Bamberg
Nahverkehr

Was taugt der Notfahrplan für Busse in Bamberg?

Durch die Corona-Beschränkungen brechen den Stadtwerken im öffentlichen Personennahverkehr in Bamberg die Kunden weg. Die Folge sind ausgedünnte Linien. Auch die Fahrgäste müssen derzeit improvisieren.
Derzeit gilt  nur ein eingeschränkter Notfahrplan bei den Stadtbussen. Die Stadtwerke kündigen aber an, dass ab 27. April ein  neuer Fahrplan mit mehr Fahrten gelten soll. Informationen im Einzelnen  gibt es auf dieser Seite: www.stadtwerke-bamberg.de/corona. Ronald Rinklef
Derzeit gilt nur ein eingeschränkter Notfahrplan bei den Stadtbussen. Die Stadtwerke kündigen aber an, dass ab 27. April ein neuer Fahrplan mit mehr Fahrten gelten soll. Informationen im Einzelnen gibt es auf dieser Seite: www.stadtwerke-bamberg.de/corona. Ronald Rinklef

Mit dem Bus zur Arbeit zu fahren ist derzeit für eine alleinerziehende Mutter aus der Gartenstadt keine Option: Sie ist eigentlich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, denn sie hat kein Auto - leider, wie sie sagt. Derzeit würde sie sich nichts mehr als einen eigenen fahrbaren Untersatz wünschen.

Denn in der Corona-Zeit ist der Fahrplan der Stadtbusse so stark eingeschränkt, dass die junge Frau entweder viel zu früh, rund eine Stunde vor Schichtbeginn, oder viel zu spät zur Arbeit käme. "Jetzt muss ich mich von meinem Vater zur Arbeit fahren lassen", schildert sie die Situation. Oder: Sie fährt mit einer Kollegin mit.

Anders geht es seit der Fahrplanumstellung Ende März nicht. Die Frau, die in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, findet, dass "zwischen 5 und 8 Uhr die Busse jede volle und halbe Stunde fahren müssten". Mit dem Problem sieht sie sich nicht allein. Andere Kollegen seien davon auch betroffen.

Kritik vom Verkehrsclub

Gerd Weibelzahl vom Verkehrsclub VCD Bayern kennt die Problematik der Notfahrpläne: "Viele Fahrgäste sind auf den ÖPNV angewiesen. Sie müssen auch jetzt mit Bussen und Bahnen in die Arbeit und zum Einkaufen fahren. Fahrpläne dürfen nicht so weit ausgedünnt werden, dass das nur unter erheblichen Schwierigkeiten möglich ist." Wichtig sei es, auf eine zu hohe Auslastung zum Beispiel im Berufsverkehr sehr schnell mit einem dichteren Fahrtenangebot zu reagieren. Bamberg und Coburg würden derzeit nur noch den Sonntagsfahrplan anbieten - das sei kein akzeptables Angebot mehr, heißt es vom VCD-Landesverband. Lob gibt es dagegen für Großstädte wie München, wo weitgehend der übliche Fahrplan gelte, oder Nürnberg und Würzburg, wo man gut mit dem Samstagsfahrplan auch unter der Woche zurecht komme.

Ergänzter Sonntagsfahrplan

In der Tat haben die Stadtwerke den Fahrplan in Bamberg notgedrungen umgestellt: Durch den eingestellten Schulbetrieb und den Beschränkungen des öffentlichen Lebens sind laut Sprecher Jan Giersberg die Fahrgastzahlen von 30.000 Personen am Tag um 90 Prozent zurückgegangen, massive Einbrüche bei Verkaufserlösen seien die Folge gewesen, geschätzt knapp eine Millionen Euro fehlten an Umsatzerlösen. Was kompensiert werden müsse.

"Im Ergebnis macht es keinen Sinn, mit leeren Bussen durch die Gegend zu fahren", erklärt Giersberg. Man habe so schrittweise das Angebot der Nachfrage anpassen müssen, was immer auf Grundlage eines bestehenden Fahrplans geschehe. Eine völlig neue Planung unter Berücksichtigung von Umlaufzeiten oder Ruhepausen der Fahrer, dauere ansonsten mehrere Wochen, wenn nicht Monate, sagt der Sprecher. So sei als Basis der Sonntagsfahrplan herangezogen worden, dieser sei durch viele Ergänzungen verbessert worden, mit Bussen und mit Anruf-Linien-Taxis.

