Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, Stromausfälle: Die letzte Nacht war schadensträchtig. Ein ausgewachsener Herbststurm hat in Bayern einen Millionenschaden angerichtet. Die teils orkanartigen Böen - Ausläufer von Hurrikan "Gonzalo" - fegten in der Nacht zum Mittwoch über den Freistaat hinweg und bescherten den Feuerwehren im ganzen Land Hunderte von Einsätzen. Hier die Bilanz der vergangenen Nacht aus fränkischer Sicht.

Der Sturm war am Dienstag kurz nach 21.00 Uhr mit Donner und Blitz losgebrochen. Es begann heftig zu regnen und wurde binnen wenigen Minuten gefühlte zehn Grad kälter. Innerhalb kurzer Zeit verwandelten sich viele Straßen in gefährliche Rutschbahnen, weil der Wind die welken Blätter von den Ästen blies. Viele Bäume stürzten um und blockierten Farbahnen sowie Gleise. Durch eine einzige entwurzelte Eiche wurden in Regensburg sieben geparkte Autos beschädigt. Zeitweise fiel in manchen Gegenden der Strom aus.

In Erlangen flogen Teile eines 500 Quadratmeter großen Daches auf einen Parkplatz und beschädigten 16 Autos. "Der Schaden wird auf annähernd 200.000 Euro geschätzt", sagte eine Polizeisprecherin. Gefährlich war es zudem auf der A73 nahe Baiersdorf: Dort drehte sich ein neben der Fahrbahn stehender Baukran in den Wind. Das angehängte Stahlseil schleifte über die Autobahn und beschädigte acht Autos.

Zeltunterkünfte für Flüchtlinge evakuiert
Sowohl in Erlangen als auch in Nürnberg wurden vorsorglich Zeltunterkünfte für Flüchtlinge evakuiert. In Erlangen kamen nach Angaben des Arbeiter-Samariter-Bundes rund 40 Menschen vorübergehend in einer Turnhalle unter. Auch in Nürnberg wurden Flüchtlinge in andere Unterkünfte gebracht, nachdem der Sturm einige Bodenhaken gelockert und eine Plane weggerissen hatte. In Unterfranken mussten umgestürzte Bäume, zerlegte Bauzäune und abgedeckte Garagendächer von Straßen und Wegen geräumt werden.

Der stürmische Wind brachte neben kalter Luft auch Schnee nach Bayern - zumindest in höheren Lagen. Auf Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, fielen bis Mittwochfrüh 15 Zentimeter Schnee. Auf dem Großen Arber im Bayerischen Wald war es 1 Zentimeter. Aber auch in höhergelegenen Gemeinden wie Oberstdorf und Mittenwald schneite es leicht. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor glatten Straßen. Oberhalb 1000 Meter können nach der Vorhersage bis Freitag an die 80 Zentimeter Schnee fallen. Die Niederschläge lassen nach der Vorhersage aber nach und es wird wieder wärmer. Am Wochenende ist bei Tageswerten bis 14 Grad auch Sonnenschein angesagt.

Der Wetterumschwung ist indes nach Expertenmeinung nicht untypisch. "Was wir jetzt erleben, ist eigentlich eine Rückkehr zur Normalität in dieser Jahreszeit", sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach der Nachrichtenagentur dpa. Untypisch sei vielmehr das Wetter der vergangenen Wochen gewesen. Am Sonntag waren in München noch sommerliche 24,3 Grad gemessen worden.

Warnung vor Unwettern
Auch im Laufe des Mittwoch kann es in Teilen Frankens wieder zu stärkeren Sturmböen kommen. Auf der Seite der Unwetterzentrale werden die Meldungen laufend aktualisiert. Hier geht´s zur Übersicht. Unwetterwarnungen gibt es laut Deutschem Wetterdienst allerdings nur für das südliche Bayern.

Der Deutsche Wetterdienst rechnet mit ergiebigem, heftigen Regen. Die Schneefallgrenze sinkt auf 800 Meter. In höheren Lagen warnen die Wetterexperten vor Glätte. Denn es bleibt auch weiter kalt. Maximal 7 Grad werden es am Mittwoch.

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