Seit 20 Jahren fährt Heiko Lindner durch die Geisfelder Straße mit Tempo 50 zur Arbeit. Er kennt die Strecke fast auswendig. Doch in den vergangenen Tagen ist der Mistendorfer hinter dem Steuer aufgeschreckt, als er kurz nach Ortseingang das Schild entdeckte: Seit kurzem gilt auf einem Stück der viel befahrenen Straße Tempo 20. "Ich war total überrascht", sagt Lindner.

Lindner ist nicht der einzige, der verwundert, ja auch etwas verärgert, auf die Neuregelung reagierte. "Bei uns kamen viele Anfragen dazu an", sagt Julian Brehm, der "Blitzer Bamberg und Landkreis" auf Facebook betreibt. "Viele haben geglaubt, dass es sich um einen Scherz handelt", erzählt er. Tempo 20 sei schließlich ungewöhnlich.


Kinder müssen Seite wechseln

Die Begrenzung hat einen Grund: Im Kern geht es um die Schulwegsicherheit von Kindern. Da auf dem an die Geisfelder Straße angrenzenden Muna-Gelände mehrere Flüchtlingsfamilien mit schulpflichtigen Kindern untergekommen sind, müsse nun auch deren Sicherheit in Straßenverkehr gewährleistet werden, erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Die Kinder und Jugendlichen müssten schließlich die Straßenseite wechseln, um zur Bushaltestelle auf Höhe Siemensstraße zu kommen. Weil der Gehweg auf der stadteinwärts linken Seite nicht durchgehend vorhanden ist, müsse das vor der Haltestelle geschehen.

"Nach der Schülerbeförderungsverordnung ist die Situation als besonders gefährlich einzustufen", sagt Siebenhaar. Aufgrund der besonderen Gefahr wurde auf einem Teilstück Tempo 20 mit dem zusätzlichen Schild "Achtung Schulkinder" verkehrsrechtlich angeordnet. Außerdem mussten acht Parkplätze gestrichen werden. Die Sichtbarkeit der Fußgänger, die über die Straße wollen, ist nur so laut der Sprecherin gewährleistet. Später soll an der Stelle auch eine Mittelinsel entstehen, die das Überqueren erleichtern soll.


Tempo nicht verhandelbar

Mit Tempo 20 haben Pendler wie Heiko Lindner ein Problem: "Mit 30 könnte ich leben." Jetzt fürchtet er, dass bei Kontrollen kräftig abkassiert werden könnte. Auch Julian Brehm von "Blitzer Bamberg und Landkreis" plädiert für Tempo 30: "Die Geisfelder Straße war immer Messstelle der Polizei. Bei Tempo 20 hat man schnell den Führerschein weg." Brehm wie auch Lindner finden, dass die neue Geschwindigkeit deutlicher markiert sein müsste. Schließlich gelte am Berliner Ring Tempo 70 und vor dem Ortsschild 100. Der Abstand zu Tempo 20 sei groß. Außerdem schlägt Lindner vor, nachts Tempo 50 zu erlauben.Doch ist an der Regelung wohl nicht zu rütteln: "Die Sicherheit von Schulkindern ist nicht verhandelbar", sagt Sprecherin Siebenhaar.


Kommentar von Sebastian Martin

Dass die neue Temporegelung in der Geisfelder Straße viele Pendler ärgert, ist nachvollziehbar. Dennoch gilt auch hier wie an anderen Stellen: Sicherheit geht vor. Inzwischen leben auf dem Muna-Gelände einige Familien mit Kindern. Dass dem Nachwuchs auf seinem Weg zum Schulbus nichts passiert, dafür ist in erster Linie immer zu sorgen.

Doch auch die Kritiker haben nicht unrecht, die sagen, dass das neue Tempo besser sichtbar gemacht werden muss, wenn nachhaltig mehr Sicherheit für Kinder gewährleistet sein soll. So fahren viele Autofahrer weiterhin mit Tempo 50 an der Stelle, weil viele sich der Beschränkung (noch) gar nicht bewusst sind. Grundsätzlich aber gilt: Tempo 20 bringt keinen um. Langsamer fahren ist besser, als am Ende das Nachsehen zu haben. Sonst heißt es wieder: Muss denn immer erst etwas passieren...