Bayreuth
Umbau

Einblicke in verborgene Unterwelt: Bayreuth plant neue Attraktion in Stadt

Die Stadt Bayreuth plant eine unterirdische Attraktion im Stadtteil St. Georgen. Die ungewöhnlichen Kelleranlagen mit dem Namen "Stern von St. Georgen" sollen umgebaut werden, sodass Führungen möglich sind.
 
Die Stadt Bayreuth will Kellergänge in St. Georgen mit neuem Konzept zur Touristenattraktion machen. Foto: Michael Kleber
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Bayreuth plant unterirdische Touristenattraktion: Die Kelleranlagen im Stadtteil St. Georgen sollen umgebaut und gesichert werden. Am Ende des Projekts sollen Führungen möglich sein. 

Die Stadt Bayreuth will dafür 289.000 Euro investieren. Zusätzlich hofft sie auf staatliche Unterstützung in Form der Städtebauförderung. Der Baubeginn liegt voraussichtlich im Sommer 2021. Bei den Kellerräumen mit dem Namen "Stern von St. Georgen" handelt es sich um zwei- bis dreigeschossige Gänge. Geplant sind einige grundlegende Baumaßnahmen: 

  • Zwei Brunnenbereiche sollen gestaltet werden
  • ein neuer Treppenabgang soll gebaut werden
  • insgesamt 300 Meter Beleuchtung soll installiert werden

Kelleranlagen St. Georgen: Architektur aus dem Mittelalter 

Die Hohlräume durchziehen Bayreuth wie ein breit angelegtes Band quer von Nordosten nach Südwesten und sind im Burgsandstein angelegt. Die ersten Teile der Stollen entstanden wohl im Hoch- und Spätmittelalter. Vom ehemaligen Brandenburger Tor (östlich des Hauptbahnhofs) verliefen ehemals zwei Hohlwege Richtung St. Georgen. Auf der Suche nach Bodenschätzen wurden wohl ausgehend von diesen Hohlwegen sogenannte Explorationsstollen in den Untergrund geschlagen. In der frühen Neuzeit wurden diese Stollen dann durch Wasserführungsstollen angeschnitten und später in die Wasserseigenanlagen integriert. Einer dieser mehrphasigen Stollen wird noch heute als Abwasserkanal benutzt. 

Eine kleine Kelleranlage wurde im Mittelalter in die Nordflanke des Hohlweges geschlagen (auf Höhe der heutigen Brandeburger Straße 47). Hier konnten Naturalien und Waren für Reisende gelagert werden. Heute liegt diese Kelleranlage wesentlich tiefer. Das Klima ist gleich geblieben - hier herrschen konstante 8 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Somit ist die Anlage noch immer ein idealer Lagerplatz oder ein geeignetes Winterquartier für Fledermäuse. Dieser Keller diente in seiner letzten Nutzungsphase auch als Luftschutzbunker im Zweiten Weltkrieg. Relikte wie Lederschuhe und Weinflaschen aus dieser Zeit haben sich im Keller erhalten und wurden als Kleindenkmäler vor Ort gelassen.

Die Wasserstollen dienten als Abwasserkanäle. Meist treffen sich mehrere dieser Wasserseigen an einem zentralen Ort, dem sogenannten "Mutterschacht", wo das Wasser gesammelt und weiter geleitet wird. Einige dieser Wasserseigen sind in St. Georgen verteilt. Die Seigen wurden wohl zum einen für die Wasserregulierung des 1775 zugeschütteten "Brandenburger Weihers" gebraucht. Zum anderen wurde damit die im Spätbarock angelegte Gartenanlage von St. Georgen mit Orangerie bewässert. 

Der eigentliche Stern von St. Georgen 

In der Kellerstraße in St. Georgen liegt ein sehr interessanter Innenhof. Der von nicht giebelständigen Wohnhäusern gebildete, rechteckige Innenhof hebt sich deutlich von den rechtwinkligen und planmäßig angelegten Straßenzügen und Grundstücksverläufen in St. Georgen ab. Vom Innenhof aus führen sternenförmig zahlreiche Kellerstrecken in den Untergrund. Diese mehrphasige Anlage besitzt Räumlichkeiten, die bis zu vier Etagen übereinander liegen. Wie alt der "Stern von St. Georgen" wirklich ist, lässt sich nicht genau sagen. Auf jeden Fall sind die Stollen neuzeitlich. Während St. Georgen erst 1701 offiziell gegründet wurde, sind diese Stollen doch weitaus älter.

Die Kelleranlagen von St. Georgen unterlaufen meist darüber liegende Häuser, ohne darauf Bezug zu nehmen. Der Kellereigentümer ist im sogenannten Kellerrecht niedergeschrieben. Dabei können mitunter mehrere Dutzend Personen auf einer Kelleranlage ihre Rechte besitzen. Da die Kellerrechte in St. Georgen meist über Jahrhunderte hinweg weitergegeben und kaum verändert worden sind, kann dies möglicherweise auch zu Überraschungen für die Kellereigentümer selbst führen.