am Mittwoch (21. September 2022) im Gespräch mit inFranken.de. Der Grund für den drastischen Schritt: Er will bei Entscheidungen nicht länger Ja sagen müssen, wenn ihm im Innern eigentlich nach Nein zumute ist. "Ich bin jetzt 72", sagt Geiling. "Da frage ich mich: "Muss ich mir das weiterhin antun?"

Bad Rodach: Zweiter Bürgermeister kehrt Stadtrat den Rücken - Schritt hat ungewollte Folgen

Geilings Amtszeit in der Bad Rodacher Gemeindevertretung umfasst mehr als 30 Jahre. "Ich bin seit 1990 im Stadtrat", berichtet der Elektromeister. Im Lauf der Jahre sei es immer wieder vorgekommen, dass er Dinge aus einem Sachzwang heraus habe mitbeschließen müssen. "Aber im Grunde sind Sie eigentlich dagegen", schildert er den damit verbundenen Zwiespalt für ihn. 

Laut dem 72-Jährigen müssten in der Bundespolitik etwa die Grünen für eine verlängerte Laufzeit von Atomkraftwerken stimmen, obwohl sie nicht dahinter ständen. Ähnlich sei es ihm wiederholt auf kommunaler Ebene ergangen, lässt Geiling durchblicken. "Das geht bei Bauanträgen schon los", betont er. "Damit der Antragssteller nicht in einer anderen Gemeinde baut, stimmt man dann dafür. Und nachher ärgert man sich", hält der zweite Bürgermeister fest. Weitere Beispiele wolle er nicht nennen, "weil ich niemanden persönlich treffen will". Doch mit derartigen Szenarien soll nun Schluss sein.

Seinen Wunsch, vom Amt als Stadtrat entbunden zu werden, habe er auf der Stadtratssitzung am Montag (19. September 2022) geäußert. Infolge des folgenschweren Schritts kann er auch das Amt des zweiten Bürgermeisters nicht weiter ausführen. Dies sei so rechtlich entsprechend geregelt. Für den 72-Jährigen offenbar dennoch ein schmerzlicher Verlust. "Das ist eine Situation, die mir persönlich weh tut", gesteht Geiling. Seiner Tätigkeit als zweiter Bürgermeister von Bad Rodach wäre er auch in Zukunft gern nachgegangen. "Aber das eine geht nun mal nicht ohne das andere". 

Stadtrat nimmt nach mehr als 30 Jahren Abschied - 72-Jähriger macht Platz für Jüngeren

Geilings Verabschiedung als Stadtrat ist für den 10. Oktober vorgesehen. "Bis dahin bleibe ich als zweiter Bürgermeister im Amt und nehme weiterhin alle Termine wahr", konstatiert der Kommunalpolitiker. "Wenn alles so funktioniert, wie wir es uns in der Gruppe vorstellen, wird dann ein Platz für einen Jüngeren frei", erklärt Geiling mit Blick auf sein fortgeschrittenes Alter. 

Nichtsdestotrotz lässt sich in seinen Schilderungen durchaus ein wenig Wehmut feststellen. "Aber ich habe mich entschlossen, diesen Schritt zu gehen. Und dabei bleibt es", betont Ernst-Wilhelm Geiling. "Das ist vernünftig."

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