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Max Brose tauge nicht als Vorbild für eine Straßenbenennung: Zu diesem Schluss kommt der Vorstand der Initiative Stadtmuseum. Ihr Kompromissvorschlag: "Brose-Straße". Die Bezeichnung würdige, "weil es keinen Nachfolger gleichen Namens gibt, auch die unternehmerische Leistung des Firmengründers". Zugleich wäre sie eine Anerkennung gegenüber den Mitarbeitern. Zur Weltfirma sei Brose ohnehin erst unter seinem Nachfolger und Enkel Michael Stoschek geworden, heißt es in dem Schreiben an Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und Michael Stoschek.

Michael Stoschek lehnt das Ansinnen gleichwohl ab, wie er im Interview mit dem Coburger Tageblatt am Dienstag sagte: Nach all den vorangegangen Diskussionen und angesichts der üblichen Praxis, Unternehmer mit vollem Namen zu ehren, sei das unakzeptabel.

Ursache des Streits ist, dass der Stadtrat im Sommer 2004 die Umbenennung der Von-Schultes-Straße mit knappster
Mehrheit ablehnte. Bei einigen Stadträten spielte dabei eine Rolle, dass Max Brose als Unternehmer auch im Dritten Reich eine herausgehobene Rolle hatte: Er war Präsident der IHK, ab 1938 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt und Parteimitglied. Sein Enkel und Nachfolger als Firmenchef, Michael Stoschek, argumentiert dagegen, dass sein Großvater sich nichts habe persönlich zuschulden kommen lassen. Im Gegenteil: Es sei dokumentiert, dass er sich auch gegen das NS-Regime gestellt habe. So habe er unter anderem einen Mitarbeiter, einen ehemaligen Kommunisten, vorm Konzentrationslager bewahrt.

Allerdings bezieht Stoschek seine Kenntnisse aus der Akte zum Spruchkammerverfahren gegen Max Brose. Dieses Verfahren zog sich in Broses Fall über drei Instanzen. Die erste entschied, Brose sei "minderbelastet". Damit wollte sich Brose nicht abfinden. 1949 lautete das Urteil schließlich "Mitläufer". Historiker weisen jedoch darauf hin, dass diese späten Spruchkammerverfahren oft milder endeten als die ersten und positive Zeugenaussagen ("Persilscheine") in diesen Verfahren häufig waren.

Wir veröffentlichen hier den Appell der Initiative Stadtmuseum als PDF, die Antwort von Michael Stoschek und die erneute Antwort von Rupert Appeltshauser, dem Vorsitzenden der Initiative Stadtmuseum.

Im Anschluss an diesen Text hier folgt ein offener Brief des Coburger Publizisten Edmund Frey. Er hatte durch ein Schreiben an den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschlands, Josef Schuster, die überregionale Debatte erst ins Rollen gebracht und wendet sich entschieden gegen eine Max-Brose-Straße.

Dass das Thema ansich derzeit wieder auf der Coburger Tagesordnung steht, liegt daran, dass Anfang des Jahres die Süddeutsche Zeitung eine kurze Glosse darüber veröffentlichte, dass Brose Spenden an Organisationen und Vereine in Coburg ablehne mit der Begründung, durch die Stadtratsentscheidung 2004 sei der Firmengründer beleidigt worden. Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hatte das zum Anlass genommen, auf einen Stadtratsbeschluss hinzuwirken, in dem die Entscheidung von 2004 bedauert wurde. Man sei damals zu falschen Einschätzungen gekommen.


