Drinnen im Finanzsenat diskutieren 13 Stadträte über Maßnahmen, um den Haushalt 2021 trotz "der größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg" (OB Andreas Starke, SPD) von der Regierung von Oberfranken genehmigt zu bekommen. Draußen protestieren 20 kostümierte Mitarbeiter des E.T.A.-Hoffmann-Theaters und singen das berühmte Partisanen-Lied "Bella Ciao". Auf einem großen Transparent steht "2,5 Prozent sind 2 von uns". Ein Bezug zur geplanten Kürzung bei budgetierten Einrichtungen, zu denen neben dem Ensemble-Theater die Stadtbücherei, die Museen sowie die Musik- und Volkshochschule gehören.

"Ich sehe in diesen Zeiten und bei diesen Entscheidungen eine Existenzbedrohung - für mich und meinen ganzen Berufsstand", sagt Paul Maximilian Pira, der seit drei Jahren beim Bamberger Ensemble-Theater spielt. "Deshalb muss ich meiner Stimme mit dem Protest Kraft verleihen." Der Lockdown ab nächster Woche sorgt für zusätzliche Unsicherheit.

"Schmerzhaft, aber moderat"

Theater-Intendantin Sibylle Broll-Pape bestätigt, dass sie im Falle der angedachten Kürzung zwei Schauspieler entlassen und auch an weiteren Stellen sparen müsse. Zu der Budget-Kürzung, die rund 80 000 Euro bedeute, kämen die massiven coronabedingten Einnahmeausfälle sowie eine Tarifsteigerung in Höhe von insgesamt etwa 70 000 Euro. Zudem fürchtet sie weitere Kürzungen, da sich der Haushalt wohl auch in den kommenden ein bis zwei Jahren nicht erholen werde. Der Stadtrat solle andere Möglichkeiten oder auch Überbrückungskredite in Betracht ziehen, bis sich die Lage bessert. "Denn 2,5 Prozent klingt nach wenig, aber es ist der Anfang vom Ende."

Als "schmerzhaft, aber moderat" bezeichnet hingegen FDP-Stadtrat Martin Pöhner im Finanzsenat die geplante Kürzung. Er pflichtet seinem Vorredner Heinz Kuntke (SPD) bei: "Ein genehmigungsfähiger Haushalt muss unser oberstes Ziel sein." Denn in gewisser Weise fühlen sich auch einige Stadträte und der OB in ihrer Existenz bedroht: Sollte die Bezirksregierung dem nicht gedeckten Haushalt nämlich nicht zustimmen, könnte diese nach Artikel 69 der Gemeindeordnung die Ausgaben für sogenannte freiwillige Leistungen diktieren. Und dazu gehört auch die Kultur. "Dann werden sich alle, die hier protestieren, umschauen", mahnt Kuntke in Richtung der vier Schauspieler, die ihren Weg von draußen nach drinnen gefunden haben. Allerdings ist auch im Falle einer bezirksbestimmten Haushaltsführung nicht hundertprozentig sicher, ob dann alle Leistungen für Kultur gestrichen werden.

Wünschen wird sich diesen Notfall aber wahrscheinlich niemand. Oberbürgermeister Starke betont, dass die gefassten Beschlüsse nicht in Stein gemeißelt und lediglich Grundlage für die Gespräche mit der Bezirksregierung am 5. November seien. In denen würde auch die Möglichkeit von Krediten besprochen. Es gehe jetzt darum, "Sparwillen zu demonstrieren - auch im Interesse der Kultur, des Sportes und der Jugendarbeit". Wie dann gekürzt werde, hänge von diesen Gesprächen ab. Deshalb sei der Konsolidierungsbeschluss bewusst "schwammig" formuliert worden.

2,5 Prozent ist jedoch eine deutliche Zahl. Anders bei den Personalkosten - dem mit Abstand teuersten Posten im Verwaltungshaushalt (siehe unten). Hier wünscht sich Ursula Redler (Bamberger Allianz) mehr konkrete Maßnahmen, vor allem bei "hochdotierten Stellen und Zulagen im teils vierstelligen Bereich" - die außerdem mit keinerlei Arbeitsnachweis verbunden seien. Hier sei deutlich mehr einzusparen, als etwa bei der ohnehin gebeutelten Kultur, sagt sie. Und erntet dafür Beifall der anwesenden Schauspieler. Der Oberbürgermeister meint dazu, die Räte seien sich in den Vorbesprechungen doch einig gewesen. Und Redler spiele hier nur Theater. Ob man sich wirklich einig war? Darüber sind sich die Räte uneinig.

In jedem Fall bleibt abzuwarten, welche Rolle die Bezirksregierung in diesem Drama spielen wird. Und wie es mit der Kultur und dem "echten" Bamberger Stadttheater weitergeht.

Zusatzinfo: Hier soll gespart werden

Personal Der mit rund 80 Millionen Euro teuerste Posten. Einige Fraktionen kritisieren, dass man hier viel früher hätte ansetzen sollen. Es wird angedacht, frei werdende Planstellen nicht erneut zu besetzen. Sachkosten 25 Prozent sollen hier gespart werden, etwa bei Dienstfahrzeugen und dem Rathaus-Journal. Budgetierte Einrichtungen Dazu gehören E.T.A.-Hoffmann-Theater, Stadtbücherei, Musik- und Volkshochschule. Die Zuschüsse sollen um 2,5 Prozent gekürzt werden. Freiwillige Leistungen Hierunter fallen Kultur, Sport und Soziales. Konkrete Sparziele werden in den Fachsenaten verhandelt. Die Schließung einer Außenstelle der Stadtbücherei wurde auf Druck der Zivilgesellschaft aus der Streichliste genommen. Prüfung der Einnahmen Unter anderem könnte die Grundsteuer um ein Viertel auf 535 Prozent erhöht werden. Kritiker fürchten, dass dann die Mieten steigen. Eine Zweitwohnsitz-Steuer wird angeregt. Auch Park- und andere Gebühren sollen steigen. Hinweis Diese Sparansätze dienen als Grundlage für ein Gespräch mit der Regierung von Oberfranken, die den Haushalt genehmigen muss. Tut sie dies nicht, kann sie ihn diktieren. Der konkrete Haushalt wird erst Anfang Dezember festgelegt.