16 Gemeinden mit einer Vielzahl von Grundschulen und vierten Klassen die vor noch nicht allzu langer Zeit sogar mehrzügig waren steuern seit über drei Jahrzehnten in Sachen Fahrrad in Burgebrach die Grasmannsdorfer Straße an: Gleich bei der Schule befindet sich der Verkehrsübungsplatz. Doch der ist inzwischen in die Jahre gekommen.

Fast wie im richtigen Verkehr ist der Belag marode und die Ampel funktioniert nicht mehr richtig. Zeit für eine Sanierung.

Auf die Mängel hatte die Polizei die Marktgemeinde Burgebrach hingewiesen, berichtet deren Erster Bürgermeister Johannes Maciejonzcyk (CSU). Neben Burgebrach nutzen 15 weitere Gemeinden, beziehungsweise deren vierte Klassen der jeweiligen Grundschulen den Platz, um gemeinsam mit Verkehrspolizisten der Bamberger Polizei korrektes und sicheres Radfahren einzuüben. Für die Abfrage des Lernerfolgs und bestandene theoretische und praktische Prüfung gibt's dann, sozusagen als Motivation, den Fahrradpass mit Wimpel und bei hervorragender Punktzahl sogar den Ehrenwimpel.

Für die Errichtung des Platzes gab es vor über 30 Jahren eine großzügige Förderung, so Burgebrachs Bürgermeister. Deshalb war die Nutzung für die 16 Kommunen alle Jahre kostenlos. Der Markt Burgebrach hat die Pflege des Platzes auf einem insgesamt 2500 Quadratmeter großen Areal übernommen.

Peter Krauß fungiert bei der Polizeiinspektion Bamberg-Land als Sachbearbeiter Verkehr und ist damit auch für die Verkehrserzieher zuständig. Er weiß deshalb auch von deren Rückmeldungen, dass der Platz nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Ganz konkret fehlt ein Kreisverkehr. So was kannte man zur Zeit der Errichtung noch kaum.
"Es wurden irgendwann einmal zwei Garagen als Lager angeschafft", weiß der Bürgermeister.

Mehr wurde aber auch nicht verändert. Nun bedarf es eines weiteren zusätzlichen Raumangebotes: Schulungsraum, Sanitäranlagen, Unterstellmöglichkeiten für die Räder. Und ein Kreisverkehr muss untergebracht werden. Das macht eine Vergrößerung des Areals erforderlich. Zusätzliche 600 Quadratmeter stellt der Markt Burgebrach zur Verfügung. Dafür wird ein bisheriges Rasenspielfeld der Schule verwendet, für das sich bei der Dreifachsporthalle Ersatz findet.

Die neuen Räumlichkeiten sollen zusammen mit der Schulerweiterung realisiert werden, so der Bürgermeister. Hier werde man Synergien nutzen. Bei dem vor nicht allzu langer Zeit in Scheßlitz fertiggestellten Verkehrsübungsplatz fielen allein für Gebäude Kosten von 175 000 Euro an. Für die Bauten in Burgebrach übernimmt die Marktgemeinde die Kosten.


Pflege beibehalten

Die Pflege der Anlage will man gleichfalls wie bislang beibehalten. Dafür werde sich der Markt dann aber nicht an den Kosten für die Außenanlage in Höhe von rund 340 000 Euro beteiligen. Diese Kosten sollen nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt werden: nach den durchschnittlichen Schülerzahlen der vergangenen fünf Jahre. Die Gemeinderäte der jeweiligen Kommunen müssen das Prozedere und die Details noch jeweils per Gemeinderatsbeschluss absegnen. Im Winter wird die Ausschreibung für den Platz erfolgen, die Bauarbeiten zwischen den Pfingst- und den Großen Ferien erfolgen.

Das Bauwerk selbst wird länger dauern, mutmaßt Maciejonzcyk. Insgesamt sieht der die Modalitäten als fair.
Der 35-Jährige hat wie so viele aus dem westlichen Landkreis und seiner Generation Sicherheit im Fahrradfahren auf dem heimischen Übungsplatz erlernt.

Mit den aktuellen Vorhaben wird sicherlich Töchterchen Mathilda und deren Generation hier ihrerseits in sicherem Radeln Unterweisung in praktischen Übungen finden.

