Überraschende Änderung bei den Plänen für den Ausbau der Bundesstraße 303 im westlichen Landkreis Coburg: Wie Uwe Zeuschel vom Staatlichen Bauamt Bamberg am Montag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt hat, soll die Bundesstraße in der Steigung zwischen dem Oberelldorfer Ortsende und der Abzweigung nach Muggenbach dreispurig ausgebaut werden. Mit dieser neuen Variante verschiebt sich allerdings auch der Zeitplan für den Ausbau der Ortsdurchfahrt: Heuer wird es dort nur Vorwegmaßnahmen geben, richtig los - dann auch mit einer Vollsperrung der Bundesstraße - geht es erst im kommenden Jahr.


Die Tatsache, dass sich der Ausbau der Ortsdurchfahrt erneut verzögert, spielt dem Bauamt sogar ein Stück weit in die Karten. Weil derzeit auf der Bundesstraße 279 im Raum Ebern Bauarbeiten stattfinden, wäre diese Straße als mögliche Umleitungsstrecke ausgefallen.
Die Folge, erklärte Zeuschel: "Es hätte vorne und hinten geknirscht." Selbst der Seßlacher Bürgermeister Martin Mittag (CSU) konnte den neuen Zeitplan "positiv sehen".

Wie 2017 die weiträumige Umleitung aussehen wird, werde man bei gegebener Zeit bekannt geben. Timo Sommerluksch von der Straßenverkehrsbehörde am Coburger Landratsamt atmete angesichts dieser neuen Fakten deutlich hörbar durch. "Heuer wird es auf jeden Fall keine Vollsperrung geben", betonte er dann.


Es wird Behinderungen geben

Auf Behinderungen müssen sich die Autofahrer auf der viel befahrenen B 303 aber dennoch einstellen. Noch im August wird eine Baufirma damit beginnen, die Versorgungsleitungen (Kanal, Strom, Wasser) neu zu verlegen. Das alleine kostet schon bis zu 200 000 Euro und hat seinen guten Grund: Bis zu zwei Meter höher wird die "neue" Bundesstraße im Vergleich zur jetzigen Trasse liegen. Einen Anhaltspunkt für den künftigen Verlauf gibt der bereits fertige landwirtschaftliche Begleitweg, der neben der Straße läuft. "Auf dieser Höhe werden wir am Ende herauskommen", erklärte Zeuschel. Höher gelegt werden muss die Straße allein schon deshalb, um über dem Pegel bei einem Hundertjährigen Hochwasser zu liegen. Das schreibt der Gesetzgeber für Straßen wie die B 303 vor.


Eine weitere Baustelle kommt noch dazu: Zwischen Dietersdorf und Neundorf wird der Oberbau der Bundesstraße verstärkt. Dieses Teilstück veranschlagt das Staatliche Bauamt mit 1,5 Millionen Euro. Der Verkehr wird lokal umgeleitet, lediglich "drei, vier Tage", rechnete Bauleiter Harald Schnappauf hoch, muss die Straße beim Aufbringen der Asphalt-Deckschicht komplett gesperrt werden.


Die Idee, die 4,2-Prozent-Steigung in Fahrtrichtung Coburg auf einer Länge von 1600 Metern mit einem dritten Fahrstreifen aufzurüsten, kam nach Angaben von Uwe Zeuschel Mitte Dezember zum ersten Mal auf den Tisch. Es folgten Planungen im Rekordtempo - alle Beteiligten (Staatliches Bauamt, Landratsamt, Stadt Seßlach) arbeiteten dabei eng zusammen. "Logisch", sagte Landrat Michael Busch (SPD), habe man da mitgezogen: "Die dritte Fahrspur ist wahnsinnig wichtig."


Als Hindernis, das es für die Verwirklichung zu überwinden galt, präsentierte sich die Verkehrsbelastung der Bundesstraße bei Oberelldorf. Rein von den Zahlen her reicht diese für eine Finanzierungszusage nicht aus, auch wenn besonders der hohe Lkw-Anteil "weh tut", wie Zeuschel einräumte. "Dennoch läuft die Finanzierung des Ausbaus außerhalb des Bundesverkehrswegeplanes", erklärte der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU). Die B 303 profitiere dabei von einer "erhöhten Mittelbereitstellung" des Bundes, weil dieser bis 2018 eine Investitionsoffensive ausgerufen hat.


Mit der dritten Fahrspur hat das Projekt "Ausbau Ortsdurchfahrt Oberelldorf" auch finanziell deutlich größere Dimensionen angenommen: Statt mit knapp über zwei Millionen (wie im vergangenen Jahr geschätzt) rechnet Uwe Zeuschel inzwischen mit 7,4 Millionen Euro. Ein dicker Batzen Geld, staunte Landrat Michael Busch und fragte deshalb bei Hans Michelbach noch einmal nach, ob die Region denn wirklich mit so viel Geld rechnen könnte. Michelbach zeigte sich optimistisch: "Die Mittel werden fließen."


Im Gesamtpaket mit inbegriffen ist auch eine große ökologische Maßnahme: Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen wird das Staatliche Bauamt an mehreren Stellen den Verlauf der Alster renaturieren. Ein Teil der Arbeiten dazu beginnt noch in diesem Jahr.



Wie geht's weiter? Die wichtigsten Straßenbauprojekte im Coburger Land


Tambach

Der Bau einer Umgehung für den Weitramsdorfer Gemeindeteil ist für den im Herbst erscheinenden Bundesverkehrswegeplan angemeldet worden. Ob die neue Straße gebaut wird, steht derzeit noch in den Sternen. Hans Michelbach und Michael Busch wollen deshalb noch einmal gemeinsam in Berlin für die Umgehung werben. Auch Uwe Zeuschel ist überzeugt davon, dass eine Umgehung für Tambach die bestmögliche Lösung wäre: "Wenn diese nicht gebaut werden kann, müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie man die bestehende Straße verbessern kann."

Haarbrücken Noch immer haken die Grundstücksverhandlungen für den Ausbau der Bundesstraße 4 zwischen Mönchröden (Umgehung Rödental) und Neustadt. Hans Michelbach hat deshalb Sorge, dass die Finanzierung der Schnellstraße irgendwann platzt, wenn die betroffenen Landwirte auch weiterhin zu keiner Einigung bereit sind: "Ich kann nicht ausschließen, dass irgendwann einmal keine Mittel mehr vom Bund gibt."