"Macho Macho" auf der "Strada del Sole"? "Oben ohne" bei der "Schickeria"? Waren die gut, diese Songs von Rainhard Fendrich, die ab den 80er Jahren die Charts stürmten? Oder waren sie nicht immer auch ein bisschen überzogen blöd in ihrem demonstrativen Austro-Schmäh? Fakt ist, als reinen Schlagerfuzzi konnte man den Wiener Liedermacher, Moderator und Schauspieler nie abtun. Er hatte Riesenerfolge, plakative Fetzen aus seinen Hits sind bis heute vielen auf der Zunge. Weil er offensichtlich das Talent hat, Zeittypisches kritisch, satirisch pointiert auf den singbaren Satz zu bringen.

Am Samstag füllte der durchaus ein bisschen ruhiger, wenn nicht müder gewordene Austropop-Haudegen den Tambacher Schlosshof verblüffend bis an die hintersten Mauern. Sein Publikum folgte ihm aufmerksam und konzentriert, ließ sich vom unprätentiösen, aber sauberen und fetzig sich steigernden Gitarrensound (Fendrich zusammen mit Robby Musenbichler) samt markantem Piano-Drive (Dieter Kolbeck) mittragen auf der kritischen Erzählspur Fendrichs.

Und da horchte man gerade in der ersten Hälfte des stimmungsvollen Konzertes durchaus erstaunt auf. Ob Uraltes oder Neueres, seine witzigen erzählten oder gesungenen G'schichten wirkten oftmals, als seien sie ausdrücklich für die derzeitige politisch-gesellschaftliche Lage geschrieben. Lächerliche Eitelkeiten von Promis und Möchtegerns, alltäglich Hinterfotziges, "Bussi, Bussi", das war ja schon immer seins, im Konzert jetzt wieder mal zu erleben in seiner kabarettistischen Zeitlosigkeit. Erst Recht die gnadenlosen Bissigkeiten auf dem Kampfplatz der Geschlechter bis zu den typisch wienerischen, schwarzhumorigen Witwen-Anleitungen.

Aber der "Tango Korrupti" von 1989 mit einem Hoch auf die Hypo Austria, dazu das vor laufenden Kameras exerzierte Griechenland-Debakel? "Plötzlich lacht der Minister." Da läufts einem manchmal kalt den Rücken runter. Die EU ist ein Auto, das ohne Bremsen losgefahren ist. Das unterschiedliche Rechtsempfinden in Europa, das den gemeinen Bürger schon zu verstören vermag: Fährst du ein Auto gegen die Wand, musst du zahlen. Fährst du eine Bank an die Wand, kriegst du eine Abfindung. Fendrichs Weisheiten sind geradlinig und oftmals einfach. Aber stimmen sie etwa nicht?

Je länger das Konzert dauert, desto eher verliert sich Fendrich in Kinder- und Jugendzeit, in Erinnerung an pubertäre Abstürze, was dann doch zu viel der betulichen Nostalgie wird. Etwas aber ruft er trotzig in Erinnerung, gesetzt gegen all die heute herrschende Coolness: Aufbruch, Neuerung, Mut, politisches Engagement, Befreiung, Leben samt der dazugehörigen Musik der 70er Jahre, in seiner Hymne "My Generation - hat sich an Applaus verdient." Verdammt noch mal. Genau.

Rainhard Fendrich, 1955 in Wien geboren, zählt zu den erfolgreichsten Vertretern des Austropop und prägte dieses Genre entscheidend. Er verbrachte seine Schulzeit in einem katholischen Internat. Als er mit 15 eine Gitarre bekam, brachte er sich selbst die Griffe bei und begann zu texten. Fendrich trat ab 1980 im Theater auf und bekam schnell seinen ersten Plattenvertrag. 1981 landete er mit "Strada del Sole" den österreichischen Sommerhit des Jahres. Nach zahlreichen weiteren Hits übernahm er 1993 von Rudi Carrell die Moderation der ARD-Sendung "Herzblatt". Bis heute ist er als Schauspieler, Moderator und Musiker erfolgreich.