Wie baut man in vier Wochen eine funktionierende Gemeindeverwaltung auf? "Es ist nicht zu machen. Wir werden es aber trotzdem", sagt Andreas Geck, bisher Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Stegaurach, ab 1. Januar Geschäftsleiter der neuen (Selbst-) Verwaltung von Walsdorf.

Vor fünfeinhalb Jahren hat Walsdorf nach einem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss die Auflösung der VG Stegaurach - von der der Ort seit 1978 verwaltet wurde - beantragt. Es dauert dann bis zum 31. Juli dieses Jahres, bis die bayerische Staatsregierung einen entsprechenden Gesetzentwurf formulierte. Und erst am 4. Dezember stimmte dem der Landtag zu. Seitdem ist klar: Walsdorf wird sich ab dem 1. Januar 2013 selbst verwalten.
Das heißt, es braucht ein neues Rathaus, Personal für die verschiedenen Aufgabenbereiche, eine dafür geeignete Computer- und Softwareausstattung und auch noch solche "Nebensächlichkeiten", wie etwa Büromaterial und -möbel.

Letztere wurden gestern im ehemaligen Verwaltungstrakt der Walsdorfer Schule, der zum neuen Rathaus wird, aufgebaut. Natürlich war man auf die Landtagsentscheidung in der vergangenen Woche nicht ganz unvorbereitet, sagt Geck. Spätestens seit der Gesetzentwurf - in dem sich das Kabinett über die Bedenken des VG-Partners Stegaurach, des Landratsamtes und der Regierung von Oberfranken gegen eine Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft hinwegsetzte - begannen die Vorbereitungen. Nur so ist es möglich, das Unmögliche zu schaffen.
Es sei ein gewisses Restrisiko dabei gewesen, meint Geck. Aber schließlich habe man schon wegen der Lieferzeiten alles Notwendige bestellen müssen, bevor der Landtagsbeschluss es amtlich machte.


Mit vier Vollzeitstellen wird gestartet


Auch die Frage der Mitarbeiter musste rechtzeitig geklärt werden. Im Oktober gab es dazu Personalversammlungen in Stegaurach. Schließlich werden vorerst keine neuen Stellen geschaffen, sondern die vorhandenen in der bisherigen VG-Verwaltung entsprechend der Größe der beiden Orte auf diese aufgeteilt. "Die, die gehen, gehen gerne mit", versichert Geck. Es sind, wie Geck selbst, alles Steg auracher. Dazu kommt eine Mitarbeiterin, die zuvor schon vor Ort in Walsdorf Verwaltungsarbeiten erledigte. Zusammen werden sie die neue fünfköpfige Verwaltung von Walsdorf bilden, die mit 200 Wochenarbeitsstunden, also vier Vollzeitstellen, starten wird. "Natürlich muss jeder zusätzliche und neue Aufgaben übernehmen", sagt Geck. Aber das sei alles besprochen.

Am 2. Januar soll das Team dann voll loslegen. Dann öffnet das neue Rathaus mit Publikumsverkehr. "Es wird sicher noch nicht alles klappen", bittet Geck um Verständnis. Aber er ist optimistisch, dass es funktionieren wird. Bis dahin ist aber noch einiges zu erledigen. Größter Unsicherheitsfaktor ist derzeit noch, ob die Telekom den bis spätestens 31. Dezember versprochenen schnellen DSL-Anschluss legt. "Wenn nicht, haben wir ein Problem", meint Geck.

Und ein Testlauf der Verwaltungssoftware Ende Dezember wäre auch nicht schlecht. Schließlich müssen zum Anfang des Jahres gleich Steuerbescheide verschickt werden. Es sind aber auch in Stegaurach noch die Datenbestände, beispielsweise aus der Finanzverwaltung, zu trennen. Oder Ordner zu sortieren und nach Walsdorf zu transportieren. Andreas Geck hat trotzdem "ein gutes Gefühl", dass es gelingen wird "eine extrem bürgerfreundliche Verwaltung, die gezielt auf die Wünsche der kleinen Gemeinde eingehen kann", aufzubauen.

Und Bürgermeister Heinrich Faatz (CSU)? Auch er ist zuversichtlich. Das soll auch gefeiert werden. Schon an Silvester. Da wird in Walsdorf etwas mehr los sein als sonst, deutet er an - will aber noch nichts genaues verraten.