Eingehüllt in Stahl, Vernetzung und Folie, thront das ehemalige Benediktinerkloster St. Michael über Bamberg. Ein massives Baugerüst mit Aufzug umschließt das Wahrzeichen der Stadt Bamberg mittlerweile fast vollständig.
Infolge der Sanierungsarbeiten am Gebäude wurde nun die Bedachung samt der etwa fünf Meter hohen Turmkronen abgenommen.
Zwei vergoldete Kugeln mit Kreuz und Blitzableiter, die zusammen mit dem Großteil St. Michaels im Rahmen des Bundesprojekts "Nationale Projekte des Städtebaus- Investitionsprogramm (ZIP) restauriert und mit einer neuen, stabilen Halterung versehen werden sollen.
Anschließend werden sie wieder in 65 Metern Höhe auf die Spitzen der Türme gesetzt.

Mit Spannung erwartet wurde, ob und was sich im Inneren der glänzenden Zierden versteckt hat. Und tatsächlich, nachdem die Turmspitze der Kirche St. Getreu keine Schätze aus der Vergangenheit beherbergt hatte, wurden die Erwartungen diesmal nicht enttäuscht.
Zwar fand das Team um Sachbearbeiter und Statiker Stefan Stenglein nicht den von Bertram Felix, Stiftungsreferent der Stadt Bamberg, erhofften Goldbarren, dafür ruhten im Inneren der Kugeln zwei verschlossene Zylinder.



Kruzifixe und Schriften vergangener Tage

Zeitkapseln aus dem Jahr 1987, in dem die Schmuckstücke der Türme das letzte Mal für eine Restaurierung von ihrem Podest geholt wurden.
Altertümliche Relikte und antike Schätze fanden sich zwar auch hier auf den ersten Blick nicht, dafür jedoch zahlreiche Inhalte, die den 05. September 1987 miterleben konnten, bevor sie in ihren röhrenförmigen Kokon gesteckt wurden, der sie für die nächsten 30 Jahre beherbergen würde.

Neben zwei gut erhaltenen Ausgaben des "Fränkischen Tag" und einem vollständigen Satz D-Mark- Münzen befanden sich im inneren der Kupferbehältnisse zwei Auflistungen aller an der damaligen Sanierung beteiligten Unternehmen und Handwerksbetriebe, eine maschinell verfasst von 1986, die andere auf pergamentfarbigem Papier handgeschrieben aus dem Jahr 1987.
Außerdem wurde eine Dose mit einer Sammlung kleiner Kruzifixe entdeckt, deren Alter und genauere Bestimmung erst noch im Labor untersucht werden muss, genau wie bei dem letzten Gegenstand aus den Kapseln, einer in Plastik gewickelte Leinwand oder Schriftrolle.
Weitere Objekte, die durch die Arbeiten am ehemaligen Kloster zu Tage gefördert wurden, sind beispielsweise verschiedene Tonscherben, ein rostiger Eisenhaken, ein alter verwitterter Schuh und Stücke gegerbten Leders.


Neue Kapsel soll über uns berichten

Im Frühjahr 2018 soll die Überarbeitung der Turmhelme abgeschlossen und die goldenen Kugeln, die in mühevoller Handarbeit an Seilen herabgelassen wurden, wieder an ihrem Platz sein. Nicht jedoch, ohne vorher mit neuen Zeitkapseln ausgestattet worden zu sein, die neben den alten Inhalten natürlich auch mit neuem gefüllt werden sollen. Neben einer dann aktuellen Tageszeitung und einem Satz Münzen aus dem Jahr 2018, sollen auch eine kurze Geschichte des Baus, Infos über das politische Tagesgeschehen sowie beispielsweise die 1000-Jahre-St.-Michaels-Münze für künftige Generationen hoch oben über Bamberg und dem Michelsberg verwahrt werden.