4-Tage-Woche im Handwerk: Die Firma Hempfling ist ein Handwerksbetrieb aus Prebitz. Das Familienunternehmen hat vor kurzem die 4-Tages-Woche eingeführt, wodurch alle Mitarbeiter*innen nun freitags zu Hause bleiben dürfen. Die Idee kam am Mitarbeiter*innen-Stammtisch auf - und wurde von Geschäftsführer Hans-Peter Hempfling kurzerhand umgesetzt. Doch wie funktioniert das in einem Handwerksbetrieb?

"Angefangen hat alles kurz vor Weihnachten", sagt Hempfling im Gespräch mit inFranken.de. "Vor den Feiertagen brennt bei uns die Hütte und das wird jedes Jahr schlimmer." Es stand fest: "So geht es nicht weiter." Die Erlösung sollte die 4-Tage-Woche bringen - bei gleichbleibendem Gehalt für alle. Nicht alle waren sofort begeistert: "Am Anfang war schon einige skeptisch. Sowohl die Belegschaft, die Kundschaft, aber auch die Kollegen." Trotzdem setzte Hempfling die Idee um und schon im Februar war der Betrieb freitags geschlossen.

 Handwerkschef aus Prebitz geht drastischen Schritt: "Ich will nicht die nächsten 20 Jahre so leben"

Die Stimmung um die Feiertage sei teilweise unerträglich gewesen. "Da ist immer Ausnahmezustand und für mich war schnell klar: Ich will nicht die nächsten 20 Jahre so leben bis ich irgendwann in den Ruhestand gehe." Und auch seinen Beschäftigten wollte Hempfling das "nicht antun", sagt er. Seit Februar bleiben seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen also nun schon freitags daheim - und das Resultat lautet: "Für mich gibt es kein Zurück mehr."

Die ersten zwei Monate seien toll gewesen. Es gab ihm zufolge einige Hürden zu überwinden, Nachteile sieht Hempfling jedoch nicht: "Wir haben natürlich noch keine Langzeiterfahrungen, aber es gestaltet sich alles irgendwie zum Positiven." Die Motivation der Mitarbeiter*innen sei extrem gestiegen. "Das macht jetzt richtig Spaß." Auch der Geschäftsführer selbst profitiere von der 4-Tage-Woche. "Das Wichtigste dabei", witzelt Hempfling, "ist Entspannung für den Chef." Auch er habe dadurch einen Tag mehr in der Woche. 

"Der freie Freitag ist für alle ein Gewinn." Mittlerweile seien auch alle Skeptiker*innen überzeugt. "Wir kriegen durch die Bank positives Feedback." Einige von Hempflings Kollegen seien so begeistert, dass sie die Umsetzung einer 4-Tage-Woche auch in Angriff nehmen wollen, Freunde seien so begeistert, dass sie nach einer Anstellung in Hempflings Firma gefragt haben. "Nur leider brauche ich keinen Arzt oder Bänker", schmunzelt der Geschäftsführer. 

4-Tage-Woche in Prebitz voller Erfolg: "In der Summe sogar produktiver"

Statt der 40-Stunden-Woche, in der man auch freitags noch einen halben Tag auf die Arbeit müsse, ist der letzte Tag der Woche nun frei und die Stundenanzahl der Mitarbeiter*innen nur noch bei 36 Arbeitsstunden pro Woche und neun Stunden pro Tag - bei voller Lohnzahlung. "In der Summe sind wir sogar produktiver", ist Hempfling überzeugt. Die Gründe dafür seien vielfältig: "Der Auf- und Abbau, das Aus- und Einräumen der Werkzeuge - bei vier Arbeitsstunden am Freitag muss man einpacken, bevor man warmgelaufen ist."

Und auch die Co2-Bilanz falle deutlich besser aus. "Die Leute müssen einen Tag weniger herfahren und mit dem Geschäftsauto auf die Arbeit." Zwar werde pro Arbeitstag nun eine halbe Stunde länger gearbeitet, "aber wenn die Arbeit Spaß macht, ist das dann auch egal." Der Kerngedanke bei der 4-Tage-Woche war vor allem, die Leute zu entlasten und den Betrieb attraktiver zu gestalten. 

Um trotzdem auch Kundschaft, die ausschließlich freitags könne, weiterhin bedienen zu können, arbeite der Betrieb derzeit an einer 4-Tage-Woche Version 2.0. Im Wechsel sollen die Beschäftigten dann einmal montags und einmal freitags freihaben, was alle zwei Wochen ein 4-tägiges Wochenende bedeuten würde. "Das hängt allerdings von genügend Personal ab", sagt Hempfling, weswegen der Betrieb derzeit auf der Suche nach circa 50 neuen Mitarbeiter*innen und Auszubildenden aus allen möglichen Bereichen ist. "Wir hoffen, dass wir die Mannschaft bald entsprechend verstärken können."