Wunderbare Erinnerungen verbinden noch viele Bamberger mit dem "Luftä", der ersten Bamberger Badeanstalt, in der von 1924 bis 1964 unzählige Bamberger das Schwimmen lernten - und nicht wenige auch der Liebe ihres Lebens zum ersten Mal begegnet sind. Gisbert Reiter hält seit langem die Erinneurung an das Licht-, Luft- und Sonnenbad hoch, er hatte bereits 2007 eine Tafel am Kiosk am Adenauerufer initiiert.
Während der Restaurierungsarbeiten war die Tafel 2017 abgenommen worden, bald soll eine neue am Kiosk "Kunni" angebracht werden. "Es wird demnächst wieder eine Tafel geben", bestätigt Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg. Die Tafel am Kiosk werde verbunden mit weiteren Informationen für Radfahrer, die Stadt arbeite hier mit dem Verein Flussparadies Franken zusammen. Der genaue Zeitpunkt für die Fertigstellung stehe aber noch nicht ganz fest.
Das Licht-, Luft- und Sonnenbad entstand auf Initiative des 1899 gegründeten Vereins für Gesundheitspflege, Spiel- und Sportvereinigung. Auch Ärzte wie Krankenhausdirektor Wilhelm Lobenhoffer wollten den damals häufigen Tuberkulose-Erkrankungen bei Kindern durch körperliche Betätigung an der frischen Luft entgegenwirken. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) hatte ebenfalls zeitweise mit dem Verein einen Vertrag geschlossen, damit auch erholungsbedürftige Kassenpatienten aufgenommen werden konnten.
Das Baden war zunächst nur in der Regnitz möglich, die jedoch im Sommer nicht immer genug Wasser führte. Weil zudem die Geistlichkeit auch wegen des neuen Priesterseminars an der Regnitz den Anblick der Badenden nicht mehr ertragen wollte, entstand 1928 das erste 34 Meter lange und sechs Meter breite Schwimmbecken, keusch durch einen Holzbalken mit Drahtgitter nach Geschlechtern getrennt. Bald hatte der Verein für Gesundheitspflege 400 Mitglieder, die das Bad ebenso eifrig nutzten wie tausende zahlende Tagesgäste, so wurde beispielsweise im Jahre 1947 immerhin 17 000 Personen Einlass gewährt.
"Die Bamberger waren von Früh bis Abend draußen", erinnert sich Reiter. Kinder konnten sich nicht nur im Becken vergnügen, sondern auch im geräumigen Sandkasten oder auf Schaukeln, Jugendliche übten sich im Hanteltraining, Kugelstoßen, Federballspiel oder Fußball. Auf dem weitläufigen Gelände gab es große Liegepritschen aus Holz und hohe, schattenspendende Bäume.


Bad musste dem Kanal weichen

Das Ende des "Luftä" kam in den 1960ern mit dem Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals, für den erhebliche Teile des Vereinsgeländes weichen mussten. Für einen Neuanfang neben der Schleuse erteilte die Stadt Bamberg zwar 1973 noch die Baugenehmigung, doch angesichts rapide steigender Kosten fehlten am Ende die finanziellen Mittel. 1989 löste sich der Verein für Gesundheitspflege auf.
"Über Jahrzehnte konnten viele Bamberger Bürger im Licht-, Luft- und Sonnenbad ihre Freizeit sinnvoll verbringen", resümmiert Gisbert Reiter. "Viele Bürger lernten sich gegenseitig kennen, und nicht wenige trafen hier ihren späteren Ehepartner. Kurzum, das Licht-, Luft- und Sonnenbad war ein sozialer Treffpunkt für Jung und Alt." Dem Verein für Gesundheitspflege sei in Zeiten des Wiederaufbaus nach dem Krieg das Allgemeinwohl wichtiger als persönliches Profitstreben gewesen.
Das "Luftä" lebt in den Köpfen und Herzen vieler älterer Bamberger weiter. Dass es auch für Jüngere ein Begriff bleibt oder wird, will Gisbert Reiter unter anderem mit der Erinnerungstafel erreichen.