Man habe auch mit Anruf-Linien-Taxis reagiert, wenn festgestellt worden sei, dass jemand nicht von A nach B komme. So sei etwa erst in den vergangenen Tagen die Linie 922 Richtung Gutenbergstraße durch ein solches Angebot aufgestockt oder bei Umstellungen in Betrieben reagiert worden. Auf Linien mit Stoßzeiten, in denen es in den Fahrzeugen massiv voller würde, werden grundsätzlich große Busse eingesetzt. So könne der Abstand von 1,50 Meter in Bussen, aber auch Abstand in Taxis eingehalten werden.

Neuer Fahrplan

Wenn ab kommenden Montag wieder Schüler die Abschlussklassen der weiterführenden und beruflichen Schulen besuchen und kleinere Geschäfte in der Innenstadt öffnen, soll auch der Fahrplan aufgestockt werden: "Wir werden dann auf einen neuen Notfahrplan setzen", sagt Giersberg. Dabei soll es sich um einen ergänzten Samstagsfahrplan mit mehr Fahrten im Laufe der Woche handeln. Details sollen noch folgen, auch dazu, ab wann Tickets wieder in den Bussen gekauft werden können. Derzeit ist dies nur in der VGN-App, am Automaten oder an Verkaufsstellen möglich. "Wir hoffen, dass wir Anfang Mai in den normalen Fahrplan übergehen können."

Die alleinerziehende Mutter aus der Gartenstadt kann sich Hoffnungen machen. Denn wie es aussieht, wird dann auch ein Anruf-Linien-Taxi so von dem Stadtteil zum Zentralen Omnibusbahnhof fahren, dass sie passend zum Schichtbeginn zur Arbeit kommt.

Facebook-Kommentare zum Thema:

Silvia O.: "An die Arbeiter wurde nicht gedacht. Man hätte wenigstens früh die Busse nach dem Fahrplan von Montag bis Freitag fahren lassen können. Ich kann wegen dem Fahrplan erst eine Stunde später anfangen, bin eine Stunde unterwegs wegen der großen Anschlusszeiten am ZOB."

J.P.: "Ich brauche früh mit meinen beiden Kleinkindern von Gaustadt in die Gartenstadt und von da zum Klinikum insgesamt knapp drei Stunden einfach! Das ist eine Zumutung. Da nützt mit der Extrabus vom ZOB zum Klinikum auch nix. Ich kann froh sein, dass die SSB das mitmacht und ich viel später erst auf Station bin!"

Alexandra D.: "Das stimmt, der Sonntagsfahrplan ist eine Abenteuerreise... Erst von Trosdorf, dann weiter nach Stegaurach. Abstand halten ist zudem manchmal wirklich schwierig."

Elke T.: "Von Stegaurach aus fährt auch erst Mittag der erste Bus, nur Anruf-Linientaxi. Wer es täglich braucht, muss auch täglich anrufen. Busse, wie 907, die nur noch stündlich fahren, sind voll, weil auch nur der kleinste Bus fährt. Finde ich sehr unüberlegt. Linie 915 fährt nicht mehr. Wer sich das ausgedacht hat..."

Laura B.: "Ich selbst fahre keinen Bus, aber ich seh es an Arbeitskollegen, dass sie ziemliche Probleme haben, früh pünktlich zur Arbeit zu kommen."

Petra A.: "Das Problem beim Sonntagsfahrplan ist, dass auf einigen Buslinien der Fahrbeginn zu spät ist und andere wieder komplett ausfallen, was zu großen Umwegen und damit längeren Aufenthalten in den Bussen führt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Sinne der Prävention ist."

Luisa H.: "Mein Bruder muss früh mit dem Bus eigentlich zur Arbeit. Er muss nur nach Hallstadt in den Hafen, aber die Busse fahren so blöd, dass er 30 Minuten zu spät ankommen würde. Selbst mit dem Samstagsfahrplan funktioniert es nicht. Er fährt nun mit dem Fahrrad. Es ist wirklich eine weite Strecke und dies früh um 6 Uhr. Und dann nach 9 Stunden körperlicher Arbeit muss er um 16 Uhr wieder nach Hause fahren."