Für die praktischen Übungen sind wohl auch dann die Verkehrserzieher bei der Polizei zuständig. Wie Peter Krauß erklärt, geht es nach der Theorie in der Schule in die Praxis und auf die Verkehrsübungsplätze. Neben Burgebrach gibt es einen in Scheßlitz, der im vergangenen Jahr fertiggebaut wurde. Abteilungsleiter Krauß betreut bei der Bamberger Polizei die Verkehrserzieher. Einer davon ist Jürgen Gleußner. Der plant schon fürs kommende Jahr um, weil der Verkehrsübungsplatz Burgebrach den gesamten Sommer wegen der Sanierung nicht zur Verfügung steht. So muss er alles ins Frühjahr und in den Herbst packen.


Alles recht spartanisch

Freilich begrüßt er die Maßnahmen ausdrücklich. Den derzeitigen Platz bezeichnet er nicht nur als "recht schmal" und "nicht mehr Stand der Zeit". Wenn mehr als 25 Schüler da sind "wird es eng". Beengt und nicht mehr zeitgemäß, das ist die Unterbringung der 35 Fahrräder, Verkehrszeichen, Werkzeuge und Ersatzteile in einer der beiden Doppelgaragen.

In der zweiten finden sich Toiletten und ein Büro. "Alles sehr spartanisch", beschreibt Gleußner die Situation.
Der Verkehrserzieher freut sich darüber, dass bei der geplanten Sanierung und Erweiterung die in 30 Jahren groß gewordenen Bäume erhalten bleiben. Gerade im Sommer seien sie willkommene Schattenspender.
Verkehrserziehung findet in den Monaten März bis November statt. Seit neun Jahren engagiert sich Gleußner in diesem Bereich.

Eine sehr wichtige Aufgabe, wie er findet und eine erfolgreiche obendrein: Der Landkreis Bamberg gehöre zu den Kreisen mit den wenigsten Radunfällen, wie er am Rande einer Veranstaltung zum Thema Straßenverkehr erfahren habe.


Der Radführerschein

Wie verhält man sich als Nachwuchsradfahrer eigentlich richtig? Die Frage regelt die Straßenverkehrsordnung, erklärt Verkehrserzieher Jürgen Gleußner. immer den Kindern, die bei ihm den Radführerschein genannten Fahrradpass machen.


Theorie in der Schule

Zuerst muss der theoretische Teil (durch den Lehrer) abgedeckt werden. Dann folgen die drei Praxismodule zu je eine Doppelstunde. Zuerst werden Situationen - Ampel, Vorfahrtsstraße, Abbiegen, Engstelle, Zebrastreifen - zu Fuß abgelaufen, dann kommen die bereit gestellten Fahrräder ins Spiel. Am Ende der Lektionen gibt es für jeden eine etwa vier Minuten lange Prüfungsfahrt.

Wichtig dabei, korrekt Zeichen geben und korrektes Umschauen, natürlich neben der entsprechende Fahrweise. Nicht ganz einfach für Zehnjährige, das alles unter einen Hut zu bringen. Das heißt eher unter den hier vorgeschriebenen Helm zu bringen. Wird die hier nötige Punktzahl erreicht, dann gibt es den Fahrradpass. Die Urkunde aber erst, nachdem der Schüler daheim im Realverkehr an einem anderen Verkehrserziehungstag gezeigt hat, dass er das in Theorie und am Platz Vermittelte auch im wirklichen Verkehr beherrscht, so Verkehrserzieher Gleußner.

Und die Sache mit dem Gehsteig? Kinder bis acht Jahre dürfen nicht am Straßenverkehr teilnehmen, "sie müssen also den Gehsteig benutzen", so Gleußner. "Bis zehn Jahre dürfen sie dort fahren und ansonsten auch den Geh- und Radweg benutzen."


Verkehrserziehung im Lehrplan

Verkehrserziehung ist ein wichtiger Bestandteil im Lehrplan der Grundschüler, konkret der vierten Jahrgangsstufe und im Bereich Heimat- und Sachkunde. Im Alter von zehn Jahren seien die Schülerinnen und Schüler Thomas Kohl zufolge im richtigen Alter, um diesen besonderen Stoff aufnehmen zu können.

In dem Alter, so der Leiter des Staatlichen Schulamtes Bamberg weiter, kommen auf dem Land viele mit dem Rad zur Schule.

Umso wichtiger, dass sie sich dabei sicher im Straßenverkehr bewegen. Kohl kam vor über 30 Jahren bereits selbst in den Genuss von Verkehrserziehung und hat somit den praktischen Nutzen auch selbst erfahren.
Aus pädagogischer Sicht begrüßt er es, dass das richtige Verhalten im Straßenverkehr im "geschützen Raum" - den Übungsplätzen - erlernt werden kann. Damit sie so zu sicherheits- und umweltbewussten, verantwortungsvollen Verkehrsteilnehmern werden.