Für die Pressevertreter hatte Thomas Zimmer einen großen transparenten Plastiksack mitgebracht. Der Inhalt: ein Berg gesammelter Kassenbons aus seiner Bäckerei, innerhalb von nur zwei Wochen. "Das ist Sondermüll", sagte der Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken, zugleich Bäckermeister in Bayreuth. "Nicht über die Papiertonne zu entsorgen." Es sei nur ein Beispiel, wie immer wieder neue Probleme auf die Betriebe zukämen, zumeist bürokratischer Art.

Vizepräsident Matthias Graßmann, Inhaber eines Maler- und Verputzerbetriebs in Bamberg, setzte beim Jahrespressegespräch in Bayreuth noch eins drauf. Er zeigte eine 47 Seiten starke Broschüre. Dort sei aufgeführt, was alles nötig ist, um ein Angebot für einen öffentlichen Auftrag abzugeben. Ein Riesenaufwand, und die Wahrscheinlichkeit, den Auftrag dann zu erhalten, sei gerade einmal fünf Prozent.

Wichtige Binnennachfrage

Die gute Nachricht: An Aufträgen mangelt es dem Großteil der fränkischen Handwerksbetriebe nach wie vor nicht. Und auch die Konjunktur zeigt sich das neunte Jahr in Folge in einem Hoch. Das bestätigen alle drei fränkischen Kammern. Zwar habe man die Werte des Rekordjahrs 2018 zuletzt nicht mehr ganz erreicht, berichtete am Mittwoch Walter Heußlein, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken. Aber man liege nur minimal hinter dem Topwert. Die Auftragsreichweite sei 2019 in Unterfranken mit durchschnittlich zwölf Wochen im Vergleich zum Vorjahr (11,5 Wochen) sogar noch gestiegen. "Die Anzeichen deuten darauf hin, dass die Handwerkskonjunktur etwas schwächer läuft, sollte gerade die Industrie weiter einbüßen", sagte Heußlein. Dennoch gehe man davon aus, dass die für das Handwerk so wichtige Binnennachfrage weiter gut sein werde.

Nachwuchssorgen

Was die Entwicklung der einzelnen Handwerkszweige angeht, so zeigt sich ein unverändertes Bild. Das Bau- und Ausbaugewerbe ist nach wie vor überall der Wachstumstreiber. "Bau und energetische Sanierung werden auch in den nächsten Jahren ein Konjunkturmotor bleiben", sagte Thomas Koller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken. Lediglich die oberfränkischen Zulieferer hätten zuletzt die aktuellen Unsicherheiten in der Industrie und im Außenhandel direkt zu spüren bekommen. Echter Pessimismus herrsche allerdings auch hier nicht. Nur gut 13 Prozent der befragten Betriebe gingen davon aus, dass die Auftragseingänge in den nächsten Monaten zurückgehen werden.

Es gibt aber ein weiter ungelöstes Problem. "Wir finden einfach nicht genügend Nachwuchskräfte", berichtete Oberfrankens HWK-Präsident Thomas Zimmer. Und das, obwohl laut Aussage seines Hauptgeschäftsführers Koller mehr als zehn Prozent der Auszubildenden mittlerweile vom Gymnasium kämen.

Trend zum Studium ungebrochen

Selbst bei der Handwerkskammer für Unterfranken, die in der Statistik die Zahl der neuen Lehrverträge steigern konnte, ist man unzufrieden. Im Kammerbezirk konnten 2019 rund 1000 Lehrstellen nicht besetzt werden. "Trotz des leichten Aufwärtstrends wirken sich der demografische Wandel und der anhaltende Trend zum Studium weiter stark auf den Ausbildungsmarkt im unterfränkischen Handwerk aus", sagte Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul.

Glücklich sind die Kammern über die im Dezember vom Kabinett beschlossene Rückführung einiger Gewerke zum Meisterbrief. "Vor drei Jahren war das noch undenkbar", sagte Thomas Zimmer. Zwölf Gewerke sind seit kurzem wieder in der Meisterpflicht, darunter Fliesenleger und Orgelbauer.