Es sei nicht sein Wunschstandort, aber der einzige, der in Frage komme. Das sagt Emil Hartmann, der Leiter des Don Bosco-Jugendwerks zur Entscheidung des Salesianer-Ordens, seine Bartolomeo-Garelli-Schule auf dem eigenen Grundstück im Teufelsgraben neu zu bauen: "Nach einem Suchmarathon von mehr als zehn Jahren sind wir hier gelandet."

Dass sich der Plan verwirklichen lässt, erscheint zunehmend fraglich: In Nachbarschaft und Politik formiert sich Widerstand. Die Argumente der Kritiker reichen von der Sorge, dass noch mehr Verkehr ins Berggebiet gezogen wird, bis zu Bedenken der Anlieger wegen der speziellen Klientel dieser Förderschule: Sie kümmert sich um stark verhaltensgestörte Jugendliche.

Politik zu Lasten Jugendlicher?

Hartmann glaubt zwar gute Argumente zu haben. Dennoch treibt ihn inzwischen die Sorge um, der Wahlkampf könnte die Diskussion noch befeuern und am Ende werde womöglich "Politik auf dem Rücken von zum Teil erheblich benachteiligten jungen Menschen gemacht".

Vor Monaten stellte er das Projekt allen Fraktionen vor und bat um Unterstützung. Er legte den Kommunalpolitikern auch die Jahre lange erfolglose Suche nach alternativen Standorten dar. Erst als sich alle anderen Überlegungen zerschlugen, etwa für einen Neubau an der Pfeuferstraße oder die Pestalozzischule, beschloss der Schulträger, im früheren Wirtschaftsgarten des Josefsheims zu bauen.

Doch nicht nur Hartmann als Gesamtverantwortlicher des Don-Bosco-Jugendwerks wandte sich an die Stadträte. Auch Vereine wie "Bewahrt die Bergstadt" und Anlieger der Gartenstraße, an die das Josefsheim-Gelände im Süden grenzt, haben die Politik eingeschaltet und erwarten Gehör - allerdings unter umgekehrten Vorzeichen.

Als "höchst problematisch" bezeichnet denn auch Schulreferent Bürgermeister Werner Hipelius die Umsetzung der Jugendwerks-Pläne aus heutiger Sicht. Dabei signalisierte die Stadt der Deutschen Provinz der Salesianer noch im Juli 2013 Aussicht auf Zustimmung.

Im Vertrauen darauf ließ der Orden die Pläne ausarbeiten, die er baldmöglichst verwirklichen möchte: ein zweigeschossiges, zum Teil im Boden versenktes Gebäude mit innen liegendem Spielhof.
Weder die Aussicht der Gartenstraßen-Anwohner werde nennenswert beeinträchtigt noch der Blick vom Teufelsgraben auf die Domtürme, versichert Hartmann am Beispiel einer Fotomontage der Architekten.

Der neue städtische Baureferent Thomas Beese steht dem Vorhaben weit skeptischer gegenüber als sein Vorgänger Michael Ilk; er spricht vorsichtig von einer "Problem behafteten Lage". Vor einer Entscheidung über den Antrag auf Baugenehmigung solle erst ein "runder Tisch" aller Beteiligter mit dem Oberbürgermeister stattfinden.

Schon am 6. Februar wollen die Stadtheimatpfleger und die im Denkmalschutz engagierten Vereine das Thema öffentlich ansprechen: bei einer gemeinsamen Wahlprüfsteine-Veranstaltung mit Parteienvertretern um 19 Uhr in den Haas-Sälen. Die Veranstalter lehnen das Projekt aus städtebaulicher, denkmalpflegerischer und verkehrsplanerischer Sicht ab.

Das Argument zusätzlichen Straßenverkehrs glaubt Hartmann entkräften zu können: "Wir sprechen von rund zehn Autos, die künftig mehr fahren werden, nämlich die der Lehrer, die im Umland wohnen." Die Schüler kämen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie würden nur in Ausnahmefällen von Eltern gebracht oder geholt.

Der Neubau soll Platz für knapp 100 Schüler von der 1. bis 9. Klasse und zwei Gruppen einer schulvorbereitenden Einrichtung bieten, außerdem eine Turnhalle und Fachräume. All das fehlt laut Hartmann am jetzigen Standort.

Wegen der unzulänglichen Strukturen sei die Einrichtung mit knapp 50 Schülern ausgelastet. Auch viel mehr Möglichkeiten für die Erlebnispädagogik, für deren erfolgreichen Einsatz die Salesianer in Bamberg bekannt sind, wäre im Teufelsgraben vorhanden.

Der Bedarf für eine Förderschule "für emotionale und soziale Entwicklung" ist laut Barbara Pflaum, fachliche Leiterin der staatlichen Schulämter Stadt und Landkreis Bamberg, größer als das gegenwärtige Platzangebot: "In den letzten Jahren konnten Kinder trotz des Förderbedarfs aus Platzmangel nicht aufgenommen werden." Sie hält die Einrichtung für unverzichtbar.

Ähnliches ist von der Regierung von Oberfranken zu hören. 1996/1997 genehmigte sie den Betrieb der privaten Förderschule, weil es keine öffentliche mit dem selben Schwerpunkt gab und gibt. Den Neubauplänen steht man in Bayreuth aufgeschlossen gegenüber. Der Fortbestand der Schule ist davon laut Regierungs-Sprecherin Corinna Boerner jedoch nicht abhängig.

Lösung auf Kasernengelände?

Hartmann hat andere Informationen aus Bayreuth. Er verweist auf ein Schreiben der Regierung von 2009, wonach das Canisiusheim "übergangsweise für weitere zwei bis drei Schuljahre" genutzt werden kann, ". . . bis es eine endgültige Raum- und Schulhauslösung . . . gibt".

Der Umkehrschluss liegt für ihn auf der Hand: Wenn die Baupläne scheitern "und ich nicht wenigstens nachweisen kann, dass sich das Provisorium zeitnah auflöst", befürchtet er den Entzug der Betriebserlaubnis und das Aus für die Schule.

Hipelius sieht nicht so schwarz, sondern sogar neue Chancen durch die jüngsten Entwicklungen auf dem Kasernengelände. Dort werden noch heuer zwei Schulhäuser frei. Eines ist der Montessorischule zugedacht, die ebenfalls seit Jahren unter Raumnot leidet. Das andere möchte er gern auf seine Eignung für die E-Schule prüfen lassen.

Eine zweite "denkbare Lösung" sind für den Schulreferenten die Räume des ehemaligen Franziskaner-Klosters am Jakobsberg, also ganz in der Nähe des Josefsheims. Sie werden frei, sobald die Montessori-Schule nach Bamberg-Ost zieht.

Bereits leer steht die Pestalozzischule. Sie war ein Favorit des Jugendwerks, das jedoch "leider nicht zum Zug kam" (Hartmann). Zwar macht sich jetzt Stadträtin Daniela Reinfelder mit einem Antrag an den Oberbürgermeister stark für diese scheinbar nahe liegende Lösung - der Schulreferent winkt aber ab: Man brauche das Gebäude auf Jahre hinaus als Ausweichstandort, wenn andere Schulhäuser saniert werden.

Hartmann zeigt sich offen für neue Vorschläge, wenn sie zeitnah umgesetzt werden können. Er bringt aber auch die Schließung der Schule ins Gespräch: "Wir machen ein Angebot. Wenn die öffentliche Hand sagt, wir brauchen das nicht, ziehen wir uns zurück."