Gunter Funk gab sich bei seiner Rückkehr nach Coburg vor dem Spiel ruhig, aufgeräumt und von der Halle begeistert: "Mit der Arena müsst ihr einfach in die 2. Liga, auch dort gibt es kaum Vergleichbares." Dabei hatte der Trainer der HC Aschersleben Alligators sie da, eine Stunde vor dem Spiel, nur "nackt" gesehen. Auch nach der 24:33-Niederlage lobte er die Atmosphäre "als einzigartig in der 3. Liga."

Seine Mannschaft hatte dem HSC 2000 Coburg 35 Minuten lang das Leben äußerst schwer gemacht, dann aber der vielen Laufarbeit Tribut zollen müssen. Denn nach dem Wechsel schlossen sie oft unkonzentriert ab, auch weil die Coburger Deckung da besser funktionierte als noch vor der Pause.
Lange nach dem Schlusspfiff noch saß Funk in der Halle, wollte die hohe Niederlage wohl nicht so richtig wahrhaben.


HSC 2000 Coburg - HC Aschersleben Alligators 33:24 (17:14)

Denn nackte Ergebnisse können manchmal über einen wahren Spielverlauf hinwegtäuschen - das war auch am vergangenen Samstagabend nicht anders. Denn der 33:24-Erfolg des HSC sieht locker herausgespielt aus, dem war aber nicht so.

Denn erst im letzten Drittel der Partie überzeugten die Coburger gegen nachlassende "Krokodile" nutzen jetzt die Vorlagen, die ihnen die Paraden von Oliver Krechel gaben. Nach 22 Minuten hatte man sogar kurzfristig zurückgelegen, HSC-Coach Horvat sprach vom "Weichkochen des Gegners" - das Rezept ging auf.


Den Gegner weichgekocht

Während sich beide Mannschaften warm machten, heizte eine Coburger Sambagruppe so richtig ein und brachte die Arena schon einmal zum Beben. Eine halbe Stunde später sorgte dann die Arena-Rekordkulisse mit 2567 Zuschauern für Stimmung. Doch die sahen erst mal eine erste Halbzeit, die geprägt war von ungewöhnlich leichten Fehlern beim HSC und einem Gegner, der ständig in Bewegung war, in Abwehr wie im Angriff. Trotzdem ließ sich HSC-Spielführer Ronny Göhl nicht lange bitten, bis zum 3:1 (5.) gingen alle HSC-Tore auf sein Konto.

Gegen die unorthodoxe Ascherslebener Abwehr war ein Durchkommen durch die Mitte auch gar nicht so einfach. Denn oft erwarteten die die HSC-Angreifer schon am Neun-Meter-Kreis, "verfolgten" sie sogar fast bis an die Mittellinie. Es dauerte deswegen auch fast 13 Minuten, ehe einmal nicht ein Außenspieler den Ball im Tor der Gäste versenkte.


Riha ging vorzeitig

Wieder einmal traf es in der Abwehr dann den "Oli Roggisch des HSC", Tomas Riha, mit der ersten Zeitstrafe. Der Tscheche, sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber wenn er nur in der Nähe eines Fouls ist, ist er, nicht selten auch zu Unrecht, der Leidtragende. In der Tat war später die Partie für ihn wieder einmal vorzeitig beendet.

Und obwohl die Coburger optisch überlegen waren und die Partie scheinbar sicher in der Hand hatten, machten sie sich durch ein paar zu viele Nachlässigkeiten das Leben selbst schwer. Anstatt den Gegner nach der 8:4-Führung weiter abzuschütteln hieß es nach 20 Minuten 10:10 und nur wenig später lagen die Gäste sogar erstmals in Führung. Doch nach einem Kopfschütteln von HCA-Trainer Funk drehten die Coburger den Spieß wieder um. Denn die "Alligators" hatten in Überzahl zwei Mal viel zu überhastet abgeschlossen und die 15:13-Führung des HSC (26.) so möglich gemacht.


Drei Siebenmeter pariert

Zu Beginn des zweiten Durchgangs gab es dann das erwartete Debüt von Juniorenweltmeister Oliver Krechel im Tor der Coburger. Da passte dann aber auch fast alles - drei Siebenmeter pariert, elf Paraden insgesamt ebneten seinen Vorderleuten den Weg zum am Ende klaren, aber auch ein wenig zu hoch ausgefallenen Sieg. Beim Stand von 20:16 und anstehendem Strafwurf sah es noch nicht danach aus, da griff Gunter Funk in die Taktik-Trickkiste. Ronny Göhl, im ersten Durchgang noch mit fünf erfolgreichen Versuchen vom "Strich" wartete schon auf die Ausführung als Funk solange mit den SR diskutierte bis er dafür die gelbe Karte bekam - Göhl vergab den anschließenden Strafwurf. Er traf aber aufgrund seiner neun Treffer aus der ersten Halbzeit zweistellig und jagt nun dem 1000. Tor im HSC-Trikot nach - aktueller Stand: 996.

Großen Anteil an den insgesamt neun Strafwürfen hatte Dominik Kelm, der den Platz durch die offene Abwehr nutzen konnte und oft eben nur durch Fouls zu bremsen war.


Linsmeier mit Doppelpack

Ein Linsmeier-Doppelpack ließ Coburg weiter davonziehen, aber erst beim 24:17 (44.) konnte man als HSC-Fan zum ersten Mal wirklich richtig durchschnaufen. Es war der Zeitpunkt, zu dem Funk seine Leute zur Auszeit rief. Aber jetzt spürte man, dass die Coburger nicht mehr locker lassen wollten. Konzentriert wurden die Chancen genutzt und der Vorsprung ausgebaut.

Da rauschte dann schon die Laola-Welle durch die Arena, und Aschersleben, das mit kompakter Teamleistung doch lange mitgehalten hatte, hatte nun nichts mehr entgegenzusetzen. Nachdem diesmal schon eine Rekordkulisse in die Halle kam, kann man für das nächste Heimspiel gegen den HSC Bad Neustadt nur empfehlen, sich die Karten frühzeitig zu holen oder es zu machen wie ein junger Familienvater. Um 18 Uhr die Karten an der Tageskasse holen und dann mit Kind und Kegel noch mal um die Ecke in die Systemgastronomie. Das Dessert gab es dann in der HUK-Arena.


HSC Coburg - Aschersleben Alligators 33:24 (17:14)

HSC 2000 Coburg: Havard Martinsen, Oliver Krechel - Kenny Schramm (4), Ronny Göhl (10/5), Dejan Dobardzijev (4/3), Nicola Franke (1), Dominic Kelm (2), Hajck Karapetjan, Sebastian Kirchner (3), Tomas Riha (1), Stefan Linsmeier (3), Maximilian Drude (1), Sebastian Roth (4), Mirza Cehajic. - Zeitstrafen: 7. - Siebenmeter: 9/8. - Rote Karte (nach dritter Zeitstrafe): Tomas Riha (52:29).
HC Aschersleben Alligators: Ivan Szabo, Andreas Böhm - Emil Feuchtmann (3/2), Carsten Kommoß (4/1), Benny Böcker, Frank Seifert (2), Martin Ariel Doldan (3), Gordon Müller (3), Pit Seifert, Erwin Feuchtmann (3), Alexander Weber (2), Patricio Martinez (4), Patrik Krok. - Zeitstrafen: 4. - Siebenmeter: 6/3. - Rote Karte (nach dritter Zeitstrafe): Benny Böcker (50:32).

SR: Stefan Jäger (Niesky) / Lars Thomas (Neustadt/Sachsen). - Zuschauer: 2567.