Sie war der Anlaufpunkt für Nachtschwärmer: Die "schwarze Katz" in der Lugbank, direkt in Bambergs Altstadt. Wer zu früh auftauchte, der konnte schon mal vor verschlossenen Türen stehen. Ehemals eine Oben-Ohne-Bar, hatte sich die nachfolgende Weinstube zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, wo sich die Gäste einen oder mehrere Absacker gönnten.

"Für Kenner von Absturzkneipen genau das Richtige", lautet beispielsweise der Beitrag eines Nutzers auf der Internetseite "Yelp", einem Empfehlungsportal für Restaurants und Geschäfte. Ein anderer Besucher schreibt, dass die "schwarze Katz" trotz ihres Rufes "sehr gemütlich" sein könne - "man kann gute Weine trinken".
Konnte, denn seit einigen Jahren hat die Weinstube in der Bamberger Innenstadt geschlossen. Im Jahr 2013 starb Gisela Schenk, die von vielen als "legendär" bezeichnete Wirtin der "Katz". Ebenso legendär die Getränke, etwa die "kalte Ente". "Keine Ahnung was das ist, die Wirtin behauptet, es wären Vitamine drin. Ich glaube, hier muss man gewesen sein", schrieb noch 2012 ein Nutzer auf "Yelp".

Die "kalte Ente" war eine Bowle-Mischung und ein Klassiker in der "Katz". Wer es wagte, in der Weinstube ein Bier zu bestellen, musste mit geringschätzigen Blicken der Wirtin rechnen.Über solche und andere Geschichten schwadronieren Bamberger auch im Internet. Immer wieder fragen Facebooknutzer in diversen Bamberg-Gruppen, was denn eigentlich mit der "Katz" sei. Ein Beitrag in jüngster Vergangenheit sorgte für freudige Reaktionen: Der Verfasser schrieb: "Oha! In der ehemaligen Weinstube ,Schwarze Katz‘ tut sich was...".

Sofortiges Schwelgen in Erinnerungen. Da berichtet eine Nutzerin von ihrer ersten durchzechten Nacht in der "Katz" mit dem großen Rotweinglas "Don Pedro" - und wird prompt von ihrem Sohnemann, ebenfalls bei Facebook, über die Kommentarspalte drauf angesprochen. Zwischendrin Beiträge und Nachfragen, was sich denn nun genau tue. Der Urheber des Beitrags antwortet: "Es sah ein bisschen nach Renovierungsarbeiten aus."
Renovierungsarbeiten, um die Gaststätte wiederzubeleben? Nachfrage bei Florian Müller, dem Vorsitzenden des Bamberger Hotel- und Gaststättenverbandes. Ihm ist davon nichts bekannt.


Nutzungsänderung zu Wohnraum

Wer könnte noch etwas wissen? Möglicherweise die Verwaltung der Stadt Bamberg. Auf den Anruf in der Pressestelle kommt von Sprecher Steffen Schützwohl folgende Antwort: "Bei dem Anwesen in der Lugbank 7 handelt es sich nicht um ein städtisches, sondern privates Gebäude. Es wird momentan zu Wohnzwecken saniert."
Vor Ort ist der Bautafel und dem Informationsblatt des zuständigen Architekturbüros am Fenster Folgendes zu entnehmen: Das Gebäude in der Lugbank wird generalsaniert - in Verbindung mit einer Nutzungsänderung "von Café zu Wohnung". Geplant sind drei Wohneinheiten inklusive "einer dreigeschossigen Balkonanlage im Hinterhof".

Nun ist es also amtlich: Die "Katz" wird dort nicht wieder eröffnet.
Abzuwarten bleibt, ob auch der Schriftzug "Weinstube schwarze Katz" an der Außenfassade des Hauses verschwinden wird, der noch auf die gastronomische Vergangenheit aufmerksam macht. Wer die "Katz" noch kannte, wird wohl weiterhin von den alten Geschichten erzählen. Und dann gibt es ja noch die "Endlich Kerwa Band" aus Bamberg.

Die Musiker haben der kultigen Weinbar und ihrer Wirtin eigens ein Lied gewidmet, dessen Refrain auf Festen im Sommer stets viele Mitsingende findet - und den Nachnamen der Wirtin integriert: "Oh Gisela Schenk, schenk mir noch eine Ente ein."