In Bayreuth hat die internationale Bewegung von Wissenschaftlern und Akademikern Scientist Rebellion ihre Spuren hinterlassen. Im Rahmen eines Klimaprotests behängten sie Statuen von Richard Wagner und Markgräfin Wilhelmine.
Am Ostersonntag (9. April 2023) haben Wissenschaftler*innen und Akademiker*innen einen bereits am vergangenen Sonntag stattgefundenen internationalen Protest auf Denkmäler auf der ganzen Welt ausgeweitet. Das teilt die Bewegung Scientist Rebellion in einer Pressemitteilung mit.
In Bayreuth statteten Mitglieder Statuen von Markgräfin Wilhelmine im Mariengärtlein und an den Schlossterrassen sowie Richard Wagner am La-Spezia-Platz mit Augenbinden aus. Dazu postierten sie Schilder mit den Botschaften "Stellt Euch den Fakten - Sagt die Wahrheit - Dies ist ein Klimanotstand", "Stoppt den fossilen Wahnsinn!" und "Wahrheit! Handeln! Notstand!".
Klimaprotest in Bayreuth - Akademiker fordern Maßnahmen gegen Erderhitzung
Die Wissenschaftler*innen und Akademiker*innen forderten die Entscheidungsträger auf, die Wissenschaft ernst zu nehmen, heißt es in dem Statement. "Der jüngste Weltklimabericht macht eindringlich klar, dass die Klimakrise und die ökologische Katastrophe die Existenz allen Lebens bedrohen. Nur durch sofortiges Handeln und Maßnahmen, die weit über das hinausgehen, was derzeit getan wird, kann die prognostizierte Erderhitzung noch abgemildert und verlangsamt werden."
Scientist Rebellion habe die "Statue Sunday"-Aktion am 26. März 23 gestartet. "Die Aktionen finden weltweites Echo und sollen wöchentlich ausgeweitet werden. Im Schneeballsystem wollen wir Wissenschaftler*innen international aus ihren Studierzimmern und Laboren auf die Straße holen", heißt es weiter. Wenn die "ignoranten" Staats- und Regierungschefs eines Tages selbst mit Statuen geehrt werden wollten, müssten sie "auf der Stelle das zerstörerische 'Weiter-So' in Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffkonzernen beenden".
Zudem sollten sie "umweltschädigende Industrien ausbremsen und alles tun, um das Artensterben aufzuhalten und schnellstmöglich die Treibhausgasemissionen auf vorindustrielles Niveau absenken, mit dem Ziel CO2-Neutralität zu erreichen", so die Verlautbarung der Bewegung.
Manche "Kipppunkte" bereits überschritten - Bewegung bezieht sich auf Bericht des Weltklimarats
Die Bewegung betont, dass die Emissionen "nahezu ungebremst weiter" anstiegen. "Wir steuern auf Schwellen bestimmter geophysikalischer Erdsysteme zu, deren Überschreitung eine gezielte Kontrolle und Beeinflussung der Folgen unmöglich machen wird. Bei einigen dieser komplexen Systeme sind diese sogenannten 'Kipppunkte' den jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge bereits überschritten", schreiben die Verfasser eindringlich.
Das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes sei beispielsweise "wohl nicht mehr aufzuhalten, mit massiven Einwirkungen auf die Höhe des Meeresspiegels in den kommenden Jahrzehnten, zum Beispiel an der norddeutschen Küste". Dazu gehörten auch Veränderungen wichtiger Meeresströmungen, wie dem Golfstrom. "Jede weitere Verzögerung bei koordinierten Maßnahmen", zitieren die Mitglieder den jüngsten Weltklimabericht, "wird eine kurze und sich schnell schließende Gelegenheit verpassen, eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle zu sichern."