In Bamberg hat der Biber im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als bekannt wurde, dass der Nager den schmalen Damm der Stengel-Allee zwischen linkem Regnitzarm und Hollergraben im Haingebiet unterminiert hatte. Dadurch drohte der Damm zu brechen und das Wasser der höher gelegenen Regnitz in einer Flutwelle Richtung Klein-Venedig zu stürzen. Doch konnte der Bruch mit Steinschüttungen und Betonplomben gerade noch verhindert werden.

Und trotzdem: "Der Biber macht 80 Prozent gute Sachen und 20 Prozent Sachen, die den Menschen verärgern", betont Biberbeauftragter Jürgen Vollmer. Der 61-Jährige will das in den Vordergrund stellen, auch wenn er weiß, dass den Leuten vor allem die Nagerschäden auffallen.


Gefahr durch Einbrüche

Vollmer beobachtet die Situation intensiv - nicht nur in der Stadt, wo zwischen fünf und acht Biberfamilien zwischen Erba-Insel im Norden und Sendelbach im Süden leben, sondern auch im Landkreis, wo der Nager laut Vollmer flächendeckend in den Gemeinden - selbst auf dem Jura in Königsfeld - vorkommt und sich vor allem Landwirte mit den geschützten Tieren arrangieren müssen. Die Probleme sind die gleichen wie in der Stadt Bamberg, mit erheblichen Folgen zum Teil für die Landwirte.

Es sind die schlechten Sachen, die Vollmer den Behördenvertretern des Umweltamts der Stadt und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises am Beispiel Amlingstadt - unterhalb der "Almrauschhütte" - zeigt, wo von den Experten mehrere Biber-Familien zu vermutet werden.
Entlang des Zeegenbachs sind mehrere Einbrüche des Erdreichs aufgrund von Biberbauten zu sehen, die laut Vollmer vom Bach aus vor allem in einem zehn Meter Streifen in Richtung Acker reichen. So weit bohre sich ein Nager fast unbemerkt durch das Erdreich, kein Wunder also, dass die Stengel-Allee in Bamberg zu brechen drohte. Doch auch auf dem Land können die Folgen fatal sein: "Wenn der Landwirt mit dem Mähdrescher einbricht, sind schnell Schäden da", sagt Vollmer. Das sei bereits vorgekommen, aber zum Glück glimpflich und ohne Verletzte abgelaufen.


Wasser drückte zurück

Am häufigsten haben jedoch Landwirte mit überschwemmten Äckern und Wiesen zu kämpfen. Bei Amlingstadt fließt der Zeegenbach normalerweise friedlich in seinem Bett entlang. Doch kann das seichte Flüsschen auch ganz anders: Dann, wenn der Biber, der sich dort in dem kleinen Wäldchen neben freier Flur ganz wohl fühlt, kleine Staudämme errichtet hat. Das tun die Tiere nicht aus Boshaftigkeit - denn: Der Biber errichtet seinen Bau nur, wenn er unter Wasser hinein gelangen kann. Ist der Stand zu niedrig, muss er für höheres Wasser sorgen. Doch das kann zu Problemen führen, wie in Amlingstadt. Nach starken Regenfällen drückte das aufgestaute Wasser über den Zufluss des Geisfelder Bachs zurück ins Regenrückhaltebecken. "Der Bach war randvoll", erklärt Hans Schwarzmann, Chef des Bauhofs, der deshalb bei Starkregen täglich draußen ist. Laut Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) musste eine Lösung her. Die Frage war, wo kann das Wasser hingeleitet werden, ohne dass der geschützte Biber beeinträchtigt wird? So wurde ein Rohr eingebaut, das die Durchlässigkeit dauerhaft gewährleisten soll. Wie Vollmer sagt, war die Situation dort so akut, dass nach Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sogar der Biberdamm abgetragen werden musste.


Eine Daueraufgabe

Die pelzigen Tiere bereiten Arbeit, was aber in Strullendorf gut funktioniere, betont Bernhard Struck von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bamberg: "Man muss das betreuen, es ist eine Daueraufgabe." Die Aktivitäten des Bibers seien schließlich für die Natur gut.

Das zeigen Baumfällungen - sofern sie keine Gefahr für den Menschen darstellen: "Totholz ist unheimlich wichtig für andere Tiere wie Specht, Meisen oder Käferarten", sagt Experte Vollmer. Es sind die guten Sachen, die der Biber tut. Deshalb rät Vollmer: Dringend die abgeholzten Bäume liegen zu lassen.