Das hat was von Hochsicherheitstrakt: Am Ortsrand von Memmelsdorf hält der Fahrer im Dunkeln vor einem Eisentor, das sich unter orangenem Blinklicht aufschiebt.

Dahinter schlängelt sich ein schmaler Weg zur "Schatzkammer". Schlüsselmeister Raimund Wörner lässt hier nicht jeden rein. Aber wer es schafft, wird von 500 Kilogramm Bonbons, 250 Kilogramm Gummibärchen und 250 Kilogramm Popcorn in Empfang genommen - beziehungsweise vor allem deren Duft.

Zumindest bis Samstagabend. Denn im Laufe des Tages kommen die Gruppen, die am großen Memmelsdorfer Faschingsumzug teilnehmen und holen sich ihre Ration für Sonntag - jeweils einen Karton. Viele Gruppen werfen zusätzlich eigene Leckereien.

Schließlich warten auf der 1,4 Kilometer langen Strecke jedes Jahr zwischen 5000 und 10 000 Narren darauf, dass ein reicher Süßkram-Regen - im Fachjargon "Kamellen"-Regen - auf sie niederprasselt.


"40 Prozent landen allerdings in den Kehrmaschinen", sagt Raimund Wörner, Geschäftsführer des Ortskulturrings Memmelsdorf. 50 Vereine sind Mitglied in diesem Zusammenschluss, darunter auch der MCC - der Memmelsdorfer Carneval Club. Der Verein hat seine Halle gleich neben dem Süßigkeiten-Depot. Hier werden die Wagen für den großen Umzug präpariert.

Um 14 Uhr geht's los

Wenn sie am Sonntag um 14 Uhr losrollen, ist in den Monaten vorher viel passiert. Es wurde geplant, beantragt, angemeldet. Wann beginnt man mit der Organisation eines Umzugs mit jährlich 60 bis 70 Gruppen? "Vor dem Umzug ist nach dem Umzug", sagt Raimund Wörner. Jedes Jahr verteilt er noch am Sonntag Merkblätter für das nächste Jahr.

"Die Bestimmungen sind streng", sagt Wörner. "Man kann nicht einfach einen Wagen umbauen und mitfahren." Vorher müssen etliche Fragen geklärt werden - was ist eine "wesentliche Veränderung" am Fahrzeug? Wie müssen die Bordwände am Lkw angebracht werden? Wurde das Fahrzeug so verändert, dass es der TÜV anschauen muss? Und wie kommen die Laster trotz des Lkw-Fahrverbots am Sonntag zum Umzug?

"Die Fahrer stellen sie schon am Samstag am Bauhof ab. Es kommt aber auch vor, dass einer für eine Sondergenehmigung zahlt, wenn er nur am Sonntag fahren kann", erklärt Wörner.

Narren, die mit dem Privat-Pkw teilnehmen, empfiehlt er, sich mit der Versicherung in Verbindung zu setzen. "So ein Faschingsumzug ist eine Sondernutzung, da kann es sein, dass die Vollkasko nicht mehr zahlt." Raimund Wörner weiß Bescheid.

Er weiß auch, dass "wir Glück mit unserem Landratsamt in Bamberg haben", wie er sagt.
Die Behörde gibt die Erlaubnis für den Faschingsumzug aus, sperrt die Umgehungsstraße, kümmert sich um das Rechtliche. "Das ist ein Mordsaufwand", sagt Wörner. "Aber auch Bauhof und Gemeinde bringen sich sehr ein." Wenn es ums Schilder für Umleitungen und Parkverbot aufstellen geht, hilft die Kommune mit. "Würden die die Kosten auf Heller und Pfennig abrechnen, könnten wir den Faschingsumzug vergessen."

Was Wörner nicht vergessen darf, sind die Posten auf der Rechnung für den Umzug. Die Kalkulation ist knapp. Den größten Anteil machen mit 6500 Euro die "Faschingswurfartikel" - die Süßigkeiten - aus. Dazu kommt eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung, die Bezahlung der Musikkapellen, Sicherheitskräfte, diverse Genehmigungen, die Reinigung der Seehofhalle, zusätzliche Toilettenkabinen und die Gema-Gebühren für die Musik, die alleine mit 600 Euro zu Buche schlagen.

Umzug trägt sich gerade selbst

2011 hat der Ortskulturring 11 000 Euro eingenommen - und genauso viel ausgegeben. Fast jedes Jahr halten sich Einnahmen und Ausgaben die Waage. "Die Geschichte steht und fällt mit dem, was die Zuschauer bereit sind, auszugeben". Wörner spielt auf den einen Euro freiwillige Spende an.

Aber noch wichtiger: "Ohne die ehrenamtlichen Helfer läuft gar nichts." Zum Team gehören auch die Feuerwehren. "Das ist ein Massen-Arbeitstag für die Jungs, sieben Wehren sind vor Ort und passen auf, dass niemand unter den Wagen nach Bonbons sucht."

Wörner wird ernst. "Wenn irgendwas passiert, ist das der Tod eines Faschingsumzuges." Deswegen gibt es dieses Jahr etwas ganz Neues: ein Sicherheitskonzept, das vom Veranstalter, Gemeinde und Bauhof, Malteser und der Feuerwehr entwickelt wurde. Ein Notfallplan soll es ermöglichen, schnell eingreifen und helfen zu können.

In den letzten Jahren ist nichts Schlimmes passiert. Raimund Wörner hofft, dass das so bleibt. Er lehnt sich an einen riesiges Popcorn-Karton-Hochhaus und blickt nach oben. "Wenn am Sonntag das letzte Tanzmariechen seine Vorführung unverletzt überstanden hat und keiner unter die Räder gekommen ist, dann fällt der Druck ab." Und dann kommen die Kehrmaschinen und schlucken die letzten liegen gebliebenen Bonbons.