Die Temperaturen sinken und es wird wieder früher dunkel. Oftmals fällt es in dieser Zeit besonders schwer, morgens aus dem Bett zu kommen und sich für den Tag zu motivieren. Yogalehrerin Katrin Weiß lässt sich vom trüben Wetter die Stimmung nicht vermiesen. Ihr Geheimrezept? Sonnengrüße und Atemübungen.

"Yoga ist mehr als nur die Bewegungstechnik, es ist das Zur-Ruhe-bringen der Gedanken im Geist", sagt die 35-Jährige und zitiert damit den indischen Gelehrten Patanjali. "Die Bäume färben die Blätter und lassen sie los. Das kann auch ein gutes Vorbild für uns sein. Sachen loszulassen, die einem nicht länger dienlich sind, und sich von altem Ballast zu befreien." Katrin Weiß empfiehlt, sich einen dicken Wollpulli und einen kuscheligen Schal zu schnappen, raus in die Natur zu gehen und die Herbstluft einzuatmen. "Die ganz Mutigen können auch mal einen Baum umarmen, das kann viel Kraft schenken", sagt die Hollfelderin. Die Verbindung mit der Natur tue gut, um aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und negative Gedanken hinter sich zu lassen.

Weg mit den Stresshormonen

"Beim Yoga geht es nicht darum, eine Übung perfekt zu machen, sondern den Weg nach innen zu finden. Es kann dabei helfen, ein positives Körpergefühl zu entwickeln und sich mit all seinen Ecken und Kanten anzunehmen", weiß die Expertin. Durch die Körperübungen (Asanas) würden außerdem die Stresshormone im Körper abnehmen und die Laune somit automatisch steigen. Yoga könne flexibel an die Bedürfnisse angepasst werden. Umkehrhaltungen stärken zum Beispiel die Selbstliebe und die Akzeptanz. Drehbewegungen, wie der Drehsitz, lösen einen Entspannungsimpuls im Körper aus. Vorbeugen wiederum steht fürs Loslassen und hilft dabei, sich dem Leben hinzugeben.

Außerdem werden die Durchblutung gefördert, die Muskulatur aktiviert und die inneren Organe massiert. Eine bewusste Asana-Praxis fördere zudem die Kraft und das Nervensystem. Für die kalte Jahreszeit empfiehlt die 35-Jährige Online-Yogastunden. So ist es möglich, mit mehreren Yogis zur gleichen Zeit in einer privaten, kuscheligen Atmosphäre zu üben. Die Yogamatte kann so zu einem Ort der Kraft und Ruhe werden. Auch Meditation hilft Katrin Weiß, gelassen und ausgeglichen zu bleiben. Der Herbst sei die beste Zeit, um damit zu beginnen. Meditation sei eine Reinigung des Geistes und solle wie Zähneputzen zur täglichen Praxis gehören. Die Regelmäßigkeit sei dabei wichtiger als die Länge, für den Anfang würden schon fünf Minuten genügen.

Sonnengruß am Morgen

Um besser zur Ruhe kommen zu können, empfiehlt Weiß, vor der Meditation ein paar Asanas zu machen. Ein Sonnengruß am Morgen sei eine gute Möglichkeit, um früh schon einen positiven Impuls für den Tag zu setzen. Dieser ist eine Meditation in Bewegung und wirke aktivierend und energetisierend. Auch Pranayama (Atemübungen) können in die Morgenroutine eingebunden werden. Ähnlich wie bei den Körperübungen gebe es auch hier für jede Situation die passende Technik. Die Atemübung Kapalabhati wirke zum Beispiel aktivierend. "Diese Übung ist der Espresso der Yogis", sagt die Hollfelderin mit einem Schmunzeln.

Allgemein rät die Yogalehrerin, sich im Herbst etwas Gutes zu tun, wie etwa mit einer Massage. Dabei hat der Körper Zeit loszulassen und es wird das Antistress- und Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet. Auch Schokolade wirkt ähnlich, weswegen auch diese Süßigkeit helfen kann, den Herbstblues zu überstehen.