Das Einräumen aller ihm zur Last gelegten Vorwürfe und die mehrfache Entschuldigung bei allen Betroffenen hat den 29-jährigen S.R. vor einem höheren Strafmaß als die gegen ihn verhängte Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten bewahrt.

Von einer Aussetzung zur Bewährung, wie Alexander Wessel, der Anwalt des Angeklagten, gefordert hatte, sah Amtsrichter Thal jedoch ab.

Dem Mann, der die deutsche und die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt und vor Gericht die Dienste einer Dolmetscherin in Anspruch nahm, wurde vorgeworfen, im Juli vergangenen Jahres in der Strullendorfer Mozartstraße in einer durch einen Baum und ein Gebüsch teilweise geschützten Position gewartet zu haben, bis sich Schüler auf dem Schulweg in Rufweite befanden.


Glied aus der Hose geholt

Einen achtjährigen Jungen habe er angesprochen, wobei er kurz zuvor sein Glied aus der Hose geholt und uriniert habe, wobei ihm bewusst gewesen sein müsse, dass das Kind das Geschlechtsteil zumindest teilweise sehen könnte.

Mehrfach habe er versucht, den Jungen mit Zurufen wie "Komm her" beziehungsweise "Come here" von der Straße wegzulocken. Das Kind habe die Situation jedoch richtig eingeschätzt und sei weggelaufen, so dass eine weitere Tatausführung nicht möglich gewesen sei.


German Schweinekopf

Kurz darauf habe er ein Mädchen angesprochen - dessen Personalien nicht ermittelt werden konnten - und es ebenfalls anzulocken versucht. Eine Zeugin habe das Geschehen beobachtet und durch lautes Rufen das Kind aufgefordert, wegzurennen.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurde ein Laptop sichergestellt auf dem sich Bilddateien befanden, die als kinderpornografische Schriften einzustufen sind. Verantworten musste er sich außerdem wegen Beleidigung. Die Polizeibeamten, die ihn in die JVA brachten, hatte er "Fucking Nazi" und "German Schweinekopf" genannt und zuvor auch den Staatsanwalt mit "Fucking Nazi" tituliert.

S.R., der seit sechs Monaten in Untersuchungshaft sitzt, räumte alle Vorwürfe ein, ohne etwas zu beschönigen. Ein Mädchen jedoch habe er in der Mozartstraße nicht angesprochen. Dies sei "zu 100 Prozent nicht passiert". Als der Junge in seine Nähe gekommen sei, habe er lautes Rufen der Zeuginnen gehört. Daraufhin sei er zu seinem Auto gegangen.

Auch Staatsanwalt Daniel Heppt informierte, dass mit großem Aufwand versucht worden sei, dieses Mädchen zu finden. Ohne Erfolg. Er beantragte deshalb, diesen Teilsachverhalt (zweiter Vorfall) zunächst einzustellen.

Was denn hätte passieren sollen, wären die Zeuginnen nicht eingeschritten, wollte Richter Thal vom Angeklagten wissen. Er glaube schon, dass er den Jungen aufgefordert hätte, ihn anzufassen, ließ dieser übersetzen.


"Es war das erste Mal"

Es sei nicht gezielt sein Plan gewesen, dort hin zu gehen und er habe sich zuvor noch nie einem Kind sexuell genähert. Als er den Jungen gesehen habe, sei aber doch das Gefühl hochgekommen, es tun zu wollen, räumte er ein.

Später beantwortete R. auch die Frage des Gutachters dahingehend, dass es sich bei dem Impuls, sich Kindern nähern zu wollen, um das erste Mal gehandelt habe.

Seit 2005 stand der Angeklagte, der seit rund zweieinhalb Jahren in Deutschland ist, in Amerika und Großbritannien mehrfach vor Gericht, unter anderem zwei Mal wegen versuchter Sexualstraftaten gegen Kinder (darunter Anstiftung einer Minderjährigen zu sexuellen Handlungen), Diebstahl, Beschädigung, Körperverletzung (schwere häusliche Gewalt) oder Senden von unzüchtigen Belästigungen über öffentliche Kommunikationsmittel.


Pädophile Tendenzen

Gutachter Walter Bogner führte aus, dass der Angeklagte, der Vater einer zweijährigen Tochter ist, im Gespräch mit ihm sexuelle Empfindungen gegenüber Kindern als völlig fremd bezeichnet habe. Er bezeichne sich als heterosexuell mit einer abgeschlossenen homosexuellen Episode.

Bei ihm lägen keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung, organische Schädigung, Suchtmittelmissbrauch oder Persönlichkeitsstörung vor. Auch keine Pädophilie. Pädophile Tendenzen dagegen seien anzunehmen. Dafür sprächen die kinderpornografischen Bilder, aber auch einiges, das er bei der Vernehmung geäußert habe.

Auf die Anhörung von Zeugen konnte verzichtet werden. Staatsanwalt Daniel Heppt forderte eine Gesamt-Freiheitstrafe von einem Jahr und drei Monaten für die versuchte sexuelle Handlung vor Kindern, den Besitz kinderpornografischer Schriften in vier Fällen und die Beleidigungen.

Den Zeuginnen sei es zu verdanken, dass es nicht zu Schlimmerem kam, sagte er. Zugunsten des Angeklagten spreche, dass er alle Taten eingeräumt und damit vor allem dem Buben die Aussage vor Gericht erspart habe.
Man habe es dennoch mit einem Fall zu tun, der von der Thematik her sehr gefährlich sei, denn der Angeklagte habe sich mit seiner sexuellen Neigung Kindern gegenüber nicht ausreichend auseinandergesetzt.


Zehn Monate ohne Bewährung

Rechtsanwalt Alexander Wessel sah eine Strafe von nicht mehr als einem Jahr als angemessen an, die unter Auflagen, die eine therapeutische Behandlung einschließen, zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Zehn Monate ohne Bewährung lautete schließlich das Urteil. Es liege eine gefährliche Mischung von Umständen vor, wenn man sich seine Neigungen nicht eingestehe, es aber doch wieder zu Taten komme, so Amtsrichter Thal in seiner Begründung.

Eine günstige Sozialprognose könne er dem Angeklagten, dessen Lebenssituation durch die U-Haft instabiler sei als vor der Tat, nicht ausstellen. Beide Seiten verzichteten auf Rechtsmittel.