Was ist nur mit den Motorradfahrern am Würgauer Berg? Roland Kauper hat genug von den schweren Unfällen, von den Rasern, von der Lärmbelästigung, von der Belastung für die Feuerwehren und Rettungsmannschaften der Stadt.

"Es ist zum Kotzen", macht der Bürgermeister nach dem besonders furchtbaren vergangenen Wochenende mit drei Motorradunfällen und vier schwer verletzten jungen Männern seinem Unmut Luft. Am Samstag krachte ein 17-Jähriger in einen Traktor, am Sonntag verunglückte zuerst ein 20-Jähriger, der aus der Kurve getragen wurde. Nur wenig später stießen ein 19-Jähriger und ein 23-Jähriger zusammen. Polizei, Feuerwehren und Rettungskräfte kamen kaum nach, vier Hubschrauber waren im Einsatz. "Jetzt muss die Politik ran!", fordert Kauper.

Was er damit meint, sind bauliche Maßnahmen. "Der Berg muss für Motorradfahrer so unattraktiv werden", dass sie ihn nicht mehr rauf und runterdüsen, steht für ihn fest. "Wir haben ihn schon so unattraktiv wie möglich gemacht", sagt Uwe Zeuschel, Bereichsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt. Das ist der Baulastträger für die B 22, die auch den Würgauer Berg hochführt. In den vergangenen fünf Jahren, so listet Zeuschel auf, wurden Schutzplanken mit Unterfahrschutz ausgestattet, in der sogenannten Applauskurve (wo oft gefilmt wurde) ist der Parkplatz aufgelassen, die Innenkurven wurden bepflanzt, damit man nicht durchschauen kann, eine neue Markierung wurde aufgebracht, die beim Drüberfahren Geräusche erzeugt, auf der ganzen Strecke gilt Tempo 50 und es wurden etliche Warn-Schilder aufgestellt.

Die Bamberger Polizei tut ein Übriges: "Wir zeigen Präsenz", so deren Sprecher Markus Dotterweich. "Wir sind jedes Wochenende draußen, machen Geschwindigkeitskontrollen, lassen anhalten, machen technische Kontrollen, haben auch schon etliche Motorräder aus dem Verkehr gezogen." Freilich, und da sind sich alle mit der Problematik Befassten einig, fährt die Mehrzahl der Motorradfahrer anständig. Es sind einzelne, die Dotterweich als "Risiko-Fahrer" bezeichnet, die als Unfallverursacher in die Statistiken einziehen. Im vergangenen Jahr weist die Statistik für den Würgauer Berg drei Unfälle mit zwei Schwerverletzten und einem Leichtverletzten aus.

Mit diesem Wochenende wurde der Vorjahresstand bereits überholt: Insgesamt verunglückten bis jetzt sechs Motorradfahrer in dem kritischen Bereich. Das ist laut Dotterweich Kilometer 3,5 bis 5,9, also ein zweieinhalb Kilometer langer Abschnitt. Meist trifft es Jüngere und damit Unerfahrene. Was auch die traurige Bilanz dieses Wochenendes bestätigt: Junge Männer im Alter von 17 bis 24 wurden schwer verletzt. "Oft handelt es sich um Motorradfahrer, die entweder das Risiko überschätzen oder bewusst Grenzen ausloten."


Kein Problem mit Tempo 50

Eigentlich dürfte bei Einhaltung der vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer nichts passieren. Es sei auch schon diskutiert worden, so Jürgen Stadter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Bayreuth, die B 22 in dem genannten Bereich zu sperren. Rechtlich sei dies schwierig. Überdies diene die B 22 als Umleitungsstrecke für Unfälle auf der Autobahn A 70. "Das wäre auch ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die vernünftig fahren", zeigt er sich verständnisvoll, "die Strecke ist reizvoll." Für Einheimische und Einsatzkräfte hingegen ist der Reiz eher vergangen. "Viele trauen sich am Wochenende gar nicht den Berg hoch zu fahren und meiden die Strecke, doch gerade Landwirte müssen ja zu ihren Flächen", schildert Kauper. Kreisbrandmeister Gerald Uch weiß, dass selbst Feuerwehrkameraden Angst haben, den Berg mit ihren Familien hochzufahren, weil ihnen jemand reinkrachen könnte. Die Aktiven der Würgauer Wehr treffen Unfälle am Würgauer Berg immer besonders stark, weil sie als örtliche Wehr immer bleiben, bis alles abgewickelt ist. Da sei ein gewisser Frust nur allzu verständlich. "Die trifft es immer besonders", fühlt Uch mit.

Alles nur wegen der Risiko-Fahrer. "Wenn einer das Risiko sucht, dem muss man eigentlich die Strecke wegnehmen", folgert Markus Dotterweich. Das ginge am direktesten wohl durch einen Umbau mit Umgestaltung der Kurven. "Ein komplizierter Umbau und eine neue Trasse", kommentiert Experte Zeuschel auf Nachfrage. "Sie müssten den Kurvenradius von jetzt 30 bis 50 Meter auf dann größer 200 beziehungsweise 300 Meter machen." Dazu bräuchte es Einschnitte in den Berg zwischen zehn und 22 Metern. Danach würde alles hier "ziemlich anders aussehen" und Kosten von geschätzten zehn bis 15 Millionen Euro bedeuten. Dazu wäre ein konkreter Auftrag vom Bund nötig. "Das muss man wollen."


Nur eine Verlagerung

Zeuschel gibt aber auch zu bedenken, dass dies das Problem nur verlagern würde, sich die Biker dann eben eine andere Strecke suchen.