Die Gemeinde Kemmern hat eine besondere Form: Man könnte einen Zirkel nehmen und auf einer Karte einen Kreis ziehen, somit wäre im Groben das ganze Gemeindegebiet erfasst. Dass Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) am Donnerstagabend Erfreuliches in der Gemeinderatssitzung verkünden kann, hat unter anderem mit der kompakten Form zu tun: Das gesamte Gemeindegebiet von Kemmern ist seit Mitte Februar mit schnellem Internet versorgt. Alle 1100 Haushalte des rund 2600-Einwohner-Städtchens surfen demnach mit bis zu 100 Mbit/s.

Anders als in anderen Kommunen erreichen auch die Häuser an den Randlagen, die weiter entfernt von den Verteilerkästen liegen, nahezu diese Geschwindigkeit: "Wir gehen davon aus, dass 80 bis 90 Mbit/s das Minimum sein werden", sagt Gerst.


Bereits 2007 verhandelt

Auch der Bürgermeister betont: "Wir sind deutlich begünstigt, dass wir nur einen Ortsteil haben." Doch habe der schnelle Ausbau in erster Linie mit den erfolgreichen Verhandlungen mit der Telekom zu tun. Bereits 2007 hatte es Gespräche mit dem Konzern gegeben. Der Gemeinderat stimmte damals laut Gerst einem Ausbau mit Glasfaserkabeln bis zu den Verteilerkästen zu. Die Gemeinde investierte rund 40 000 Euro. So konnten die Bürger früher als andere mit bis zu 16 Mbit/s surfen. Davor waren nur 500 kbit/s möglich.

Dass Kemmern damals die erste Gemeinde im Kreis war, die das Breitband ausbaute, lag an der Geschlossenheit: "Wir wollten nicht warten, wir wollten in das Breitband rein!", betont der Bürgermeister.

Im Jahr 2014 dann stellte sich die Frage, ob man das bayerische Förderprogramm in Anspruch nehmen soll. Ganz unumstritten war die Entscheidung nicht, ob die Gemeinde wieder mit der Telekom verhandeln soll. Doch lief dies positiv. Der Konzern baute eigenwirtschaftlich aus. Danach kam die Kommune nicht mehr für die bayerische Förderung in Frage, da die 50 Mbit/s über den geforderten 30 Mbit/s der Richtlinie lagen.

Mit der Vectoring-Technik hat die Telekom die gesamte Wohnbebauung von Kemmern auf bis zu 100 Mbit/s umgerüstet. Schneller als gedacht wurde der Breitbandausbau somit (vorerst) abgeschlossen.

"Wir stehen weiterhin in Verhandlungen", sagt Gerst. "Wir werden im Rahmen des Bundesförderprogramms einen Masterplan erstellen." Das Endziel soll später mal Glasfaser bis in jedes Haus sein.