Der offene Brief des Coburgers Edmund Frey vom Dienstag
Sehr geehrte Mitglieder des Stadtrats von Coburg,

es ist doch alles so einfach - warum nur verschließt sich eine Mehrheit von Ihnen dieser simplen Erkenntnis:

Wer - wie bisher jedenfalls die Mehrheit unter Ihnen - einen Nazi-Profiteur und NSDAP-Mitglied wie Max Brose 70 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus in einer Stadt wie Coburg zum "Vorbild ... insbesondere auch wegen seines Verhaltens im Dritten Reich" - so Michael Stoschek am 29. März 2015 - erklären will, muss sich absolut - ohne auch nur den Schatten eines Zweifels - sicher sein, dass die Person Max Brose und die Zeit, in der er in Coburg wirkte und lebte, historisch so gründlich aufgearbeitet ist, wie dies in einem solchen Fall unabdingbar ist. Sie alle wissen - oder könnten dies zumindest wissen - dass dies nicht der Fall ist. Schließlich äußert ja sogar eine so entschiedene Befürworterin einer Ehrung Max Broses als "Vorbild" wie Adelheid Frankenberger für ihre Fraktion Zweifel daran: "Die Vorgänge um Max Brose und seine Rolle im NS-Regime müssen sachlich und ergebnisoffen auf Basis aller verfügbaren Dokumente und Unterlagen aufgeklärt werden." (CT vom 19. Mai 2015)

Dies ist offenbar auch nach Meinung der SBC-Fraktion bisher nicht erfolgt.

Dies ist umso wichtiger, als ja Michael Stoschek nicht davor zurück geschreckt ist, Max Brose mit Oskar Schindler im ARD-Magazin "Kontraste" vom 7. Mai 2015 zu vergleichen (. Ab Minute 2:38 sagt Stoschek: "Im Gegensatz zu Oskar Schindler gab es in Coburg kein Konzentrationslager in der unmittelbaren Umgebung, so dass mein Großvater keine Juden retten konnte ..." Es ist zu vermuten, dass Stoschek davon überzeugt ist, Max Brose hätte wie Schindler Juden gerettet, wäre ein KZ in der Nähe Coburgs gewesen. Da muss jemand wie ich sehr ruhig bleiben, wenn er so was hört ... Schindler war die (!) Ausnahme unter den Unternehmern - Schindler und Berthold Beitz. Michael Stoschek kennt offenbar Schindler nicht so genau; wie überhaupt festzuhalten ist, dass Stoschek entscheidendes Faktenwissen über den Nationalsozialismus fehlt und seine Sicht auf die Nachkriegsgeschichte auf dem Stand von vor 50 Jahren stehen geblieben ist: Schindler hat nicht Juden aus den Vernichtungslagern geholt, sondern die Juden im Krakauer Ghetto davor bewahrt, dorthin abtransportiert zu werden.

Da frage ich Sie und Michael Stoschek schon: Warum hat Max Brose nicht die Juden gerettet, die aus Coburg verjagt wurden? Warum hat er nicht Stellung bezogen gegen den Boykott jüdischer Geschäftsleute und Freiberufler Ostern 1933 in Coburg? Warum hat er nicht eingegriffen, als Juden und Sozialdemokraten in der Coburger Prügelstube von seinen Nazi-Kumpanen gefoltert wurden - Ostern 1933? Warum hat er da nicht gezeigt, wie "mutig" und "anständig" und "vorbildlich" er ist?

Haben Sie auch keine Antwort darauf? Stoschek auch nicht?

Ich schon: Max Brose war weder "mutig" gegenüber den NAZIS - wie auch Adelheid Frankenberger offenkundig völlig überzeugt behauptet - noch hat er sich von den "Greueltaten" an den Juden distanziert - und schon gar nicht öffentlich, wie Stoschek und seine Leiterin der Unternehmenskommunikation behaupten (13. Mai 2015). Die einzige Quelle für diese Behauptung ist Horst Schoenau, zum Zeitpunkt seiner Aussage am 19. November 1945 kommissarischer Präsident der südthüringischen IHK in Sonneberg (Blatt 194 der Brose-Akte). Laut Zeugenliste (Blatt 72) ein "guter Freund des Betroffenen" - solchen Bescheinigungen glauben Sie? Ohne jede seriöse Quellenkritik? Historiker akzeptieren solche Bescheinigungen nur, wenn es noch andere unabhängige seriöse Quellen dafür gibt. Diese existieren - zumindest bisher - für Max Brose nicht.

