Sie fressen den Hühnern das Futter weg, sind auf Salat scharf, werden bei manchen Kemmernern mit Leberkäse und Schnitzel bewirtet: Seit etlicher Zeit treiben sich im Norden Kemmerns zwei Pfauenmänner herum. Sie spazieren durch Gärten, hocken sich auf Garagen und wären fast schon in die Apotheke marschiert. Doch nach anfänglicher Begeisterung über die bunten Fotomotive gleich vor der Haustür ist inzwischen auch Unmut über die lauten Geräusche der großen Hühnervögel laut geworden. Nun sollen sie zu einem Tierarzt im Coburger Land umgesiedelt werden, was aber gar nicht so einfach ist.

Immer wieder werden die großen Hühnervögel aus der Familie der Fasanenartigen - wie es in Wikipedia nachzulesen ist - Jessy Brehme zugeordnet. Sie hält Pferde im Norden Kemmerns und besitzt tatsächlich einen Pfau. Belmondo. Der hatte lange eine Partnerin, erzählt Brehme, und genau auf die hatten es wohl die beiden männlichen Pfauen abgesehen. "Irgendwann waren sie einfach da, und hielten sich in der Nähe auf", berichtet sie weiter. Sie schliefen oft auch in der Nähe oder flogen bei ihr auf die Dächer. Natürlich haben sie sich am Futter ihrer Kollegen gütlich getan. Dann starb die Herzdame und Jessy Brehme hatte seltener Fremd-Pfauen-Besuch. Die konzentrierten sich dann auf Gärten, Terrassen und Dächer vor allem im nördlichen Wohngebiet.

Die beiden Pfauen sind bekannt, wie die Recherche zeigte. Elke Zapf, die nahe der Schule lebt, hatte Pfauenbesuch und fand die Tiere "arg schön". Freilich weiß sie auch von Leuten, die sich gestört fühlen. Frisörin Jenny Weißmann erzählt von einem Mann, der die Tiere im Garten des Friseur-Salons gesehen hatte und fragte, ob er sie dort fotografieren durfte. Selbst hat sie das natürlich mit dem Handy festgehalten. Selbst der kleinen Mariella Kügel (11) sind die Tiere bekannt. Sie hat sie schon zweimal gesehen und viermal gehört. "Die schreien grässlich", findet das Mädchen.

Anfangs fanden viele die herumziehenden Pfauen cool, beschreibt Jessy Brehme die Situation. "Es wurden viele Fotos gemacht." Dann begannen die Tiere einige zu nerven und das Rathaus bekam verstärkt Beschwerden.
Das bestätigt Bürgermeister Rüdiger Gerst, der selbst zu den Besuchten gehört und die prächtigen Tiere in seinem Garten ebenfalls fotografierte. "Mich stören sie nicht." Freilich hat er Verständnis für Menschen, die anders empfinden, beispielsweise eine Vogelphobie haben.

Der Blaue Pfau, um solche Exemplare handelt es sich wohl bei den Kemmerner Tieren, kommt mit seinem imposanten Schwanzfedern auf eine beeindruckende Länge von zwei Metern und er ist etwa vier bis sechs Kilo schwer. Typisch ist neben der prächtigen Federkrone das laute, durchdringende Schreien. Das fächerförmige Rad soll Feinde oder Weibchen beeindrucken. Manchen Menschen bereitet der Anblick wohl durchaus auch Unbehagen.


Rathaus reagiert

Jedenfalls musste man im Rathaus reagieren. Es hat gedauert, bis Gerst eine Anlaufstelle fand, von der er Hilfe erwarten konnte: die Wildtierhilfe Bamberg mit Susanne Wicht an der Spitze. Wie Gerst dazu weiter erklärt, wurde über die Wildtierhilfe sogar jemand aufgetan, die bereit ist, die Kemmerner Streuner aufzunehmen: Tierarzt Joachim Lessing im Landkreis Coburg. Der hat laut Susanne Wicht bereits Pfaue und ein mehrere tausend Quadratmeter großes Grundstück.

Wicht vermutet, dass die Kemmerner Tiere irgendwann ausgesetzt wurden. Denn Pfaue sind Haustiere - längst nicht mehr nur in Herrscherhäusern.

Mit Jessy Brehme war laut Susanne Wicht letzten Samstag eine Fangaktion geplant. Nur wollten sich da die beiden gefiederten Herren einfach nicht zeigen. Dafür am Sonntag, aber da misslang die Aktion. Sie soll nun diesen Samstag wiederholt werden. Froh wäre Brehme über fachkundige Unterstützung.

Wie Susanne Wicht wissen lässt, gibt es bei Nürnberg den Fachtierarzt für Zoo- und Wildtiere Fritz Karbe, der mit Net-Gun (ein Gewehr, das ein Fangnetz abschießt) agiert. Doch wer übernimmt die Kosten? Einsätze schlagen mit mehreren hundert Euro zu Buche, je nach Zeitaufwand. Und wer weiß schon, wann genau die Tiere auftauchen. Gersts Ziel ist es, die Tiere gut unterzubringen. Fragt sich, wann's gelingt.