Ein Wunschkind ist zunächst einmal ein Kind, das für die viele junge Paare zum persönlichen Glück gehört. Was aber, wenn sich der Wunsch nicht erfüllen will? 26 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen würden alle medizinisch möglichen Verfahren in Anspruch nehmen, wenn sie auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können. Nur 19 Prozent der Frauen wären bereit sich mit ihrem Schicksal abzufinden. In Deutschland sind etwa 1,4 Millionen Paare aufgrund von Unfruchtbarkeit ungewollt kinderlos (Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach).
Die medizinischen Möglichkeiten in Deutschland sind begrenzt: Die Samenspende ist nur unter Auflagen erlaubt, Eizellenspende und Leihmutterschaft sind verboten.
In Tschechien dagegen ist fast alles erlaubt - mehr noch, die frühembryonale Diagnostik ermöglicht dort sogar die Selektion von abnormalem Erbgut. Wer bei Google "Wunschkind" eingibt, landet gleich bei einer Klinik in Karlsbad, die verschiedene Pakete im Wert von etwa 1600 bis 7800 Euro je nach Behandlungsmöglichkeit anbietet. Den Live-Chat inklusive.
In Amerika gibt's Wunschkinder auf Bestellung. Vor dreieinhalb Jahren entstand Mason in einer Petrischale im Labor einer Reproduktionsklinik, aus dem Samen von Jay und einer Eizelle von Zoe, einer schönen und schlauen Studentin der renommierten Columbia University. Mason war ein Designerbaby. "Unser Wunschkind", sagt Luke, der homosexuelle Partner von Jay. "Deshalb wollten wir ihn mit dem besten genetischen Ausgangsmaterial auf seinen Lebensweg schicken." Kosten: 140 000 Dollar.
Schön und schlau ist das eine, gesund das andere. Das Screening der Eizellen und der embryonalen Zellen wird immer feiner und zuverlässiger. Immer mehr Erbkrankheiten können durch neue Verfahren eliminiert werden - ein Prozess, der bereits vor Jahrzehnten mit der Pränatal-Diagnostik begann und sich heute in der Präimplantations- und Präfertilisations-Diagnostik fortsetzt.


Wo ist die Grenze?

Wenn künftig zum Beispiel eine Frau, die wie ihre Mutter und Großmutter eine BRCA-Mutation in sich trägt und damit ein erhöhtes Risiko an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken, ein Kind bekommen will - dann ist das genetische Screening der Eizellen eine Möglichkeit, dieses Risiko für die nächste Generation auszuschließen. Forscherdrang und medizinischer Fortschritt auf der einen Seite, ethische und moralische Bedenken auf der anderen: Denn wann ist die Grenze der Optimierung erreicht? Wo endet der Perfektionierungswahn? Und welche Folgen hat die Selektion für Eltern mit behinderten oder kranken Kindern, die sich irgendwann vielleicht einmal anhören müssen: "Ihr sei doch selbst schuld. Habt es nicht anders gewollt." Wie wird sich unsere Gesellschaft und das Miteinander, die Solidarität verändern? (Schon heute werden neun von zehn Kinder mit der Diagnose Down-Syndrom abgetrieben.)
Fragen, die sich Imke Böger-Troll von der Schwangerschaftsberatung des Diakonischen Werkes in Coburg stellt und jetzt aus der Tabuzone holen möchte. Bei der Podiumsdiskussion "Kinderwunsch/Wunschkind - zwischen Ethik und Moral" am Mittwoch, 29. November, um 14 Uhr soll das Spannungsfeld zwischen individueller und gesellschaftlicher Moral aufgerollt werden.


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Eingeladen sind die Familientherapeutin Petra Thorn, Professor Arne Manzeschke, Leiter der Fachstelle Ethik und Anthropologie der evangelischen Landeskirche und der Reproduktionsmediziner Dr. Andreas Hammel.
Seit 36 Jahren ist die Schwangerenberatungsstelle in der Bahnhofstraße Anlaufstelle für Schwangere, deren Partner und Familien. "Das gesellschaftliche Umfeld, die Fragen und Probleme, die Erwartungen an Familien und die Lebensformen von Eltern haben sich verändert. In der Phase der Familiengründung gibt es immer wieder Themen, die Menschen vor neue Fragen stellen, die auch von der Gesellschaft diskutiert werden müssen, um gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen", sagt Imke Böger-Troll. Konkret meint die Sozialpädagogin die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin, die vielen Menschen auf dem Weg zum eigenen Kind helfen können. "Aber: Immer neuen Entwicklungen und Untersuchungen stellen die Paare oft vor schwierige Entscheidungen."
Bei der Podiumsdiskussion am 29. November soll es nicht um "gut oder böse", "richtig oder falsch" gehen, betont die Organisatorin. "Wenn am Ende der Zuhörer sagt ,Jetzt weiß ich, wie kompliziert dieses Thema eigentlich ist', hat sich die Veranstaltung gelohnt", sagt Böger-Troll. Dieses sehr emotionale, existenzielle Thema verdiene es, aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet zu werden. So wird die Familientherapeutin Petra Thorn auch mal die Seite der "erzeugten" Kinder betrachten und darüber informieren, was man Eltern raten kann, die in Deutschland an rechtliche Grenzen stoßen.
Als Mitglied der Ethikkommission wird Professor Arne Manzeschke seine Sicht auf die Herausforderungen der Zeit vorstellen. Der dritte im Bunde: Der Reproduktionsmediziner Andreas Hammel, Gründer der Erlanger Samenbank. Sein besonderes Interesse gilt der einfühlsamen Begleitung von Kinderwunschpaaren.