So sieht verblasster Ruhm aus. Grün umrankt erinnert eine Büste am historischen Gartenhaus hoch droben am Adamiberg an den Dichter Jean Paul. In seiner Coburger Zeit von 1803 bis 1804 fand der Poet mit dem wechselvollen Leben hier vorübergehend ein Refugium.

Wer heute den Weg hinauf zum Jean-Paul-Haus in der Nachbarschaft einer Minigold-Anlage findet, erlebt einen Ort der Erinnerungen, auch wenn das heutige Gartenhaus nicht mehr aus Jean Pauls Zeit stammt, sondern erst um 1870 entstand.

"Willkommen"

Errichtet wurde es an der Stelle jenes ersten Gartenhauses, das Jean Paul einst als Rückzugsort nutzte. "Willkommen" steht als Inschrift auf einem Stein über der Eingangstür.

Doch diese Tür ist verschlossen, verriegelt sind die Fensterläden und die von dem Bayreuther Bildhauer Hildebrand geschaffene Büste Jean Pauls ist im Lauf der letzten Jahre fast völlig verschwunden unter dem wuchernden Grün.

Schule trägt seinen Namen

An den Dichter und sein fantastisches poetisches Werk erinnert in Coburg aber nicht nur diese Büste. An Jean Paul erinnert vielmehr auch ein nach ihm benannter Weg, die ebenfalls nach ihm benannte Grundschule in der Neustadter Straße und ein historisches Wohnhaus in unmittelbarer Nähe zum Gymnasium Casimirianum.

Arbeit an den "Flegeljahren"

Fast täglich, so fasst Stadtheimatpfleger Christian Boseckert die Quellenlage zusammen, sei Jean Paul in seiner kurzen Coburger Zeit hinauf gestiegen auf den Adamiberg, um in seinem Gartenhaus beispielsweise an dem Roman "Flegeljahre" zu arbeiten.

"Mein Eden" hatte Jean Paul dieses Fleckchen einst genannt. Davon aber ist heute auf den ersten Blick wenig geblieben. Seit Jahrzehnten werde das gesamte Gartenareal rund um das Gartenhaus "eher stiefmütterlich behandelt" und sei sich weitgehend selbst überlassen worden, bedauert Coburgs Stadtheimatpfleger.

Dabei besitze das Gartenhaus, auch wenn es nicht das Originalgebäude sei, "eine gewichtige Bedeutung". Zudem sei dieser Garten nicht nur Rückzugsort des Dichters, sondern später auch Standort des ersten nachweisbaren Biergartens in Coburg gewesen.

Verschwundene Skulptur

Auf Fotos vom Ende der 1920er Jahre ist auf einem Steinsockel vor dem Gartenhaus noch eine Skulptur zu sehen. Diese Figur aber war längst verschwunden, als sich das Tageblatt im Frühjahr 1980 unter dem Titel "Was wird aus dem Jean-Paul-Garten" mit dem damals trostlosen Zustand des Areals befasste.

Zurück geblieben bis heute ist lediglich ein Gedenksockel mit einer Inschrift, die an den späteren Eigentümer Georg Ottilius Gottfried Schnür erinnert, der seinerzeit auch das jetzige Gartenhaus errichten ließ.

Üppig wucherndes Grün

Die letzten größeren Arbeiten auf dem Gelände, das seit 1917 in städtischem Besitz ist, wurden 2008 durchgeführt. Seitdem aber überwuchert üppig wachsendes Grün immer mehr die Gedenkbüste, die an Jean Paul erinnert.

Rund um das Jean-Paul-Gartenhaus

Hintergrund In unserer Serie "Coburgs architektonische Mauerblümchen" stellen wir interessante Gebäude in Coburg vor, die eine spannende Geschichte erzählen können und eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen. Dabei spielt die Größe und die heutige Nutzung der Bauwerke keine vorrangige Rolle bei der Auswahl - der Bogen dieser Serie spannt sich von der ehemaligen Hauptpost bis zum einstigen Theaterdekorationsmagazin.

Jean Paul Der Dichter Jean Paul wurde am 21. März 1763 als Johann Paul Friedrich Richter in Wunsiedel geboren. Als Autor steht er mit seinem Werk literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik. Nachdem er 1781 in Leipzig ein Theologiestudium begann, verlagerte sich sein Interesse immer mehr Richtung Literatur. Erste literarische Erfolge verbuchte er aber erst ab 1793 - zunächst mit seinem letztlich Fragment bleibenden Roman "Die unsichtbare Loge". Über Berlin, Weimar und Meiningen kam Jean Paul im Jahr 1803 nach Coburg. Aber schon 1804 siedelte der Dichter mit Frau und beiden Kindern nach Bayreuth über, wo er schließlich im November 1825 auch starb.

Schaffen Sein vielgestaltiges literarisches Werk umfasst Romane, Satiren, Erzählungen und inspirierte zahlreiche Komponisten zu Vertonungen. red