Wenn Sie den Behauptungen Stoscheks glauben, dann wollen Sie die Wahrheit nicht wissen - weil Sie sonst nicht mehr einer Ehrung Max Broses als "Vorbild ... insbesondere auch wegen seines Verhaltens im Dritten Reich" - so Michael Stoschek am 29. März 2015 - zustimmen könnten.

Aber Sie entscheiden dann ja wider besseres Wissen - denn Sie wissen - oder könnten dies wissen, denn die Fachliteratur zum Thema gibt es schon seit langer Zeit - Sie finden die Bücher in den öffentlichen Bibliotheken ... Ich nenne Ihnen gerne die wichtigsten Veröffentlichungen ... - Sie wissen, dass die Kritiker, die es als unseriös betrachten, "Persilscheine" aus den Entnazifizierungsverfahren ohne jede Quellenkritik - wie Stoschek - als den Tatsachen entsprechend zu akzeptieren, im Recht sind.

Stellen Sie sich nur mal für einen Moment vor, die Kritiker seien im Recht - wie stünden Sie, wie stünde Coburg da nach einer Entscheidung dafür, dass Max Brose ein "Vorbild" sei? Als eine Stadt, die sich weigert, Tatsachen zu akzeptieren - aus Angst vor einem Unternehmer, der Macht und Einfluss hat.

Sie alle kennen die bekannte Definition der "Aufklärung" von Immanuel Kant:

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."

Wollen Sie sich dieser Erkenntnis verweigern? Hat die "Aufklärung" etwa bisher Coburg nicht erreicht? Wollen Sie, dass man in Zukunft so über Coburg denkt: Die ziehen aus Angst vor der Wahrheit lieber die Decke über den Kopf und ignorieren alle vernünftigen Zweifel?

Kants "Sapere aude" - das werden wir doch wohl auch in Coburg noch begreifen und leben wollen!

Noch zwei Anmerkungen:

Adelheid Frankenberger (NP vom 19. Mai) erklärt für die SBC-Fraktion - und meint sicher alle Mitglieder des Stadtrats - dass sie "weder dem Kapital verpflichtet" seien, "noch" sich "dem Diktat des Geldes" beugen würden. Sie wissen sicher, dass nur wenige in Coburg nicht davon ausgehen, dass es bei allen jetzigen Überlegungen eine Hauptrolle spielt, dass Michael Stoschek - ausdrücklich mit der Begründung, dass man Max Brose hier in Coburg nicht als "korrekt" und "anständig" während des Dritten Reichs mit einer Max-Brose-Straße geehrt hat - alle Spenden für Coburg und Coburger Vereine durch "Brose" abgelehnt hat - und das - wie es halt der Zufall will - seit 2004 eine Max-Brose-Straße abgelehnt wurde ... Die meisten hier in Coburg sind ebenfalls davon überzeugt, dass bei Ihren Überlegungen selbstverständlich eine Rolle spielt, dass Stoschek die Verlagerung von Unternehmensteilen "andeuten" könnte ... Da mag man noch so oft den Spruch von Stoschek hören - "Mit mir gibt es keinen Deal: Spende gegen Straße" - alleine die Mehrheit hier glaubt es nicht und geht glatt vom Gegenteil aus ... Wozu denn sonst der ganze Aufwand und die ganzen Demütigungen, wenn dann nicht einmal "danach" die Spenden wieder fließen ... Dann könnte man doch die ganze "Vorbild"-Ehrung auch gleich lassen - gibt ja nix dafür ... So spricht der berühmte "Volksmund" - hören Sie mal zu ...

Wollen Adelheid Frankenberger und die Mehrheit des Stadtrats ernstlich behaupten, Sie beugten sich hier alleine dem "besseren Argument" - und das kann nur naturgemäß auf der Seite Michael Stoscheks liegen?Stoschek ist offenkundig nach der Überzeugung der Mehrheit von Ihnen ein ausgewiesener Fachmann für die Geschichte des Nationalsozialismus und der Nachkriegsgeschichte Deutschlands. Renommierter als Lutz Niethammer oder Götz Aly oder gar Norbert Frei (http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Frei).

