Die Idee ist, sagt Alexander Ochs-Barwinek, Paten zu suchen - einen oder eine Gruppe von Kunstfreunden für jede der acht Skulpturen, die die Installation von Wang Shugang am Schönleinsplatz bilden. Wie viel Geld zusammen kommen müsste, damit das populärste Exponat aus der morgen zu Ende gehenden Ausstellung "Circles/Kreise" angekauft werden kann, steht noch nicht fest. Ein Gespräch, das Ochs als Kurator der Schau nächste Woche im Rathaus hat, könnte erste Ergebnisse bringen.

Kunst "zum Anfassen"
Hört man sich am Schönleinsplatz um, ob die roten Männer überhaupt für immer in der Welt erbestadt willkommen wären, ist der Tenor ziemlich eindeutig.

Wenn keine Steuergelder dafür verwendet werden, sehr gern, sagt zum Beispiel Manfred Rauh, der ganz in der Nähe wohnt.
Anfangs konnte er mit dem Kunstwerk wenig anfangen, hielt es für "völligen Quatsch". Heute, zehn Wochen später, begeistert ihn vor allem die Begeisterung der Menschen für die acht Skulpturen.

Das enorme Publikumsinteresse lässt sich auch am Rasen ablesen: Kein Grashalm wächst mehr im Umgriff des Kunstwerks. Der Rasen ist bis auf die blanke Erde abgetreten.

Den Wahl-Bamberger Francesco Rubiu, Pächter des Cafés Rondo am Schönleinsplatz, wundert das enorme Echo nicht. Er findet, das sei das erste Kunstwerk an dieser Stelle, "mit dem jeder etwas anfangen kann".

Man müsse seinen tieferen Sinn gar nicht verstehen, um es zu mögen. Das sei Kunst zum Anfassen und nicht nur zum Aufschauen wie vorher die Plensa-Skulptur auf einer sechs Meter hohen Stele. Oder wie das angestammte Reiterdenkmal für Prinzregent Luitpold, das auf einem Sockel steht. Rubiu würde es begrüßen, wenn Wang Shugangs Arbeit auf Dauer in Bamberg bliebe. Er wäre, sagt er, sogar bereit, dafür etwas auf ein Spendenkonto einzuzahlen.

"Lustige Bilder"
"Ich habe mich gefreut, dass sie noch da sind", sagte uns Andreas Puschke aus Röthenbach/Pegnitz, als er am Freitag mit Kinderwagen am Schönleinsplatz vorbei ging. Bei seinem letzten Besuch hätten sie schon "lustige Bilder" gemacht.

Fotos machte am Freitag auch Francisca Correa, um sie nach Hause zu schicken, nach Costa Rica. "Something different" - frei übersetzt: 'mal was anderes - urteilt sie über die moderne Kunst am Schönleinsplatz. Und sagte, dass sie ihr an dieser Stelle sehr gut gefalle.

Ob es in Bamberg genug Kunstfreunde geben wird, die bereit sind, für Wang Shugangs Arbeit das Portemonnaie zu öffnen, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Ochs-Barwinek stellt den acht Paten(gemeinschaften), auf deren Mithilfe er bei der Sponsorensuche setzt, je eine vom Künstler signierte Figur in Aussicht, wie sie jetzt am Schönleinsplatz stehen.

Ausführung in Bronze unterwegs nach Deutschland
Denn so viel ist sicher: Wenn, dann bleibt jene Ausführung in Bronze in Bamberg, die bereits auf dem Weg von China nach Franken ist. Ochs hat sie beim Bildhauer in Auftrag gegeben, nachdem schon zwei Mal eine der relativ leichten Fiberglas-Figuren gestohlen wurde. Glücklicherweise sind sie jeweils schnell wieder aufgetaucht, wenn auch in einem Fall stark beschädigt.

Die roten Männer befinden sich - wie weitere Exponate - im Eigentum von Ochs. Sollte es zum Verkauf kommen, will der gebürtige Bamberger, der Kunstgalerien in Berlin und Peking unterhält, mit 50.000 Euro aus dem Erlös eine weitere Ausstellung "mit einem relevanten Künstler der Moderne" in seiner Heimatstadt ausrichten.

Ganz offensichtlich hat der Mann, den es Ende der 1980er Jahre aus der Provinz in die Welt zog, Lust daran bekommen, die Diskussion um zeitgenössische Kunst im Welterbe weiter zu befeuern: "Ich glaube, dass wir in Bamberg eine systematische Thematisierung des 20. Jahrhunderts brauchen können. Da gibt es eine große Lücke von den alten Künstler in die Heutzeit."