Als ob der Lockdown nicht schon schwierig genug wäre. Seit Mitte Januar gibt's in der Heilig-Kreuz-Kirche auch noch den "Glockdown". Will heißen: Der Betrieb der beiden Glocken wurde drastisch heruntergefahren. Sowohl auf den viertelstündlichen Uhrenschlag als auch auf das Gebetsläuten wird bis auf Weiteres verzichtet. Lediglich unmittelbar vor den Gottesdiensten, die seit Ende Februar unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften wieder gefeiert werden, ist der Glockenklang für jeweils drei Minuten zu hören.

Allen voran Pfarrerin Hedwig Porsch findet das sehr schade: "Das Läuten von Glocken hat eine lange Tradition und zeigt auch immer wieder die Gegenwart der Kirche." Doch Hedwig Porsch weiß auch, dass diese vom Kirchenvorstand getroffene Entscheidung richtig war, um weiteren Schaden abzuwenden. Denn irgendetwas passt nicht in der Trägerkonstruktion des Kirchenturms - und mit jedem Schlag droht vor allem die historische Glocke aus dem 14. Jahrhundert noch mehr beschädigt zu werden. Bereits jetzt klafft eine mehrere Millimeter große Vertiefung in ihr. "Das ist zwar grundsätzlich gar nicht zu vermeiden", weiß der Kirchenglockensachverständige Sigurd Knopp: "Aber eine Delle dieses Ausmaßes entsteht normalerweise im Laufe von 200 Jahren." Die letzte große Glocken-Sanierung in Heilig-Kreuz ist allerdings gerade mal 20 Jahre her. Entstanden ist der Schaden durch einen falschen "Läutwinkel". Das bedeutet: Der Klöppel hat über Jahre hinweg in einem falschen Winkel die Glocke angeschlagen. Dank einer vollelektronischen Steuerung, die vor zwei Jahren installiert wurde, kann das jetzt zwar nicht mehr passieren. Trotzdem war schon sehr bald nach dieser Maßnahme deutlich zu hören, dass es sozusagen schon wieder nicht rund läuft im Glockenturm. "Nicht nur Glocken-Experten haben das bemerkt", erinnert sich Birgit Kleefeld, die sich in den letzten Jahren ebenfalls zur Glockensachverständigen weitergebildet hat. Hedwig Porsch bringt es auf den Punkt: "Es hat gescheppert!"

Auf der Suche nach der Ursache kommt wieder Sigurd Knopp ins Spiel, der sich bereits seit über 30 Jahren mit Kirchenglocken in ganz Bayern beschäftigt und dessen Rat nun auch in "seiner" Heilig-Kreuz-Kirche gefragt war. Seine Analyse stand schnell fest: Trotz modernster Steuerung ändert sich das Schwingverhalten der Glocken, sobald sie intoniert werden. Die gesamte Trägerkonstruktion sollte deshalb von einem Statiker und vielleicht auch gleich noch von einem Zimmermann unter die Lupe genommen werden.

Möglich, dass einige der Holzbalken ausgetauscht werden müssen, weil sie schlichtweg morsch sind. Aber auch ganz oben, im nach Außen offenen Bereich des Glockenturms, muss etwas gemacht werden. Denn im Blech, dass die Holzbalken vor Wind und Wetter schützen soll, haben sich kleine Risse gebildet. Somit kann Feuchtigkeit eindringen, was dem Gebälk ebenfalls nicht gut tut. Dass die Risse überhaupt entstehen konnten, lag möglicherweise an Fehlern in der Statik, die aber kaum zu vermeiden sind: "Holz arbeitet, Holz verändert sich", erklärt Knopp. Und dann setzen sich zwischen dem Holz auch noch alle 15 Minuten zwei tonnenschwere Glocken in Bewegung...

Doch jetzt ist Hilfe in Sicht, wie von der Stadt Coburg als sogenanntem Baulastträger der Heilig-Kreuz-Kirche zu erfahren ist. So teilt Stadtsprecher Louay Yassin auf Anfrage mit, dass - wie von Knopp empfohlen - ein Statiker mit der Befunduntersuchung und einem Sanierungskonzept beauftragt werde. Sobald die Ergebnisse dieser Untersuchung vorliegen, werde entschieden, was genau getan werden muss und welchen Zeitraum diese Arbeiten benötigen. Ob eine Sanierung bereits 2022 erfolgen kann, wie es im Gemeindebrief von Heilig Kreuz hoffnungsvoll heißt, bleibt abzuwarten.