Da trifft es sich gut, dass am Abend des 21. Mai um 19 Uhr Norbert Frei in der Stadtbücherei zum Thema spricht .... "1945 und wir: über den "richtigen" Umgang der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit" ... Ich gehe doch davon aus, dass Michael Stoschek diese Gelegenheit wahrnimmt, um öffentlich zu dokumentieren, wie überzeugend seine Interpretation von Spruchkammerakten und seine "Deutung" des Alltags im Dritten Reich ist. Adelheid Frankenberger und alle anderen Mitglieder des Stadtrats, die den Kritikern der Ehrung eines Nazis als "Vorbild ... insbesondere auch wegen seines Verhaltens im Dritten Reich" - so Michael Stoschek am 29. März 2015 - vorwerfen, dass ihre Diskussionsbeiträge "einfach ignoriert" werden (NP vom 19. Mai 2015), sind herzlich eingeladen zu zeigen, wie sehr ihre Argumente uns Kritiker widerlegen.

Ich freue mich auf die Diskussion. Selbstverständlich unter der Berücksichtigung aller Quellen - unabhängig davon, ob diese "belastend" oder "entlastend" sind ... Ich bin ein seriöser Historiker. Aber vermutlich haben weder Frankenberger, noch Oehm (NP vom 11. Mai: "In der Nachkriegszeit hätten seiner Meinung nach keine Provinzrichter über Max Brose entschieden. "Die Richter damals haben sich bestimmt gute Gedanken gemacht, ich glaube an die Justiz", sagte Oehm". ... Was soll man dazu sagen: Die Richter waren größtenteils Laienrichter - und selbstverständlich wussten diese was sie tun: Sie wollten vor allem 1948 und 1949 Belastete und Minderbelastete in "Mitläufer" weißwaschen - dazu war ihnen jede vorgebrachte Lüge recht. Das lernt man schon im Geschichtsunterricht in der Schule ... oder bei Wikipedia ...) - oder gar Michael Stoschek den Spruchkammerakt Max Broses im Staatsarchiv gelesen - wir Kritiker schon. Vermutlich haben weder Frankenberger noch Oehm oder Stoschek und Tessmer auch den Zwangsversteigerungsakt Abraham Friedmann gelesen - im Staatsarchiv Coburg. Wir schon - und was ist mit den Akten des Wiedergutmachungsverfahrens der Erben Abraham Friedmanns gegen Brose und Jühling - im Staatsarchiv Nürnberg ... Alles gelesen? Umso besser ...

Leider haben ja weder Stoschek noch Tessmer noch irgendeiner derjenigen, die uns wie Frankenberger "Ignoranz" vorwerfen, bisher auf mein Angebot reagiert, mit ihnen öffentlich über ihre Argumente und die vorgelegten Quellen zu diskutieren - ganz sachlich Quellenkritik zu betreiben, wie dies Studierende der Geschichtswissenschaft in den ersten Semestern lernen ... Wovor haben Sie Angst - so habe ich in meinem Leserbrief vom 1. Mai in der NP geschrieben: "Tessmer und Stoschek greifen bewusst nicht den Vorschlag auf, öffentlich umfassend über Max Brose und den Nationalsozialismus in Coburg unter Beteiligung unabhängiger Historiker und beraten vom Zentralrat der Juden zu diskutieren. Selbstverständlich, wie es sich gehört, vor (!) einer Entscheidung im Stadtrat. Haben sie Angst vor den Ergebnissen? Haben sie so wenig Vertrauen in ihre eigenen Argumente und Deutungsmuster, dass sie dem öffentlichen Diskurs ausweichen wollen? Befürchten sie, dass unabhängige Historiker das wissenschaftlichen Kriterien nicht entsprechende Buch ihres "Kronzeugen" für eine "Neubewertung" Max Broses - Gregor Schöllgen - als untauglich kritisieren? Fürchten Tessmer und Stoschek diese Erkenntnis, da sie doch die gesamte "Rehabilitierung" auf genau diese im Auftrag Stoscheks verfasste Jubiläumsschrift mit allen ihren nachweisbaren Mängeln gestützt haben? Ohne Rücksicht auf Verluste "Augen zu und durch" wäre zum Schaden Coburgs und aller Beteiligten."

