Die Entscheidung, ob die den Kirchenvorplatz prägende Linde im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt gefällt wird, ist vertagt. Bei ihrer gestrigen Besichtigungsfahrt haben sich die Mitglieder des Kreis-Bauausschusses darauf geeinigt, erst im kommenden Jahr - und dann nach Rücksprache mit der Stadt Seßlach - eine Entscheidung über die Zukunft des Baumes zu fällen.
Denn noch drängt die Zeit nicht. Heuer steht bei der engen Steigung der Kreisstraße CO 20 nur der erste Bauabschnitt an - und der endet weit vor der 1886 gepflanzten Linde. Aber nächstes Jahr wird es ernst, weil klar ist: Nachdem für die Fußgänger ein sicherer Gehweg gebaut wird, muss die Stützmauer unterhalb der Linde versetzt werden.
Und was dann passiert, ahnte Walter Thamm (CSU/Landvolk) schon: "Wenn die Wurzel einen Schaden bekommt, wird das hier kein richtiger Baum mehr." Wobei die Meinungen auch im Bauausschuss sehr weit auseinander gingen, ob die arg gestutzte Linde überhaupt noch eine Zierde für den Kirchenvorplatz ist.
Jürgen Alt von der Bauabteilung des Coburger Landratsamtes stellte noch einmal die wichtigsten Fakten vor: Die Straße soll auf eine Breite von 3,75 Meter plus einen Gehweg ausgebaut, dazu die Verkehrsregelung wie in Unterelldorf über eine Ampelanlage samt Induktionsschleifen im Straßenbelag gesteuert werden. Die Verkehrsbelastung (600 Fahrzeuge am Tag) mache den Ausbau der Kreisstraße nicht zur Pflicht, man brauche aber mehr Sicherheit für die Fußgänger, stellte Tiefbaufachmann alt klar.
Die Zukunft der Linde hängt auch davon ab, wie der Kirchenvorplatz künftig aussehen soll. Es steht außer Frage, dass das Kriegerdenkmal versetzt werden muss. Ob dann drei Bäume die Linde ersetzen, stieß nicht nur bei der Autenhausener Bevölkerung auf ein zwiespältiges Echo. Melanie Dressel, die im Landratsamt für den Ausbau verantwortlich ist, erhofft sich eine einvernehmliche Lösung im kommenden Jahr: "Am Ende muss sich die Stadt Seßlach erklären, wie sie die Sache haben will." Und Jürgen Alt gestand mit einem Augenzwinkern: "Die Entscheidung muss jemand treffen, der einen grünen Daumen hat." Martin Finzel (SPD) bat darum, zumindest den Versuch zu starten, den alten Baum im Rahmen der Bauarbeiten zu erhalten.


850 000 Euro Baukosten

Billig wird der Ausbau der innerörtlichen Steigung jedenfalls nicht. Mit rund 850 000 Euro liegen die Kosten nach den jetzt vorliegenden Plänen doch deutlich höher als bei den ersten Schätzungen. Dennoch hält sich die finanzielle Belastung für den Landkreis im Rahmen, weil die Stadt Seßlach 185 000 Euro für die Arbeiten an Gehweg und Kanal übernimmt, dazu kommen noch 90 Prozent öffentlicher Zuschuss auf den Anteil des Landkreises. Das heißt am Ende: Kreiskämmerer Manfred Schilling muss 140 000 Euro aufbringen.