Die blauen Ureinwohner aus dem "Avatar-Kinofilm" und auch die Hobbits aus Mittelerde wollten die Bögen von Uwe Beier nicht haben. Für die großen Hollywood-Produktionen hat es bisher nur für Prototypen gereicht. Kurz vor Vertragsabschluss gingen die Aufträge an andere Firmen. Die Prototypen hängen jetzt im Verkaufsraum in Seßlach an der Decke.

Aber außer bei den wählerischen Fantasiewesen sind die Bögen der Seßlacher Firma Beier sehr beliebt. Dafür sprechen unter anderem rund 15.000 verkaufte Rattanbögen aus dem vergangenen Jahr. "Diese Bögen sind spätestens seit den "Herr der Ringe-Filmen" die beliebtesten Bögen Europas", sagt Beier. Für die Produktionsfirma der Filmreihe aus Mittelerde hatte Beier die Lizenz für den Bau der Bögen zum Verkauf an die Fans bekommen.
Aber auch sogenannte Custom-Bögen, also individuelle Sonderanfertigungen, kann sich der Hobby-Robin Hood in Seßlach anfertigen lassen.

"Los geht es mit rund 25 Euro für die Kindervariante. Die Oberklasse der Sonderanfertigungen geht bei uns bis in die 600 oder 700 Euro", sagt Beier. Die rund 20 Besucher der Betriebsführung an diesem Tag hören gespannt zu. Beier führt die Gruppe vorbei an Regalen, mit allerlei Zubehör: Handschuhe, Sehnen, Pfeilspitzen und Nocken, mit denen die Pfeile sicher auf der Sehne sitzen.

3D-Tiere als Ziele

Eines dieser Regale wirkt besonders kurios, es ist voll mit Tieren aus hartem Schaumstoff. Darunter Waschbären, Frischlinge, Rehe und Vögel. Beier erklärt: "Das sind 3D-Tiere mit Ringen, die als Ziele dienen." Von insgesamt vier Herstellern hat Beier diese Tiere im Programm. Die eigenen 3D-Ziele lässt Beier in Spanien produzieren. Der Geschäftsführer sagt auch ganz offen warum: "Durch die Krise in Spanien sind die Produktionskosten dort einfach günstiger." Ein Teil der Rattanbogen-Produktion findet ebenfalls nicht in Seßlach, sondern in Polen statt. Die Firmenbesichtigung geht weiter.

Immer wieder kommen Fragen, die Beier sicher und meist mit einer witzigen Anekdote beantworten kann. In seinen 13 Jahren im kommerziellen Bogensport hat er schon viel erlebt. "Und was ist mit dem Rambo-Bogen?", fragt einer der Gäste. Die Antwort von Beier kommt prompt: "Das ist ein Compound-Bogen, die sind in den USA sehr beliebt für die Jagd, aber teilweise schon eher wie ein Gewehr, mit viel Technik. Einige haben sogar eine Art Abzug, man drückt drauf und trifft fast immer."

Diese Bögen hat Beier nicht im Angebot und selber schießen mag er damit auch nicht gern. Recurve-Bögen aus den USA führt sein Geschäft hingegen schon: "Bei so einem Bogen kann man die Wurfarme austauschen, welche die Zugkraft des Bogens und somit die Reichweite und Kraft bestimmen. So zwischen 25 und 55 englische Pfund kann so ein Bogen, je nach Wurfarm und Sehne, aufbringen", erklärt Beier. Heißt: Eine Frau kann an die 180 und ein Mann an die 220 Meter weit schießen.

Neue Räume in Seßlach

Die Gruppe geht weiter in das Herz der Firma, die Werkstätten für den Bogen- und Pfeilbau im Keller. Seit Anfang des Jahres ist die Firma in ihren neuen Räumlichkeiten in Seßlach zu Hause. Im Erdgeschoss stehen kleine und mannshohe Bögen und viele bunte Pfeile direkt im Eingangsbereich. Nicht ohne Grund, wie der Firmenchef erklärt: "Den Umzug nach Seßlach haben wir auch gemacht, um eine Art Supermarkt-Konzept umzusetzen. Der Kunde kann sich umschauen und die Produkte anfassen."

Darüber, im Dachgeschoss, ist eine Bogenschießanlage, um die Produkte zu testen. Im Keller zeigt Beier, wie Bögen und Pfeile gebaut werden: "Ein Bogen besteht im wesentlichen aus drei Teilen: Dem Mittelteil, zwei Wurfarmen und der Sehne. Die Wurfarme bestehen aus mehreren Schichten. Glas aus dem Skibau, Zierlaminat und Holzfuniere, die verleimt und unter Druck in einer Art Sauna zusammengepresst werden."

Viele Bögen landeten im Müll

Bis die verschiedenen Bögen, hauptsächlich moderne Langbögen und traditionelle Modelle, die heutige Qualität hatten, war es ein langer Weg. "Es gab Zeiten, da habe ich palettenweise Bögen in die Müllverbrennung gefahren. Das Problem ist, dass es kaum Literatur zu dem Thema gibt und wir sehr viel ausprobieren mussten", sagt Beier.
Die letzte Station der Besichtigung ist der kleine Schießstand unter dem Dach. "Die Abstimmung zwischen Schütze, Pfeil und Bogen ist am wichtigsten - und die Physik", so Beier. Er gibt eine kurze Sicherheitseinweisung, bevor er die Besucher auf die Scheibe loslässt. "Ich habe gerade Probleme mit der Schulter", so Beier. Trotzdem trifft sein Pfeil das Ziel.