Ein anderer Punkt, der für mich sehr wichtig ist und bei dessen Lösung ich Sie um Hilfe bitte:

Wie soll ich es der "Forchheimer Family" (Rachel und Norm, Ira und Esther, Jeffrey und Renee und nicht zuletzt Andy und seiner Frau Charlene - Andy will Rabbi werden ...) wie soll ich diesen so offenen und freundlichen Menschen, die so fröhlich nach Coburg kamen, der Heimat von Anne Rubin, geborenen Forchheimer ... für die wir einen Stolperstein gestiftet haben ... - wie soll ich diesen Menschen, die wir kennen lernen durften - wie soll ich ihnen mitteilen, dass dieser freundliche Norbert Tessmer, der sich so erfreut gezeigt hat, dass sie trotz der grauenhaften Vergangenheit nach Coburg gekommen sind ... wie soll ich diesen Menschen sagen, dass dieser Norbert Tessmer und die Mehrheit dieses geschichtsvergessenen Stadtrats - weil ein reicher Unternehmer dies will! - einen NAZI und NAZI-Profiteur ehrt und als "Vorbild" bezeichnet?

Haben Sie eine Antwort? Ich leite die Antworten von Norbert Tessmer oder Michael Stoschek oder von der Mehrheit des Stadtrats gerne an Rachel und Andy weiter ...

Wer jetzt ohne strengste Prüfung für eine "Max-Brose-Straße" stimmt, vertreibt Anne Forchheimer und Abraham Friedmann, vertreibt die Juden allesamt ein zweites Mal aus Coburg ...

Coburg - eine Stadt, die "sich unterwirft" (Süddeutsche Zeitung) und die Stadt der "vorbildlichen Mitläufer", auf die man stolz ist ... Es wäre - nein: es ist entsetzlich.

Aber Sie wissen selbstverständlich: Wenn Sie sich jetzt mit Mehrheit für die Ehrung Max Broses als "Vorbild ... insbesondere auch wegen seines Verhaltens im Dritten Reich" - so Michael Stoschek - entscheiden, hört der Streit und hört die Kritik nicht auf. Selbstverständlich werden wir Kritiker einer solchen Ehrung die nationalsozialistische Vergangenheit Coburgs und deren Vor- und Nachgeschichte - vor allem aber das Verhalten Max Broses während, vor und nach der NS-Herrschaft kritisch überprüfen und wissenschaftlich untersuchen. Werden Sie den Mut finden, Ihre Entscheidung zu revidieren - also die Max-Brose-Straße wieder abschaffen - sollte sich herausstellen, dass wir Kritiker im Recht sind - wissenschaftlich geprüft?

Besser wäre es, auf die Vernunft zu hören. Und die Vernunft sagt: Solange es erhebliche und begründete Zweifel daran gibt, dass Max Brose ein "Vorbild ... insbesondere auch wegen seines Verhaltens im Dritten Reich" sein kann - solange sollten Sie warten.

Sie haben sicher alle gehört, was der frühere Oberbürgermeister Norbert Kastner dem Bayerischen Rundfunk sagte (gesendet am 9. Mai in der "Bayernchronik"): "Wenn ich mich überhaupt auf eine Diskussion einlasse, die im Hinterkopf hat "Gebt es jemanden um des lieben Friedens willen", dann macht man Politik unmöglich, dann macht man eine Stadt unregierbar. Man kann über viele Dinge im Einzelfall streiten, aber zu sagen, ich hab" nur dann Ruhe, wenn ich jemandem seine individuellen Bedürfnisse als Unternehmer oder als Privatperson erfülle, dann kann ich aufhören, eine Stadt zu regieren oder Politik zu machen."

Beschließen Sie mehrheitlich die Beauftragung einer Historiker-Kommission. Es wäre tatsächlich "zum Besten der Stadt". Unabhängig von politischem Standpunkt oder der Parteizugehörigkeit.

Also, worauf warten Sie noch?