Gegen "zerstörerisches Weiter-So": Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen am Ostersonntag für Klimaprotest

2 Min
Bayreuth: Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen für Protest - "dies ist ein Klimanotstand"
Mit plakativen Statements protestierte die Bewegung Scientist Rebellion für das Klima.
Bayreuth: Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen für Protest - "dies ist ein Klimanotstand"
Scientist Rebellion
Bayreuth: Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen für Protest - "ist Klimanotstand"
Mit plakativen Statements protestierte die Bewegung Scientist Rebellion für das Klima.
Bayreuth: Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen für Protest - "ist Klimanotstand"
Scientist Rebellion
Bayreuth: Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen für Protest - "ist Klimanotstand"
Mit plakativen Statements protestierte die Bewegung Scientist Rebellion für das Klima.
Bayreuth: Wissenschaftler und Akademiker nutzen Statuen für Protest - "ist Klimanotstand"
Scientist Rebellion

In Bayreuth hat die internationale Bewegung von Wissenschaftlern und Akademikern Scientist Rebellion ihre Spuren hinterlassen. Im Rahmen eines Klimaprotests behängten sie Statuen von Richard Wagner und Markgräfin Wilhelmine.

Am Ostersonntag (9. April 2023) haben Wissenschaftler*innen und Akademiker*innen einen bereits am vergangenen Sonntag stattgefundenen internationalen Protest auf Denkmäler auf der ganzen Welt ausgeweitet. Das teilt die Bewegung Scientist Rebellion in einer Pressemitteilung mit.

In Bayreuth statteten Mitglieder Statuen von Markgräfin Wilhelmine im Mariengärtlein und an den Schlossterrassen sowie Richard Wagner am La-Spezia-Platz mit Augenbinden aus. Dazu postierten sie Schilder mit den Botschaften "Stellt Euch den Fakten - Sagt die Wahrheit - Dies ist ein Klimanotstand", "Stoppt den fossilen Wahnsinn!" und "Wahrheit! Handeln! Notstand!".

Klimaprotest in Bayreuth - Akademiker fordern Maßnahmen gegen Erderhitzung

Die Wissenschaftler*innen und Akademiker*innen forderten die Entscheidungsträger auf, die Wissenschaft ernst zu nehmen, heißt es in dem Statement. "Der jüngste Weltklimabericht macht eindringlich klar, dass die Klimakrise und die ökologische Katastrophe die Existenz allen Lebens bedrohen. Nur durch sofortiges Handeln und Maßnahmen, die weit über das hinausgehen, was derzeit getan wird, kann die prognostizierte Erderhitzung noch abgemildert und verlangsamt werden."

Scientist Rebellion habe die "Statue Sunday"-Aktion am 26. März 23 gestartet. "Die Aktionen finden weltweites Echo und sollen wöchentlich ausgeweitet werden. Im Schneeballsystem wollen wir Wissenschaftler*innen international aus ihren Studierzimmern und Laboren auf die Straße holen", heißt es weiter. Wenn die "ignoranten" Staats- und Regierungschefs eines Tages selbst mit Statuen geehrt werden wollten, müssten sie "auf der Stelle das zerstörerische 'Weiter-So' in Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffkonzernen beenden". 

Zudem sollten sie "umweltschädigende Industrien ausbremsen und alles tun, um das Artensterben aufzuhalten und schnellstmöglich die Treibhausgasemissionen auf vorindustrielles Niveau absenken, mit dem Ziel CO2-Neutralität zu erreichen", so die Verlautbarung der Bewegung.

Manche "Kipppunkte" bereits überschritten - Bewegung bezieht sich auf Bericht des Weltklimarats

Die Bewegung betont, dass die Emissionen "nahezu ungebremst weiter" anstiegen. "Wir steuern auf Schwellen bestimmter geophysikalischer Erdsysteme zu, deren Überschreitung eine gezielte Kontrolle und Beeinflussung der Folgen unmöglich machen wird. Bei einigen dieser komplexen Systeme sind diese sogenannten 'Kipppunkte' den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge bereits überschritten", schreiben die Verfasser eindringlich.

Das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes sei beispielsweise "wohl nicht mehr aufzuhalten, mit massiven Einwirkungen auf die Höhe des Meeresspiegels in den kommenden Jahrzehnten, zum Beispiel an der norddeutschen Küste". Dazu gehörten auch Veränderungen wichtiger Meeresströmungen, wie dem Golfstrom. "Jede weitere Verzögerung bei koordinierten Maßnahmen", zitieren die Mitglieder den jüngsten Weltklimabericht, "wird eine kurze und sich schnell schließende Gelegenheit verpassen, eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle zu sichern."

Scientist Rebellion habe die Veröffentlichung des jüngsten IPCC-Berichts am 20. März 2023 für die globale Protestaktion zum Anlass genommen. "Der Synthese-Bericht des in Deutschland als Weltklimarat bekannten internationalen Expertengremiums fasst die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel zusammen und beschreibt mithilfe verschiedener Szenarien, was jeweils auf uns zukommen wird", so die Erläuterung. Demnach solle es bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer globalen Erderhitzung von etwa 3 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit kommen.

Sechs Grad mehr in Deutschland - Protestler zählen Lösungen auf

"In Deutschland ist zu erwarten, dass die Erhitzung etwa doppelt so hoch sein wird wie im globalen Mittel, sodass bei uns ohne Kurswechsel demnach von etwa 6 Grad höheren Temperaturen auszugehen ist", zeichnet Scientist Rebellion das Szenario weiter. Lösungen seien vorhanden, aber Gegenmaßnahmen reichten nicht aus. "Aus diesem Grund sind entschiedene Gegenmaßnamen gegen die für die Erhitzung ursächlichen Treibhausgasemissionen erforderlich.

Im Weltklimabericht werden auch zahlreiche heute verfügbare Lösungen aufgezeigt - von einem schnellen Ausbau erneuerbarer Energien, über Genügsamkeit (Suffizienz/Degrowth), bis hin zu einer überwiegend pflanzlichen Ernährungsweise." Dennoch schließe sich das Zeitfenster, "eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle zu sichern", rasch.

Scientist Rebellion fordere die wissenschaftliche Gemeinschaft im Zusammenhang mit der Protestaktion in Bayreuth und anderen Städten auf, "öffentlich Verantwortung zu übernehmen und sich mit der Klimabewegung zu solidarisieren und zu protestieren. Scientist Rebellion übt Druck auf Regierungen aus - mit friedlichen, kreativen und störenden Aktionen - um zu bewirken, dass sie Maßnahmen ergreifen, um eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle zu sichern", heißt es abschließend.